Qualität statt Quantität
28.10.2022 Region BremgartenDas neue räumliche Entwicklungsleitbild wurde der Bevölkerung präsentiert
Welche Charakteristika des Dorfes sind es wert, gewahrt zu werden? Wie soll sich die Gemeinde in Zukunft raumplanerisch entwickeln? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine lokale ...
Das neue räumliche Entwicklungsleitbild wurde der Bevölkerung präsentiert
Welche Charakteristika des Dorfes sind es wert, gewahrt zu werden? Wie soll sich die Gemeinde in Zukunft raumplanerisch entwickeln? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine lokale Arbeitsgruppe mit zwei Planungsbüros. Daraus wurde ein Handlungsprogramm für das räumliche Entwicklungsleitbild, kurz REL, erarbeitet.
Celeste Blanc
Bäuerlich-ländlicher Charakter, gut erhaltene, wertvolle historische Bauten, intakter Ortskern, viel Grünfläche und eine schöne Einbettung der Siedlungen in die Natur – in Künten wurde in raumplanerischer Hinsicht bisher viel richtig gemacht. Um diese für die Wohnqualität wichtigen Charakteristika auch in Zukunft zu wahren, wurde in Zusammenarbeit mit einer vom Gemeinderat eingesetzten Arbeitsgruppe aus Bevölkerungsvertretern von Künten und Sulz sowie den Raumplanungsbüros Karo Kollektiv für Architektur, Raum und Ort GmbH und der Steinmann Ingenieure und Planer AG ein räumliches Entwicklungsleitbild erarbeitet. Dieses hält Massnahmen und Zielsetzungen fest, wie sich die Gemeinde Künten bis ins Jahr 2045 entwickeln soll.
«Es wird immer Wechsel im Gemeinderat oder in der Verwaltung geben», leitet Vizeammann Yves Moser in den Informationsabend für die Bevölkerung ein. Er präsentierte gemeinsam mit Jannine Stüdeli (Karo GmbH) und Manuel Basler (Steinmann Ingenieure und Planer AG) das ausgearbeitete Dokument. «Dieses bietet künftig eine Grundlage, die langfristige, hochwertige räumliche Entwicklung von Künten zu sichern.» Die im REL festgehaltene grobe Planungsstrategie dient zudem als Basis für die anstehende Revision der Nutzungsplanung.
Bäuerlicher Charakter soll gewahrt werden
Für die Definierung der Zielsetzung und der Handlungsfelder ging eine zweijährige Studie mit einer Analyse der bestehenden Infrastruktur im Siedlungsgebiet voraus. Die Analyse hält fest, dass das Dorf seinen bäuerlich-ländlichen Charakter über die letzten Jahrzehnte intakt gehalten hat. «Dieser Aspekt wurde als wesentliche Grundlage für die Raumentwicklung in den kommenden Jahren definiert», erklärt Jannine Stüdeli. Darunter fällt die Bewahrung des Dorfkerns samt den charakteristischen alten Bauten entlang des Strassenverlaufs. Zudem wurden aus den Ergebnissen verschiedene Entwicklungsbereiche definiert, die es gezielt zu fördern respektive zu erhalten gilt. Hauptziel ist die nachhaltige Siedlungsentwicklung in den verschiedenen Dorfteilen. So sollen, wo möglich, ausgewiesene Freiräume bestehen bleiben und Grünräume, wie der Wendelihoger im Gebiet Rain, öffentlich zugänglich werden und wo möglich ökologisch aufgewertet werden. Hingegen ist geplant, verdichtetes Bauen im Taracell- und Birchmeier-Areal (Mischnutzung von Gewerbe und Wohnen) wie unternutzte Parzellen weiterzuentwickeln. «Identitätsstiftende Orte», wie Stüdeli sie nennt, etwa die alte Mühlegruppe oder die Obstbaumbestände in Sulz, gilt es in ihrer jetzigen Form zu wahren. «Wichtig ist, dass das Wachstum im Dorf qualitativ und nicht quantitativ vonstattengeht.» Dank einer gezielten Arealentwicklung soll der bisher bestehende Freiraum nicht überbaut werden.
Moderates Wachstum angestrebt
Die festgehaltene Strategie sieht ein moderates Wachstum in den kommenden Jahren vor. Beziffert wurde dieses auf das Anwachsen um rund 300 Einwohner bis 2040/2045. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von 0,7 Prozent.
Die Siedlungsentwicklung fokussiert zudem Fortentwicklung des Angebots für ältere Einwohnerinnen und Einwohner sowie für junge Familien. «Auch sind in Künten die Vereine für das Dorfleben wichtig. Hier ist es angezeigt, künftig darauf zu achten, dass die Räumlichkeiten erhalten oder gar ausgebaut werden», so Stüdeli weiter.
Da die Natur für die Gemeinde ein wichtiger Faktor ist, sieht das REL vor, die Biodiversität entlang der Reuss und den bäuerlich-ländlichen Charakter entlang der Siedlungsränder zu fördern und den Reusssteg gut in die sensible Landschaft zu integrieren. Eine weitere Idee ist es, den Bürstbach aufzuwerten. Auf die Frage eines Anwesenden, was hier angedacht sei, erwidert Vizeammann Moser, der auch in der Arbeitsgruppe mitwirkte: «Es handelt sich bisher nur um eine Idee, nicht um ein verpflichtendes Konzept.»
Konkretere Ausarbeitungen, welche Parzellen in welche Gestaltungsrichtlinien fallen, würden erst im Zuge der Revision der Nutzungsplanung gemeinsam mit den Eigentümerinnen und Eigentümern definiert. «Mit dem Abschluss des REL ist erst der erste Schritt in der Nutzungsplanungsrevision getätigt. Diese wird uns, wenn alles rundläuft, bis schätzungsweise 2028 beschäftigen.»
Der nächste Schritt sei nun die Beschlussfassung für den Planungskredit an der Winter-«Gmeind» am 22. November.
Das gesamte Dokument «Räumliches Entwicklungsleitbild REL Künten» ist auf der Gemeindehomepage www.kuenten.ch unter Aktuelles abrufbar.



