«Zusammen statt gegeneinander»
03.08.2022 BremgartenCarsten Diekmann plädierte in seiner 1.-August-Rede für Solidarität auf vielen Ebenen
Rund 1000 Leute besuchten die Festlichkeiten anlässlich des Nationalfeiertages auf dem Casino-Vorplatz. Auch ohne Feuerwerk waren Stimmung und Atmosphäre ...
Carsten Diekmann plädierte in seiner 1.-August-Rede für Solidarität auf vielen Ebenen
Rund 1000 Leute besuchten die Festlichkeiten anlässlich des Nationalfeiertages auf dem Casino-Vorplatz. Auch ohne Feuerwerk waren Stimmung und Atmosphäre prächtig.
Marco Huwyler
Carsten Diekmann ist weit herumgekommen und hat sich vielen Aufgaben gestellt in seinem bisherigen Berufsleben. Doch eine Ansprache an einem Nationalfeiertag war auch für ihn, den Deutschen, der neben Engagements in seiner Heimat auch schon in Skandinavien und Grossbritannien tätig war, etwas ganz Besonderes. Eine gewisse Anspannung und Nervosität war dem Geschäftsführer der Georg Utz denn auch anzumerken. «Ich habe grosse Achtung vor dem Tag und der Aufgabe», sagte er eingangs seiner Rede. Davon zeuge auch, dass er für diese Ehre extra seine Ferien verkürzt habe. «Gestern war ich noch an der Ostseeküste – heute stehe ich hier am Reussufer vor Ihnen», lächelte er. «Was für eine wundervolle Kulisse.»
Solidarität als wiederkehrendes Schlagwort
Diekmann hielt in der Folge eine Rede zu Ehren seiner Wahlheimat, die gut zu diesem Abend passte, der ausgesprochen friedlich und harmonisch verlief. «Das Verbindende und nicht das Trennende soll heute im Mittelpunkt stehen», betonte er, bevor er den Bogen schlug von seiner Tätigkeit für die Bremgarter Traditionsfirma, der Schweiz als Heimat, über unsere Rolle und unsere Werte angesichts von Herausforderungen wie der Coronapandemie und dem Ukraine-Krieg bis hin zu einem solidarischen, hoffnungsvollen Zusammenstehen und konstruktiven Miteinander in Taten, Worten und Gedanken. Der Festtagsredner betonte angesichts der komplexen Herausforderungen der heutigen Zeit den Wert der hiesigen Problemlösungsfindung, die oft auf Pragmatismus und einem Kompromiss beruht, mit dem die meisten leben können, indem er diesen bedachten «Schweizer Weg» mit den gemachten Erfahrungen im Ausland verglich. «Sie können nun selbst für sich entscheiden, in welchem Land die beste Entscheidung getroffen wurde», schloss er vielsagend.
Den Nationalfeiertag nahm Diekmann auch zum Anlass, die Wichtigkeit eines ausgewogenen Nebeneinanders von Tradition und Innovation zu betonen. «Die Schweiz wie auch Bremgarten und die Firma Utz haben starke Wurzeln in Form von Tradition, Kultur, Identität und Vielfalt. Ebenso aber auch eine progressive, moderne und innovative Zukunftsorientierung.» Zum Schluss betonte der Utz-Geschäftsführer das Schlagwort der Solidarität auch nochmals im direkten Zusammenhang mit den bewegenden Bildern der russischen Invasion in der Ukraine. Die Welle der internationalen Solidarität mit der Ukraine sehe er als Zeichen dafür, dass auch heute die meisten für die Werte von Freiheit und Selbstbestimmung einstehen wollen. «Das, was in der Schweiz seit 1291 möglich ist wie kaum woanders. Das sind unsere Werte und die Kultur. Das sind unsere Möglichkeiten gegen das Negative. Das ist auch gelebte Solidarität und das Verteidigen unserer freiheitlichen Grundwerte. Ähnlich wie beim Schwur auf der Rütliwiese, wo die Einigkeit vom Volk unter Brüdern und Schwestern beschrieben wird, das auch in Not und Gefahr zusammensteht und die Freiheit verteidigt.»
Gut besucht und feierlich
Der warme Applaus nach diesen abschliessenden Worten war Diekmann gewiss. Damit wurde eine Feier abgerundet, die durchs Band als gelungen zu bezeichnen ist. Vom 1.-August-Brunch, der Festwirtschaft, dem musikalischen Rahmenprogramm bis hin zum gemeinsamen Auftritt der Stadtmusik Bremgarten mit der Musikgesellschaft Hermetschwil und den dazwischen stattfindenden Ansprachen war die Feier beim Casino gut besucht. Auf den Festbänken waren am Abend kaum Lücken auszumachen. Und als zum Schluss die Nationalhymne gespielt wurde, erhob ein mancher Anwesender seine Stimme.
So fiel es auch nicht ins Gewicht, dass das krönende Feuerwerk aufgrund der Dürre nicht stattfinden konnte. Mit den Brandpräventionsvorschriften nahmen es die Veranstalter übrigens äusserst genau. Auch der von den «Sädelgeischtern» angeführte Kinderumzug durchs Städtli wurde lediglich mit LED-Lampions erleuchtet.
Schluss mit Feuerwerk
Ganz nebenbei wurde an der hiesigen 1.-August-Feier in Bremgarten einer jahrzehntelangen Tradition abgeschworen. «Das heuer abgesagte Feuerwerk wäre das letzte gewesen», sagte Raymond Tellenbach in seiner kurzen Ansprache vor Diekmanns Auftritt. «Für 2023 werden Alternativen gesucht.» Wie der Stadtammann verkündete, habe man sich schon für dieses Jahr entsprechende Gedanken gemacht, den Wechsel aber aufgrund der hohen Kosten einstweilen vertagt. «Nächstes Jahr werden wir jedoch definitiv etwas Neues ausprobieren.» --huy




