Bremgarter Spitzenjahrgang
11.10.2022 BremgartenDer Wümmet am Stadtberg sorgt für zufriedene Gesichter
Die Ernte am Rebberg der Ortsbürger war heuer hervorragend. Der Bremgarter Weinjahrgang 2022 dürfte ein aussergewöhnlich guter werden.
Marco ...
Der Wümmet am Stadtberg sorgt für zufriedene Gesichter
Die Ernte am Rebberg der Ortsbürger war heuer hervorragend. Der Bremgarter Weinjahrgang 2022 dürfte ein aussergewöhnlich guter werden.
Marco Huwyler
Wo immer es etwas zu feiern gibt in Bremgarten, ist er nicht weit. Der Stadtberger. Kaum eine Ehrung, wo er den Offiziellen nicht als Präsent dient. Kaum ein Fest im Namen der Stadt, wo er nicht ausgeschenkt wird.
Über 12 Tonnen geerntet
Insofern dürfte man sich im Rathaus besonders darüber freuen, dass der Bremgarter Tropfen in naher Zukunft von auserlesener Qualität ist. Und darüber hinaus – anders als der Jahrgang 2021 – nicht so schnell ausgehen sollte. «Nach den Jahren 2015 und 2018 haben wir 2022 den nächsten absoluten Spitzenjahrgang», berichtet Mario Müller. Insgesamt 12,3 Tonnen gesunde Trauben konnte der Winzermeister in den vergangenen Wochen ernten. Davon entfallen 3 Tonnen auf die Sorte Müller-Thurgau, je 1,5 Tonnen auf die Sorten Charmont und Gamaret sowie 6,3 Tonnen auf die Sorte Pinot noir. Aus ihnen werden in den kommenden Monaten insgesamt je vier Rot- und Weissweine sowie ein Dessertwein hergestellt. Neben der grossen Menge punktet der Bremgarter Weinjahrgang 2022 insbesondere auch mit seiner hochwertigen Qualität. Bei den Oechslegraden, die den Zuckerwert in den Trauben messen, konnten Spitzenwerte verzeichnet werden.
«Ein fantastisches Weinjahr»
Stadtberger: Der Bremgarter Rebjahrgang 2022 überzeugt sowohl qualitativ als auch quantitativ
Nach dem durchzogenen letzten Jahr war der Wümmet am Stadtberg heuer ertragreich wie selten. Das trockene und warme Sommerwetter sorgte für hervorragende Erntezahlen.
Marco Huwyler
Lokalpatriotische Weinliebhaber dürfen sich auf einen edlen Tropfen freuen. Denn das Bremgarter Rebjahr hätte kaum besser sein können. «2022 reiht sich nahtlos in die Riege unserer besten Jahrgänge ein», berichtet ein zufriedener Mario Müller. Der Bewirtschafter blickt auf eine intensive Erntezeit zurück. An insgesamt sechs Tagen haben freiwillige Helfer vom 12. September bis zum 4. Oktober das zwei Hektaren grosse Rebgebiet am Stadtberg abgeerntet.
Der Wümmet konnte damit rund zwei Wochen früher als geplant abgeschlossen werden. Nicht bloss deshalb ist die Stimmung unter den Helferinnen und Helfern prächtig. «Wir haben ein motiviertes Trüppchen zusammen», erzählt Müller. «Ich bin dankbar darüber, so viele treue Seelen zur Unterstützung zu haben.» Rund 20 Freiwillige aus Bremgarten und Umgebung, darunter viele Pensionierte, haben tatkräftig dafür gesorgt, dass keine einzige Traube mehr an den Rebstöcken unterhalb des Belvédère hängt. Mit einem gemeinsamen Apéro in gemütlicher Runde lassen sie den Tag und den Abschluss des diesjährigen Wümmets ausklingen. «Die meisten sind schon seit Jahren dabei. Uns eint der Spass am Zusammensein beim Traubenlesen und die Freude an gutem Wein», sagt Müller, der sich mittlerweile seit 9 Jahren als «Winzermeister» um die Reben der Bremgarter Ortsbürgergemeinde kümmert.
Zweitbeste Ernte
Einen Jahrgang wie diesen hat der diplomierte Gärtnermeister dabei selten erlebt. «Für Wein war es wirklich ein Spitzenjahr. Das trockene und warme Wetter hat dafür gesorgt, dass beispielsweise unser Pinot noir heuer 103 Öchslegrade aufweist. Das ist nach dem Topjahr 2018 der zweithöchste Wert überhaupt, seit ich hier bin.» Mit dem Öchslegrad wird das Mostgewicht des unvergorenen Traubensafts gemessen. Dieses zeigt an, wie viel Zucker im Verhältnis zu Wasser im Traubensaft enthalten ist. Je höher dieser Wert, desto besser. Denn bei einem hohen Öchslegrad enthält ein Wein noch genug Zucker, um selbst bei höherem Alkoholgehalt eine gewisse natürliche Restsüsse aufzuweisen, was einen guten Wein ausmacht. «Entscheidend für die Spitzenwerte war es, dass wir nach dem hervorragenden Sommer auch einen schönen Herbst hatten. So konnten die Trauben ideal fertigreifen», erklärt Müller.
Nur Bio-Pflanzenschutz
Nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ sei der Bremgarter Weinjahrgang 2022 ein hervorragender geworden. «Dank der Trockenheit hatten wir an unseren Reben kaum Krankheiten. Insbesondere vom Mehltau wurden wir dieses Jahr glücklicherweise gänzlich verschont.» Gemäss Müller habe man zudem auf giftige Pestizide verzichten können. «Wir haben fast ausschliesslich Bio-Pflanzenschutzmittel eingesetzt und hatten kaum Verluste.» Insgesamt 12,3 Tonnen Trauben konnten am Stadtberg heuer abgelesen werden. Das ist mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr. Im verregneten Jahr 2021 hatte sich die Ernte auf gerade einmal 5,2 Tonnen belaufen. Damit werden dieses Jahr rund 11 000 bis 12 000 Flaschen Stadtberger Wein abgefüllt werden können. Dieser geht an die Ortsbürger und wird während des Jahres traditionell an vielen offiziellen Anlässen der Stadt ausgeschenkt. Ein Teil gelangt aber auch in den öffentlichen Verkauf und wird in diversen Restaurants der Stadt und der Umgebung angeboten. Insgesamt je vier verschiedene Sorten Rot- und Weisswein sowie ein Dessertwein werden unter dem Label «Stadtberger» produziert. Bis man den Weinjahrgang 2022 geniessen kann, wird es mindestens Frühjahr. «Der Weisswein dürfte ab dem Frühling ausgeschenkt werden können. Beim Rotwein dauert es etwas länger. Da dürfte es Spätsommer oder Herbst werden, bis er in die Flaschen abgefüllt wird», berichtet Müller.
Bald eine neue Sorte?
Derweil wird die vor einigen Jahren eingeleitete Remontierung am Stadtberg weiter fortgesetzt. Bereits heute sind gut 40 Prozent der alten Rebstöcke durch robustere und lockerbeerige Sorten und Klone ersetzt worden. Dieser Trend soll in Zukunft weiter fortgesetzt und intensiviert werden. «Es ist eine weitere Änderung geplant», verrät Müller. Noch sei aber nichts spruchreif. «Die Evaluierung in der Rebbaukommission läuft momentan.» Denkbar sei es, dass zu den bisherigen Sorten Müller-Thurgau, Charmont, Pinot noir, Gamaret und Merlot eine weitere hinzukomme. Ganz unabhängig davon, wofür man sich entscheidet – am Stadtberg sollen weiterhin qualitativ hochwertige und möglichst nachhaltige Weine produziert werden. Schliesslich ist der Stadtberger nichts weniger als eine der wichtigsten Visitenkarten Bremgartens.



