Bewegende Badizeiten
27.09.2022 BremgartenChef-Badmeister Roger Marti über die Herausforderungen der Badeanlage Isenlauf
Nach einem herausragenden Sommer blickt man bei der städtischen Badeanlage mit grosser Vorfreude, aber auch mit einigen Sorgen auf ein ganz spezielles, anstehendes Jahr. ...
Chef-Badmeister Roger Marti über die Herausforderungen der Badeanlage Isenlauf
Nach einem herausragenden Sommer blickt man bei der städtischen Badeanlage mit grosser Vorfreude, aber auch mit einigen Sorgen auf ein ganz spezielles, anstehendes Jahr.
Marco Huwyler
Vor gut einem halben Jahrhundert wurde in Bremgarten noch ausschliesslich in der Reuss gebadet. Einem Fluss zudem, der damals nicht annähernd so sauber war, wie er heute daherkommt. Dann aber gings Schlag auf Schlag. Im Herbst 1972 wurde das Hallenbad der neuen Badeanlage Isenlauf in Betrieb genommen. Und gut ein halbes Jahr später, am 1. Juni 1973, folgte die Eröffnung des Freibades, das der Bremgarter Bevölkerung seither sichere, saubere Abkühlung unter freiem Himmel gleich neben dem Flussufer beschert.
Es ist also ein grosses Jubiläum, das für die Badeanlage Isenlauf im kommenden Jahr ansteht. Gerne würde man die «50 Jahre Badi Isenlauf» auch gebührend feiern. Doch in welchem Rahmen dies möglich sein wird, steht momentan noch nicht fest. Die anstehenden hohen Strompreise sorgen nämlich momentan für Kopfzerbrechen bei den Verantwortlichen. Diese Erhöhung ist dem Ziel, den Badebetrieb in Bremgarten kostendeckend zu führen, nicht eben zuträglich. Welche Extra-Auslagen 2023 drin liegen, ist daher noch ungewiss.
Ein gutes Jahr – aber kein Rekordjahr
Für Betriebsleiter Roger Marti gilt es daher, flexibel zu bleiben und sich momentan an anderem zu erfreuen. Beispielsweise war der Badisommer 2022 so hervorragend wie lange nicht mehr. Auch wenn es trotz einer zwischenzeitlich rekordverdächtigen Zwischenbilanz wegen eines eher flauen Augusts am Ende klar nicht zum Durchbrechen der magischen 100 000-Eintritte-Schallmauer reichte, darf man konstatieren, dass sich die Besucherzahlen von der Corona-Baisse mittlerweile erholt haben.
Speziell für die Badi Isenlauf wird nächstes Jahr auch die Wochenhälfte vom 22. bis 25. Juni. Im Rahmen des «Leuefäschts» wird die Freibadanlage zu einer der belebten «Festinseln» und wartet mit zahlreichen attraktiven Angeboten und Festivitäten auf.
«Würde gerne noch mehr Gas geben»
Badi Isenlauf: Bilanz und Ausblick mit Chef-Badmeister Roger Marti
Nach einem sehr guten Sommer steht für die Badi Isenlauf nächste Saison das 50-Jahr-Jubiläum des Freibads an. Zudem beteiligt man sich als «Insel» am Leuefäscht. Lauter Highlights eigentlich – die aber nicht ohne Sorgen über die Bühne gehen werden.
Marco Huwyler
Als Lebensretter in höchster Not war Bremgartens Chef-Badmeister Roger Marti diesen Sommer nicht gefragt. «Nein, an dieser Front kann ich wirklich nicht klagen. Ein Wespenstich in den Hals und ein paar Schürfwunden waren das Gröbste», berichtet er, als er an diesem sonnigen Herbstmorgen Fazit zieht über die diesjährige Badi-Saison. Selbstverständlich ist diese Unfallarmut nicht. Denn so viele Menschen wie heuer pilgerten schon lange nicht mehr ins Freibad Isenlauf. Gegen 90 000 Eintritte werden es gewesen sein, wenn die Badi am kommenden Freitag per Ende September ihre Freibad-Saison beschliesst.
Das Haar in der Suppe
«Eine so hohe Zahl hatten wir seit 2003 nicht mehr», berichtet der Betriebsleiter. Für Marti und seine Badi war es also ein mehr als guter Sommer. Gänzlich zufrieden damit ist er dennoch nicht. «Die Bilanz hätte noch besser werden können. Denn bis zur Halbzeit waren wir auf absolutem Rekordkurs. Der Mai und der Juni waren sensationell.» Danach aber wurden die Bremgarter etwas bademüde.
Über die Gründe kann Marti nur mutmassen. «Ich habe zwei Theorien, die sicher beide bis zu einem gewissen Grad zutreffen.» Einerseits habe nach der Pandemie jeder nach Urlaub gelechzt. «Ich denke, dass heuer noch mehr fortgingen während der Sommerferien als sonst.» Andererseits habe auch bei den Hiergebliebenen ein gewisser Gewöhnungseffekt nach der langer Hitzeperiode eingesetzt. «Die Menschen empfanden die hohen Temperaturen mit der Zeit nicht mehr als so heiss, dass es sie dringend nach Abkühlung dürstete.» Angesichts der konstanten Hitze sei der Punkt gekommen, an dem 25 Grad geradezu als angenehm kühl empfunden worden seien. Für eine Badi sei dies natürlich nicht ideal. «Besser ist es, wenn es ab und zu ein paar kühle Regentage gibt, bevor es wieder heiss wird und dann jeder wieder ‹sönnelen› und ‹bädelen› will. Heuer hatten wir aber von ein paar gewittrigen Intermezzos abgesehen vom 19. Mai bis zum 26. August durchgehend schön.»
Schwierige Zeiten im Anmarsch
Jammern übers schöne Wetter will der Betriebsleiter dann aber doch nicht zu sehr. «Das wäre ja geradezu absurd für einen Badmeister», lacht er. Zumal die Zahlen ja erfreulich aussehen. Durch die vielen Eintritte und Aboverkäufe konnten die Verluste, die aus dem miserablen letzten Jahr resultierten (Corona und schlechtes Wetter), wieder wettgemacht werden.
Marti hätte also allen Grund zum Strahlen und zur Zuversicht, wie man meinen könnte. Doch auf dem Gesicht des Betriebsleiters erscheinen auf die Zukunft angesprochen bereits die nächsten Sorgenfalten. Einerseits, weil man bei der Badi Isenlauf mit einem Mangel an Badmeistern kämpft. «Diesen Effekt hatte Corona auf die Branche. Badmeister sind oft Sommer-Saisonniers, die wir je nach Bedarf einsetzen. Weil wir sie aber im vergangenen Sommer kaum gebraucht haben, haben sich viele umorientiert, sodass nun ein Mangel herrscht. Ganz ähnlich wie mit dem Servicepersonal in der Gastrobranche.»
Während man gemäss Marti aber zuversichtlich ist, hier auf den kommenden Sommer eine Lösung zu finden, macht ihm ein anderer Umstand viel mehr Bauchschmerzen. Eine Badi verbraucht nämlich viel Energie. Die leistungskräftigen Pumpen, die Lüftungen, das Temperieren des Wassers. Alles braucht Strom. Und dieser wird bekanntlich nächstes Jahr teuer. «Die Stromkrise wird uns sehr hart treffen. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, dass der Effekt für unsere Wirtschaftlichkeit noch schlimmer wird als Corona. Und das will etwas heissen», sagt Marti. Angesichts dieser düsteren Prophezeiung gilt es für die Badeanlage im kommenden Jahr den Gürtel enger zu schnallen, wenn man nicht tiefrote Zahlen schreiben möchte. Und dies ausgerechnet 2023, wenn für die Badi eigentlich schöne Highlights anstehen würden.
Auch kleine Brötchen schmecken
2023 ist für das Isenlauf-Schwimmbad nämlich ein Jubiläumsjahr. 50 Jahre Freibad gilt es zu feiern. Und Marti hätte viele Ideen, wie man dies würdig und festlich tun könnte. Doch angesichts der voraussichtlich angespannten Finanzlage dürfte nur wenig davon realistisch sein. «Ich würde gerne mehr Gas geben. Doch momentan sind mir ein wenig die Hände gebunden», seufzt Marti. Der Betriebsleiter hat allerdings Verständnis für die Situation. «Ich verstehe meinen Vorgesetzten und den Stadtrat, dass man die wirtschaftlichen Gegebenheiten beachten muss. Wenn man in diesen Zeiten bei der Badi klotzen würde, würde dies bei der Bevölkerung zu Recht nicht gut ankommen.» Für den Chef-Badmeister und sein Team gilt es daher kreativ zu sein und nach Lösungen zu suchen, wie man den Stromverbrauch möglichst gering halten kann. «Wir sind daran, die Lüftung und die Pumpen zu optimieren. Ich prüfe derzeit, ob man die Wärmeabsorbermatten für das Freibad eventuell durch eine kleine bauliche Anpassung auch im Hallenbad nutzen könnte. Und die Beleuchtung wurde bereits durchgängig mit LED-Lampen ausgestattet.»
In Anbetracht des Mangels von grösseren Investitionen und Events freut sich Marti derweil über kleine sichtbare Änderungen, die man dieses Jahr umsetzen konnte. So entstanden neben dem Schwimmerbecken Pritschen zum «Sönnelen» und beim «Schiff» – einem so gestalteten Spielplatz für die Kleinen – wurde ein Sonnensegel angebracht, damit die Kinder immer genügend Schatten erhalten. «Beide Änderungen sind hervorragend angekommen», erzählt Marti. Diesen Weg der kleinen Verbesserungen und Verschönerungen will man auch kommende Saison weiterverfolgen.
Eine Insel am Leuefäscht
Ungeachtet von allfälligen Jubiläumsfeierlichkeiten wird die Badi Isenlauf 2023 mit Sicherheit ein grosses Highlight erleben. Am Leuefäscht Ende Juni wird das Freibad nämlich zur Festinsel. Neben einer grossen Musikbühne auf der Spielwiese, einer «Strandbar» auf dem Beachvolleyballfeld und Hüpfburgen auf dem Wasser sind weitere Attraktionen geplant.
«Wir freuen uns sehr darauf», sagt Marti. Zumindest an diesem verlängerten Wochenende werde mit Bestimmtheit auch nicht mit Strom geknausert. Bleibt zu hoffen, dass Petrus dann ähnlich gut gelaunt sein wird wie dieses Jahr. Denn am Leuefäscht dürften selbst die Bademüden im Isenlauf auf ihre Rechnung kommen.



