Bald ist Markt der Vielfalt
14.10.2022 BremgartenIn einer Woche taucht Bremgarten ins Mittelalter
Der 21. Markt der Vielfalt wird so bunt und abwechslungsreich, wie man ihn kennt. Die Bremgarter Altstadt erfährt dabei eine Zeitreise ins Mittelalter.
Kein anderer Bremgarter Markt bietet so viele ...
In einer Woche taucht Bremgarten ins Mittelalter
Der 21. Markt der Vielfalt wird so bunt und abwechslungsreich, wie man ihn kennt. Die Bremgarter Altstadt erfährt dabei eine Zeitreise ins Mittelalter.
Kein anderer Bremgarter Markt bietet so viele verschiedene Attraktionen wie der Markt der Vielfalt. Das viergeteilte Marktgelände lockt Gross und Klein mit Jahrmarktstimmung und einer Welt, wie sie so ähnlich vor gut 500 Jahren im Städtli ausgesehen haben muss. Insbesondere am historischen Handwerkermarkt gibt es für Kinder und Familien auch heuer so einiges zu entdecken. --huy
Mit allen Sinnen im Mittelalter
Markt der Vielfalt in einer Woche in der Bremgarter Altstadt
Der 21. Markt der Vielfalt bietet wieder zahlreiche Attraktionen für Gross und Klein. Insbesondere das historische Handwerk in den hinteren Gassen der Altstadt dürfte erneut zahlreiche Kinder- und Familienherzen höherschlagen lassen.
Marco Huwyler
Die Erleichterung bei den Verantwortlichen, dass man dieses Jahr wieder einen Markt unter normalen Bedingungen durchführen kann, ist allenthalben zu spüren. «Das letzte Jahr mit den ganzen Corona-Einschränkungen ist uns schon an die Substanz gegangen, die Auswirkungen davon spüren wir nach wie vor», sagt Susanna Vanek vom OK des historischen Handwerkermarktes. «Es war schwer, heuer alles wieder so anzukurbeln, wie es früher war. Viele Gönner und Sponsoren sind vorsichtig geworden.»
So auch das Organisationskomitee selber. Aufgrund der Umsetzung der 3G-Regeln hat man im vergangenen Jahr nämlich ein Minus erwirtschaftet. «Um das Fortbestehen unseres schönen Marktes langfristig zu gewährleisten, haben wir dieses Jahr minim kleinere Brötchen gebacken. Das Unterhaltungsprogramm ist etwas feiner und subtiler als auch schon. Doch davon werden die Gäste kaum etwas spüren», ist Vanek zuversichtlich.
Keine Taler mehr
Als eine der Änderungen verzichtet man dieses Jahr auf die spezielle Marktwährung, den Bremgarter Taler, mit dem man in den vergangenen gut 15 Jahren am Markt der Vielfalt bezahlen konnte. «Bremgarten gehört jetzt wieder zur Schweiz», witzelt Vanek. Grund für die Abschaffung der Marktmünze war deren geringer Umlauf in den vergangenen Jahren. «Die Leute, die ihn erworben hatten, sahen ihn zuletzt mehr als Sammlerstück denn als Zahlungsmittel», erklärt Karin Schaufelbühl, die wie Vanek seit Jahren zu den Organisatoren des historischen Handwerkermarktes gehört. «Und das war eigentlich nicht der Sinn und Zweck davon.» So werden die unzähligen Angebote und Attraktionen des Marktes heuer wieder ausschliesslich für normale Franken und Rappen feilgeboten. Wenn überhaupt etwas dafür verlangt wird. Denn zahlreiche Attraktionen auf dem Areal des historischen Handwerkermarktes sind wie gewohnt kostenlos. «Das ist nach wie vor unsere erste Priorität», sagt Schaufelbühl. «Wir möchten den Menschen ein kostenloses Familienvergnügen und einen Ausflug in eine mittelalterliche Welt bieten, die man mit allen Sinnen erleben und auskundschaften kann. Dafür haben wir das ganze Jahr geweibelt. Auf das Ergebnis sind wir schon ein wenig stolz», lächelt sie.
Schaufelbühl und Vanek gehören zu den rund 10 Mitgliedern der «Freunde des historischen Handwerks». Gemeinsam haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, den Marktteil in den hinteren Gassen der Oberstadt jedes Jahr zur ganz besonderen Mittelalter-Welt werden zu lassen. Und das Ergebnis lässt sich auch dieses Jahr sehen. Gegen 70 Handwerksleute präsentieren in altertümlicher Kleidung zahlreiche Berufe, Tätigkeiten und Aktivitäten, wie sie damals im Mittelalter ausgeübt wurden. Ob Schmied, Färber, Korber, Bäcker, Bierbrauer, Kürschner, Buchbinder, Uhrmacher, Moster, Spinner, Schwertfeger oder Papierschöpfer – die Liste der am historischen Handwerk Teilnehmenden ist lang, bunt und spektakulär.
Darauf findet sich vielerlei Altbekanntes – aber auch einige Neuerungen. «So wollen wir den Markt lebendig halten», sagt Vanek. Erstmals können Kinder in diesem Jahr beispielsweise einen eigenen, individualisierten Harry-Potter-Zauberstab aus Metall giessen lassen. Und der Zeughaussaal ist ganz dem diesjährigen Marktmotto, der Schokolade, gewidmet (vgl. auch Ausgabe dieser Zeitung vom 26. August). Hier kann man vom Schokoladenbrunnen naschen, seine eigenen Pralinen schmücken, verschiedene Sorten probieren und den Chocolatiers bei ihrer Tätigkeit über die Schultern schauen.
Im Schellenhaus nebenan steht derweil der Stoff im Fokus. Ob Klöppeln, Nähen oder Spinnen – die hier veranschaulichten Techniken sind mannigfaltig. «Teilweise werden 100 Jahre alte Stoffe zur Schau gestellt. Das war noch Qualität damals. Kein Vergleich mit vielen Billigkleidern von heute», findet Vanek.
Etwas für Liebhaber
Ziel hinter alledem ist es, vor allem den kleinen Marktbesuchern ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. «Die Zeit soll ein wenig stehen bleiben. Fernab von Handy oder Computer sollen die Kinder hier ein unvergessliches Erlebnis haben. Ein mittelalterliches Erlebnis für alle Sinne, mit Düften, Klängen und haptischen Wahrnehmungen», sagt Schaufelbühl, die selbst als Goldschmiedin zum Erlebnis beiträgt. Wie üblich sei der historische Handwerkermarkt fernab von allem Umsatzorientierten. «Dieser Marktteil ist etwas für Liebhaber, die nicht aus monetären Gründen hierherkommen. Unser Lohn sind die unzähligen glücklichen, positiven Feedbacks, die wir jeweils erhalten. Viele kommen jedes Jahr von weither und haben das Datum in der Agenda dick angestrichen. Wir machen das alle aus Freude an der Sache.»
Verpflegung und Attraktionen
Neben dem historischen Handwerk wartet der Markt der Vielfalt wie üblich auch mit dem grossen Altstadt-Neuwarenmarkt, dem Antikwarenmarkt (Brocante) im Casino und dem Mittelaltermarkt beim Casino-Parkplatz auf. Auch hier kehrt man dieses Jahr allenthalben zur Normalität zurück. Während im vergangenen Jahr etwa noch ein grosszügiger Corona-Schutz-Mindestabstand zwischen den Ständen gefordert war, kann man heuer wieder enger zueinander aufstellen. Die Anzahl der Stände wird damit wieder gegen 400 betragen.
Teil davon ist auch ein reichhaltiges Verpf legungsangebot, verteilt über das ganze Marktgelände. Maroni, Wurst- und Backwaren, Risotto, Gemüsesuppe, Spiess- und Schlangenbrote, Kürbissuppe und das traditionelle Pilzessen (heuer wieder im statt vor dem Reussbrückesaal) lassen den Markt der Vielfalt auch kulinarisch zum besonderen Erlebnis werden.
Daneben locken weitere Attraktionen wie das traditionelle Karussell auf dem Obertorplatz, der Rammbock des Cevi, mit dem besonders mutige Kinder auch heuer mit Bestimmtheit das Tor aufbrechen werden, die Hexenturmbesichtigungen am Sonntag, der Synesiussegen für die Augen in der Stadtkirche, das 24-Minuten-Tretautorennen beim Isenlauf-Parkplatz, die Oldtimer-Rundfahrten auf dem Obertorplatz und noch vieles mehr. «Der Markt der Vielfalt wird seinem Namen auch dieses Jahr mit Gewissheit wieder vollends gerecht», sagt Schaufelbühl lächelnd. «Ich freue mich richtig auf das nächste Wochenende.»
«Markt der Vielfalt», 22. und 23. Oktober, 10 bis 18 Uhr, in Bremgarten. Lageplan und weitere Informationen unter www.markt-der-vielfalt.ch.



