Geschenkt wird dir nichts
26.07.2022 BremgartenCorinne Dobler als Buchheldin
Der faszinierenden Lebensgeschichte der Bremgarter Pfarrerin und Gastro-Seelsorgerin Corinne Dobler wurde ein Kapitel im neusten Buch von Christian und Christina Boss gewidmet.
Im zehnten Buch des Ehepaars Boss erzählen ...
Corinne Dobler als Buchheldin
Der faszinierenden Lebensgeschichte der Bremgarter Pfarrerin und Gastro-Seelsorgerin Corinne Dobler wurde ein Kapitel im neusten Buch von Christian und Christina Boss gewidmet.
Im zehnten Buch des Ehepaars Boss erzählen bekannte Schweizer Persönlichkeiten wie der Einsiedler Abt Urban Federer, Skirennfahrer Beat Feuz, Journalistin Sabine Dahinden oder Langläufer Dario Cologna ihre bisherige Lebensgeschichte. Mittendrin auch eine Bremgarterin. Corinne Dobler reiht sich nahtlos in die Riege derer ein, die unter dem Titel «Geschenkt wird dir gar nichts», von ihrem Werdegang berichten und dabei Interessantes und zuweilen auch sehr Intimes aus ihrer Biografie preisgeben.
Im Gespräch mit dieser Zeitung berichten die beiden Autoren, was sie am Werdegang und an der Persönlichkeit Doblers besonders fasziniert, erzählen von ihrem eigenen Antrieb als pensionierte Autoren und ihrer sportlichen Vergangenheit im Reuss-Städtli. --huy
«Sie ist eine Ausnahmeerscheinung»
Corinne Dobler ist Protagonistin im neusten Buch des Ehepaars Christina und Christian Boss
Seit ihrer Pension porträtieren Christina und Christian Boss bekannte und bemerkenswerte Schweizer Persönlichkeiten. Im neusten Werk der beiden Erfolgsautoren wird der Werdegang und die Lebensgeschichte der besonderen Bremgarter Pfarrerin beleuchtet.
Marco Huwyler
Ihr ganzes Arbeitsleben hatten Christina und Christian Boss eigentlich nicht besonders viel mit Schreiben am Hut. Das Ehepaar, das sich einst in der Primarschule kennenlernte und seither unzertrennlich durchs Leben wandelt, hat einen ganz anderen beruflichen Hintergrund. Christina arbeitete bei der Polizei und als Angestellte bei einer Bank. Christian war langjähriger Finanzverwalter von Berikon und Angestellter bei der reformierten Landeskirche. Daneben haben die beiden Sportbegeisterten in den 1970er-Jahren für Erfolge beim FC Bremgarten gesorgt. «Unter mir als Cheftrainer ist der FCB erstmals in die 2. Liga aufgestiegen», berichtet Christian nicht ohne einen gewissen Stolz. Und an diesem schönen Erfolg sei selbstverständlich auch Christina beteiligt gewesen. «Als Masseurin war sie ein wichtiges Teammitglied. Als solche war sie nicht nur für das körperliche Wohl essenziell, sondern auch für die exzellente Stimmung in unserer damaligen Mannschaft mitverantwortlich.»
Zugpferde und Unikate
Bereits damals zeigte sich, dass Christina die Gabe hat, zuzuhören und sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Eigenschaften, die über 30 Jahre später dazu führen, dass das Ehepaar zum erfolgreichen Autorenduo geworden ist, das Prominente aus allen Sparten und Landesteilen porträtiert. Nach der Pension haben die beiden nämlich die Passion fürs Schreiben und das Talent fürs Erzählen von interessanten Biografien für sich entdeckt. «‹Mit 66 Jahren, da fängt das Schreiben an›, ist unser Motto», lacht Christina Boss. In nur sieben Jahren haben die beiden seither bereits zehn Bücher veröffentlicht. Das Konzept, unter einem vereinenden Titel wie «Im Tal der Tränen und das Leben geht weiter» oder «Der steile Weg ins Rampenlicht» verschiedene Protagonisten unterschiedlichster Metiers zu Wort kommen zu lassen und deren Biografien zu erzählen und miteinander zu verknüpfen, findet beim Publikum Anklang. Die meisten von «Bosspartners» Werken sind mittlerweile vergriffen. «Unser Erfolgsrezept ist es jeweils, drei oder vier wirklich bekannte ‹Zugpferde› mit grosser Anhängerschaft und schweizweiter Ausstrahlungskraft zu gewinnen», erzählt Christian Boss lächelnd. «Um sie herum betten wir dann noch die ganz besonderen Charaktere ein, die nicht unbedingt nationale Bekanntheit geniessen, dafür aber einzigartige, faszinierende und zum Buchtitel besonders passende Lebensgeschichten zu erzählen wissen.» Und in diese zweite Kategorie ist Corinne Dobler einzuordnen.
Unkonventionell erfolgreich
Im neusten Buch des Ehepaars Boss «Geschenkt wird dir gar nichts» beleuchten die beiden Autoren nämlich unter anderem die aussergewöhnliche Biografie der atypischen Bremgarter Pfarrerin, die mit ihrer äusseren Erscheinung so gar nicht in das gängige Bild einer Seelsorgerin passen mag und die darüber hinaus eine beachtliche Militärkarriere hinlegte, wo sie mit ihren gefärbten Haaren und der rebellischen Ader auf den ersten Blick ja ebenso wenig hinzupassen scheint.
Doblers Geschichte ist diejenige eines Mädchens, das in vergleichsweise armen, schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen ist, früh gelernt hat, sich durchzubeissen und unkonventionelle Wege auf der Suche nach ihrem Lebensglück zu beschreiten, eigentlich stets erreicht hat, wonach sie strebte, und dennoch nie den Humor, ihre Lockerheit sowie ihr Einfühlungsvermögen verloren hat.
Der Leser erfährt, wie Dobler als Kind ihren eigenen Zugang zum Glauben fand, wie sie sich mithilfe eines Deals mit Gott und neben zahlreichen Nebenjobs durchs anspruchsvolle Theologiestudium kämpfte, weshalb sie in das Militär eintrat und wie sie es schliesslich bis zur Pfarrerin und zum Hauptmann der Schweizer Armee brachte. Das Ehepaar Boss lässt dabei auch Weggefährten Doblers zu Wort kommen und wartet fragmentarisch immer wieder mit interessanten und amüsanten Anekdoten und Details aus dem Leben der Pfarrerin auf. So erfährt man beispielsweise, wie sich Klein-Dobler am Tag ihrer Firmung erstmals die Haare färbte, wie sie die Autoritäten der Armee veräppelte (und dafür büsste) oder wie sie als 17-Jährige aus Versehen quer durch Polen bummelte.
Berühren und inspirieren
«Corinne Dobler ist in jeder Beziehung eine Ausnahmeerscheinung», sagt Christina Boss, welche die Interviews mit der 44-Jährigen im Rahmen des Buches führte. «Ich bewundere ihre hilfreiche, einfühlsame und selbstlose Art, gepaart mit einer aussergewöhnlichen Widerstandskraft und Beharrlichkeit.» Ihr Werdegang passe perfekt zum Titel des Buches und habe das Potenzial, viele Menschen zu berühren und zu inspirieren, findet die 72-Jährige. «Bei uns ist ihr dies auf jeden Fall gelungen.»
Verlust mit jedem Buch
Das Ehepaar Boss steht mit der Bremgarter Seelsorgerin nach wie vor in Kontakt und möchte diesen auch nicht missen. «Die zahlreichen interessanten Begegnungen und Beziehungen, die daraus erwachsen sind, sind es letzten Endes ja auch, die uns antreiben und die Arbeit hinter unseren Werken entlöhnen.» Monetär rentiere sich die Autorentätigkeit trotz Erfolg nämlich nicht, wie die Bossens berichten. «Aufgrund der zu finanzierenden Bildrechte und sonstigen Auslagen legen wir je nach Buch bis zu 20 000 Franken drauf», erzählt Christian Boss lächelnd. Doch auf den Kontostand kommt es den beiden zum jetzigen Zeitpunkt ihres Lebens nicht mehr an. Biografien wie diejenige Doblers aus erster Hand zu erfahren, erzählen zu dürfen und damit anderen zugänglich zu machen, ist schliesslich ein unbezahlbares Privileg.
«Geschenkt wird dir gar nichts» von Christina und Christian Boss, ISBN-Nr.: 978-3-7245-2556-1. Weitere Informationen und Erwerb unter www.reinhardt.ch



