Bremgarten aus Bronze
02.09.2022 BremgartenDer gelernte Architektur-Modellbauer Heinz Briner arbeitet an einem Relief der Stadt
In gut einem Jahr soll ein Ebenbild Bremgartens aus Bronze gegossen werden. Dafür werden nun Gönner gesucht. Derweil Heinz Briner in Fronarbeit emsig am Projekt werkelt. ...
Der gelernte Architektur-Modellbauer Heinz Briner arbeitet an einem Relief der Stadt
In gut einem Jahr soll ein Ebenbild Bremgartens aus Bronze gegossen werden. Dafür werden nun Gönner gesucht. Derweil Heinz Briner in Fronarbeit emsig am Projekt werkelt.
Marco Huwyler
Im kleinen Gewerberaum gleich neben dem Bahnhof Isenlauf entsteht etwas Grosses. Seit rund 10 Monaten arbeitet Heinz Briner hier nämlich an einem Abbild Bremgartens. Eines, das dereinst in Bronze verewigt und so beim Eingang zur Altstadt Bremgartens zum informativen und taktilen Blickfang werden soll. «Das Relief wird zu Ehren der Stadt geschaffen», sagt Briner, der zur Ver wirklichung des Projekts eine IG gegründet hat. «Es ist als bleibendes, kulturelles Kunstwerk in Form eines Geschenkes an die Bevölkerung zu verstehen.»
An der Finanzierung des 152 000 Franken teuren Reliefs können sich Interessengruppen und Gönner aus Wirtschaft und Kultur beteiligen. «Wir schaffen so gemeinsam ein neues, erlebnisreiches, unvergängliches Angebot und Kunst im öffentlichen Raum.»
Ein Modell zum Berühren
Das Modell Bremgartens soll greifbar und robust werden und wird Beschriftungen inklusive Blindenschriften enthalten. So soll es gelingen, mit einem ästhetisch anspruchsvollen Kunstwerk eine anschauliche, bildliche und physische Übersicht Bremgartens zu liefern. Am Projekt beteiligt sich auch die Stadt mit 17 000 Franken. So wird das Relief auch Teil künftiger «Infopoints» der Stadt, welche in Angriff genommen werden sollen.
Der pensionierte Architektur-Modellbauer Briner ist begeistert von seinem Projekt, welches Bremgarten, getreu der Wortbedeutung von Relief, «in die Höhe heben» soll. Das Urmodell des Reliefs soll im Spätsommer kommenden Jahres nach einer zweijährigen Bauphase fertiggestellt und in Aarau in Bronze gegossen werden, bevor entweder im Herbst 2023 oder im Frühling 2024 die Installation und anschliessend die feierliche Vernissage erfolgt. Bis dahin sind jedoch noch zahlreiche Stunden Fronarbeit notwendig.
«Etwas Einmaliges schaffen»
Heinz Briner stellt ein Relief Bremgartens her
Eine Interessengemeinschaft lancierte das Projekt eines Stadtmodells von Bremgarten. Durch ein Crowdfunding soll das rund 150 000 Franken teure Relief aus Bronze finanziert werden. Die Arbeiten daran laufen bereits auf Hochtouren.
Marco Huwyler
Heinz Briner war schon immer fasziniert von seiner Heimatstadt. «Bremgarten ist einmalig. Diese einzigartige Kombination aus Architektur und Natur war und ist für mich aus städtebaulicher Sicht etwas vom Schönsten, was es gibt.» So entwickelte er schon als Bub eine Vision. «Der Wunsch, Bremgarten als Ganzes plastisch darzustellen, erwuchs mir schon in ganz frühen Jahren.» Doch ein solches Vorhaben ist selbstredend ambitioniert und erfordert viel Zeit und sonstige Ressourcen. Deshalb wagte sich Briner Zeit seines Berufslebens – er arbeitete vierzig Jahre in der Architekturszene – nie an die Umsetzung des Bubentraumes. «Auch aus Respekt vor dem wunderbaren, bereits bestehenden Stadtmodell von Erich Russenberger selig.»
Kochs Anstupf
Doch das im Stadtmuseum ausgestellte Werk hat einen Haken. Es wurde nie vollendet. «Eine Zeit lang spielte ich mit dem Gedanken, dieses zu ergänzen», erzählt Briner. Motiviert wurde er dazu auch vom langjährigen Stadtführer und Ur-Bremgarter Heinz Koch, der nach dessen Pensionierung auf Briner zukam. «Er sagte: nun hast du keine Ausreden mehr», berichtet Briner lachend. Doch schliesslich verwarfen sie den Gedanken, an Russenbergers Modell Hand anzulegen, wieder. «Wir befanden, dass man das unvollendete Werk aus künstlerischen Gründen und als Zeitzeuge so belassen soll, wie es vorhanden ist.»
Doch die alte Idee der Schaffung eines eigenen Bremgarter Abbilds war durch den «Anstupf» Kochs im Kopf Briners wieder neu entflammt worden. «Ich verspürte tief in mir drin das wachsende Bedürfnis, meine Liebe zu Bremgarten künstlerisch auszudrücken. Und ich denke so der Stadt, wo ich aufgewachsen bin und eine schöne Kinder- und Jugendzeit erlebt habe, auch etwas Sinnstiftendes, Unvergängliches zurückgeben zu können», sagt Briner.
Zum Anfassen
So lancierte man schliesslich 2020 das Projekt eines neuen Stadtmodells als Bronze-Relief nach dem Vorbild von verschiedenen bestehenden Modellen historischer Städte, wie zum Beispiel Luzern und Zürich. Mit einem öffentlich zugänglichen Relief an prominenter Lage sollen Einheimische, Besucher und Gäste von Bremgarten rasch eine anschauliche, bildliche und physische Übersicht der einzigartigen Mäanderstadt mit ihren Reussschlaufen und der darin eingebetteten historischen Altstadt erhalten. «Die Topografie und die historischen Gebäude können so erfassbar gemacht werden», erklärt Briner. Ziel ist es, dass etwas Taktiles entsteht. Etwas zum Anfassen. «Etwa für Kinder und Schulklassen. Aber auch für Sehbehinderte.» Für sie wird neben der visuellen Legende der wichtigsten Bauwerke auch eine in Blindenschrift in das Relief eingraviert.
Wagen mit vier Rädern
Zur Umsetzung der Idee gründete Briner schliesslich gemeinsam mit Koch, Dora Weissenbach, Marco Portmann und Stephan Troxler die «IG Relief Bremgarten». «So ist das Projekt breit abgestützt an verschiedenen Fronten», sagt Briner. Weissenbach und Koch als Vertreter der Kultur, Portmann als Unternehmer und Geomatiker. Und Troxler als BT-Tourismus-Vertreter. «Ich vergleiche sie jeweils mit den vier Rädern eines Autos», sagt Briner lächelnd. «Und ich bin der Motor.»
Städtereisen zur Inspiration
Vor rund 10 Monaten wurde dieser definitiv angeworfen. Briner machte sich Ende 2021 daran, in seinem Atelier im Meyerhof 18 das Urmodell seines Reliefs zu konstruieren. Mittels detaillierter Pläne, die von Portmann zur Verfügung gestellt wurden, unzähliger Fotografien – darunter auch diverse eigens dafür angefertigte Drohnenaufnahmen seines Sohnes Michael – und immer wieder auch persönlicher Augenscheine vor Ort, modelliert der 66-Jährige seither «sein» Bremgarten. Es ist eine äusserst akribische Arbeit. Mit Holz und Kunststoff erstellt er liebevoll die Topografie und sämtliche Bauwerke der Stadt. Praktisch jeden Tag stundenlang. «Manchmal kommt mir auch in der Nacht eine Idee, wie ich dies oder das umsetzen oder jenes Problem lösen könnte», berichtet Briner lachend. «Dann kann ich natürlich nicht anders, als aufzustehen und dies zu notieren – oder mich gleich an die Arbeit zu machen.»
Zur Inspiration hat Briner zusammen mit seiner Frau Monika – der ehemaligen Bremgarter Stadträtin – in letzter Zeit zudem viele Ortschaften besucht, die ähnliche entsprechende Bronze-Reliefs ausgestellt haben. «Vor allem in Deutschland ist dies ziemlich verbreitet», erzählt Briner, der auf dem Weg zur definitiven Variante einige Schwierigkeiten zu bewältigen hatte. Etwa die Sache mit dem Massstab. «Es war von Anfang an die Idee, ganz Bremgarten abzubilden – nicht nur die Altstadt.» Ursprünglich alles im gleichen Grössenverhältnis. «Doch so hatte ich schliesslich das Problem, dass das Modell als Gesamtes zu gross und die Altstadt, die natürlich eine prominente, zentrale Rolle spielen soll, im Verhältnis zu klein gewesen wäre.» Die Lösung fand Briner schliesslich in einem abnehmenden Grössenverhältnis nach aussen hin. So ist der innere Kern im Massstab 1:700, während die äussersten Regionen etwa 1:1000 abgebildet sind. Gesamthaft wird das Modell so 1,30 Meter breit und 2 Meter lang. «Eine ideale Grösse für das, was wir anstreben», findet Briner.
Abguss als langer Prozess
Rund ein Drittel des Urmodells ist zum jetzigen Zeitpunkt bereits fertiggestellt. Der ehrgeizige Plan der IG sieht vor, dass dieses in rund einem Jahr der Glockengiesserei von Aarau in zwei verschiedenen Giessverfahren als Vorlage des Endproduktes des edlen, hochwertigen und unvergänglichen Bronze-Reliefs dienen soll. Das Giessen und die Nachbearbeitung ist ein aufwendiger Prozess. Drei bis vier Monate dauert es, bis das Bronze-Relief schliesslich vollendet sein wird. Ein Vorgang, der von Briner selbstverständlich begleitet wird und an dem er aktiv mitarbeitet.
Crowdfunding zur Finanzierung
So macht dieser Prozess denn auch den grösste Teil der Kosten aus, die ein Projekt dieser Dimension natürlich verursacht. 122 000 Franken kostet der Abguss inklusive Bearbeitung. Mit den Raumkosten für das Atelier, dem Material für das Urmodell, dem Sockel für das Bronze-Relief sowie der Installation beträgt das Gesamtbudget 152 000 Franken. Planung und Modellbau – insgesamt rund 1800 Arbeitsstunden – erbringt Briner kostenfrei. Die Stadt Bremgarten beteiligt sich mit 17 000 Franken, indem sie die Raumkosten und diejenigen für Sockel und Installation übernimmt. Der Rest – also mit 135 000 Franken der Löwenanteil – soll mittels Crowdfunding in verschiedenen Betragsstufen durch Gönnerschaften zusammenkommen. «Die Idee ist, dass privilegierte Bremgarter ähnlich wie ich selbst ihrem Städtli so etwas zurückgeben können», erklärt Briner.
Das Konzept ist gut angelaufen. Zu den ersten Gönnern zählen Dora Weissenbach, die Familie und Firma Utz sowie einige weitere Fans. So kamen insgesamt bereits 60 000 Franken zusammen. «Angesichts dieser Beträge und des grossen Vertrauens, das mir Stadt und Gönner entgegenbringen, empfinde ich schon eine grosse Verantwortung», sagt Briner. «Aber es gibt mir auch die Gewissheit, dass wir hier wirklich etwas Grosses, Einzigartiges schaffen dürfen. Und ich empfinde grosse Vorfreude beim Gedanken daran.»
Wenn alles nach Plan geht, soll das Bronze-Relief Ende 2023 oder im Frühjahr 2024 bei einer feierlichen Vernissage in besonderem Rahmen eingeweiht werden und einen prominenten Platz beim Obertor erhalten. «Das Modell soll ein heller, glanzvoller und freundlicher Anblick zum Anfassen beim Eingangstor zu unserer wunderschönen Altstadt werden», sagt Briner. Ein wetterfestes Kunstwerk zudem, das Generationen überdauert. Ein Abbild Bremgartens im unvergänglichen Kleinformat. Und auch ein Bubentraum, der schlussendlich wahr wird.



