Klingler übernimmt auch «Sonne»
16.09.2022 BremgartenNach dem «Drei Könige» ist nun auch die «Sonne» in der Hand des Zürcher Investors
Der Ex-Topmanager Hansjürg Klingler investiert weiter in Bremgartens Gastronomie.
Marco Huwyler
Das «Drei ...
Nach dem «Drei Könige» ist nun auch die «Sonne» in der Hand des Zürcher Investors
Der Ex-Topmanager Hansjürg Klingler investiert weiter in Bremgartens Gastronomie.
Marco Huwyler
Das «Drei Könige» am Bogen eingangs Marktgasse ist seit Monaten in Baugerüste gehüllt. Eigentlich hätte der Ausbau längst abgeschlossen sein sollen. Anfang dieses Jahres machten Vertreter des neuen Eigentümers gegenüber dieser Zeitung ihr Vorhaben publik, im Frühling 2022 dort ein neues Restaurant eröffnen zu wollen.
Doch das Millionenprojekt stockt. Die Bauarbeiten sind eingestellt. Und die Eröffnung dürfte sich weiter verzögern. Am Konzept mit Restaurant im Erdgeschoss und Wohnungen in den oberen Etagen ändert sich jedoch nichts.
«Sonne» erhält neues Team
Dafür wurde nun bekannt, dass mit Hansjürg Klingler nun derselbe Investor auch das Gebäude gegenüber übernommen hat. Noch bis Ende Jahr werden die ehemaligen Besitzer und aktuellen Pächter von der Marco Polo Business Apartments AG um den Gastronomen René Holenweger das dortige Restaurant «Sonne» wie bisher weiterbetreiben. Danach übernimmt ein neues Team des neuen Eigentümers mit einem neuen Konzept.
Zwei Restaurants, ein Besitzer
Mit der «Sonne» hat Hansjürg Klingler eine weitere historische Bremgarter Altstadtliegenschaft übernommen
Neben dem «Drei Könige» wird künftig auch das prominente Haus gegenüber vom Zürcher Gastronomieunternehmer geführt. Am Bogen in der Innenstadt sollen zwei Restaurants mit unterschiedlichen Konzepten entstehen.
Marco Huwyler
Im Frühjahr wurde bekannt gegeben, dass die Marco Polo Business Apartments AG um Sandro Burki und René Holenweger die «Sonne» in Bremgarten verkauft hat. An wen genau, darüber hüllte man sich in Schweigen. Lediglich von einer Investorengruppe namens «Geneva Trust» war damals die Rede. Welcher Kopf dahinter steckt, war lange Zeit unklar. In der «Sonne» wurde derweil von den bisherigen Gastronomen in Pacht weitergewirtschaftet.
Nun ist durchgesickert, dass es sich beim neuen Besitzer der «Sonne» um den Zürcher Gastrounternehmer Hansjürg Klingler handelt. Dies bestätigt Bremgartens City-Manager Ralph Nikolaiski. «Wir sind mit dem neuen Eigentümer in Kontakt und tauschen uns regelmässig aus.» Die «Geneva Trust» ist mittlerweile in Klinglers Privatbesitz überführt worden.
Beim «Drei Könige» harzt es
Beim Namen des ehemaligen Zürcher Topmanagers dürfte es einigen Lesern dieser Zeitung zu Recht klingeln. Er war nämlich bereits Anfang dieses Jahres im Zusammenhang mit dem gegenüber der «Sonne» liegenden «Drei Könige» in den Schlagzeilen.
Nachdem auch dort monatelang Ungewissheit geherrscht hatte, sprach der Hermetschwiler Gzim Hasani, die «rechte Hand» Klinglers, der in Bremgarten dessen Interessen vertritt, Mitte Januar an dieser Stelle erstmals über die Pläne des Zürcher Investors, der die «Drei Könige» nach zwei Jahren Leerstand und undurchsichtiger Besitzerwechsel schliesslich übernommen hatte.
Verzögerungen wegen Bauunternehmen
Im Erdgeschoss sollte demnach ein Restaurant im Stile einer italienischen «Enoteca» entstehen – guter Wein und feine Kost in einer mediterran angehauchten Gaststätte. Darüber, in den oberen Stockwerken, plante man fünf grosszügige Wohnungen in bester Altstadtlage. Eröffnet bzw. bezogen werden sollte das «neue» «Drei Könige» im Mai dieses Jahres. Mittlerweile schreiben wir allerdings bereits den September. Und das geschichtsträchtige Gebäude, das zu den ältesten Bremgartens gehört, ist nach wie vor in ein Metallbaugerüst gehüllt. Mehr noch – am «Drei Könige» wird zurzeit gar nicht gearbeitet. Und eine ausladende, weisse provisorische Tür versperrt Neugierigen den Blick ins Innere.
Nachdem es ursprünglich aufgrund des Denkmalschutzes und archäologischer Sondierungen unter dem historischen Gebäude zu Verzögerungen gekommen war, sind es mittlerweile juristische Gründe und Unstimmigkeiten beim beauftragten Bauunternehmen, welche die Renovation des «Drei Könige» verzögern. «Wir gehen derzeit aber davon aus, dass wir die Bauarbeiten in wenigen Wochen wieder aufnehmen können», sagt Klinglers Vertrauter Hasani.
Unabhängig davon ist klar, dass der neue Investor einen langen Atem beweisen will. Das neue Restaurant – dessen offizieller Name nach wie vor noch nicht bekannt gegeben wird – soll definitiv kommen. Genauso wie die Wohnungen. Momentan geht man bei Letzteren von einem möglichen Bezugsdatum in ein paar Wochen aus. Das Restaurant des «Drei Könige» soll dann etwas später, Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres, eröffnet werden können.
Zwei verschiedene Gastrokonzepte
Bis dann wird gegenüber in der «Sonne» wie bisher weitergewirtschaftet. Noch bis Ende Dezember läuft der Pachtvertrag, der zwischen Klingler und den Betreibern und ehemaligen Eigentümern nach dem Verkauf der Liegenschaft ausgehandelt wurde. So lange wird das Marco Polo Restaurant Sonne wie bisher betrieben und dort Sushi und Steaks aufgetischt.
Danach soll unter neuem Namen ein neues Gastrokonzept mit einem neuen Team aufgezogen werden. Was genau, wird zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten. «Das Konzept der ‹Sonne› wird sich von demjenigen des ‹Drei Könige› jedoch diametral unterscheiden», berichtet Hasani, der, wie dasjenige von ‹Drei Könige› auch das Projekt der ‹Sonne› für Klingler begleitet. Am Bogen eingangs der Marktgasse sollen «zwei vollkommen verschiedene Restaurants entstehen, die das Gastroangebot des Städtli beide auf ihre Art und Weise stilvoll bereichern», sagt Hasani. Überdies solle keines der beiden dem Vorbild der bestehenden Nobel-Businessrestaurants «Klinglers» in Luzern oder Zürich folgen oder so heissen. «In Bremgarten herrschen andere Bedürfnisse», sagt Hasani. Entsprechend werde man sich auch daran orientieren.
Keine grosse Renovation
Aufgrund des neuen Betriebskonzepts – das einer Bewilligung bedarf – sowie der Umgestaltung der Innenräumlichkeiten wird die «Sonne» Anfang des neuen Jahres für einige Wochen bis Monate geschlossen. «Wir werden nichts Riesiges machen. Die Vielfältigkeit der heutigen ‹Sonne› wollen wir bewahren», sagt Hasani. «Allenfalls werden wir die Einrichtung und das Angebot noch mehr auf Bremgarten und dessen Eigenheiten runterbrechen.» Was das genau heisst, lässt er vorerst offen. Genauso, wie den definitiven Zeitpunkt der Wiedereröffnung. Da auf eine Renovation – wie sie gegenüber im «Drei Könige» anstand bzw. weiterhin ansteht – bei der «Sonne» angesichts der erst 2019 erfolgten Totalsanierung verzichtet werden kann, dürfte dies nicht allzu lange dauern und das Restaurant bereits im Frühjahr 2023 wieder bewirtschaftet werden können. So werden, wenn von jetzt an alles nach Plan läuft, innert weniger Wochen gleich zwei neue Gastrobetriebe im Herzen der Altstadt eröffnet. Zwei Restaurants mit grosser Historie mit dem gleichen Besitzer, aber völlig unterschiedlichen Angeboten gleich nebeneinander. Darauf darf man wahrlich gespannt sein.
Vorerst kein Hotel mehr
Der Hotelbetrieb der «Sonne» wird auch unter dem neuen Zürcher Besitzer Hansjürg Klingler nicht wiederaufgenommen. Stattdessen werden die «Business Apartments» in den oberen Stockwerken wie bisher unter «Marco Polo» mit einer Mindestlaufzeit von einem Monat weiterbetrieben und vermietet.
Damit fehlt es Bremgarten weiterhin an einem grösseren Hotel in der Innenstadt. Ganz in Stein gemeisselt ist dies jedoch noch nicht: «Wir müssen uns erst einmal an die Gegebenheiten in der ‹Sonne› gewöhnen und herantasten, dann sehen wir weiter», sagt Hasani zu diesem Thema. Langfristig wäre durchaus eine andere Nutzung denkbar. --huy



