Abschied vom Urgestein
08.07.2022 SportMarco Gut vom FC Bremgarten beendet seine Karriere
Ein Vierteljahrhundert lang war Marco Gut Teil des FC Bremgarten. Jetzt verabschiedet sich der 31-Jährige von der Fussballbühne. «Auf der Bärenmatt wird man mich aber nach wie vor antreffen», sagt ...
Marco Gut vom FC Bremgarten beendet seine Karriere
Ein Vierteljahrhundert lang war Marco Gut Teil des FC Bremgarten. Jetzt verabschiedet sich der 31-Jährige von der Fussballbühne. «Auf der Bärenmatt wird man mich aber nach wie vor antreffen», sagt er.
Josip Lasic
Am 10. Juni schlägt der FC Bremgarten den SV Würenlos mit 1:0 und beendet die Meisterschaft mit diesem Sieg auf dem 6. Rang. In dieser Partie läuft Marco Gut zum letzten Mal im Trikot der Reussstädter auf. Da Teamcaptain Tihomir Grabovica abwesend ist, trägt der 31-Jährige auch ein letztes Mal die Captainbinde. Dieses Amt hat er nach mehreren Jahren bereits im letzten Sommer abgegeben, weil er kürzertreten wollte. Jetzt hat sich Gut still und leise vom FC Bremgarten verabschiedet.
«Ich habe viele Spiele in der vergangenen Saison verpasst, war oft verletzt», erzählt der Bremgarter. «So bin ich dem Team keine Hilfe.» Ursache für die vielen Verletzungen ist die Bluterkrankheit namens Hämophilie, die der Flügelspieler von Geburt an hat. «Kriege ich in einem Training oder Spiel einen Schlag, der zu einer Blutung führt, gerinnt das Blut nicht. Ich muss dann Medikamente nehmen und falle dann schnell mal für zwei, drei Wochen aus», sagt er. «Das ist mir in der letzten Saison mehrmals passiert. Die Ärzte sind schon länger der Ansicht, dass ich aufhören sollte.»
Nur ein halbes Jahr «untreu»
Trotz dieser Krankheit hat es der Architekt auf eine 25-jährige Karriere gebracht. Mit sechs Jahren ging seine Reise beim FC Bremgarten los. 17 war er, als er in die 1. Mannschaft aufgenommen wurde, die damals in der 2. Liga spielte. In all den Jahren hat er mit den Reussstädtern einiges erlebt. Abstieg in die 3. Liga, Abstieg in die 4. Liga, Wiederaufstieg in die 3. Liga.
Nur ein halbes Jahr gehörte er nicht dem FCB an. Als die Bremgarter aus der 2. Liga abgestiegen sind, verliess auch der damalige Trainer Luca Iodice den Club. Er ging Richtung Meisterschwanden und holte Gut ein halbes Jahr später nach. «Ich hatte die Gelegenheit, noch einmal in der 2. Liga zu spielen, und habe diese genutzt. Danach ging es zurück zu Bremgarten.» Den Ex-Profi Iodice nennt der Bremgarter auch eine der prägendsten Figuren in seiner fussballerischen Zeit. Daneben auch seinen Vater, der in seinen ersten Jahren als Junior sein Trainer war. «Er hat mich meist härter rangenommen als meine Teamkollegen.» Weitere prägende Figuren: der frühere Mitspieler Raphael Budmiger – oder Alessandro Vicedomini, der mit nur 30 Jahren Trainer beim FC Bremgarten wurde (und danach Co-Trainer des FC Wohlen war). «Alessandro und ich waren Mitspieler. Ich war ausserdem sein Assistenztrainer bei den Junioren. Von ihm habe ich eine Menge gelernt», sagt Gut.
Heirat im kommenden Jahr
Seine Verletzungen sind aber nicht der einzige Grund, dass Gut mit dem Fussball auf hört. Der Bremgarter ist Teil des Reusslauf-OK, wo sein Vater Stephan Gut Präsident ist. Ausserdem ist er Mitglied der Vereine «Event-Schmiede» und «Rüsskult», die diverse Anlässe in Bremgarten organisieren, wie das «Summer Splash» oder das Bremgarter Oktoberfest. «Ich möchte der Stadt, in der ich seit jeher lebe, etwas zurückgeben. Deshalb beteilige ich mich an der Organisation solcher Events. Das ist aber sehr zeitintensiv. Und wenn ich mich irgendwo engagiere, dann ganz oder gar nicht. Für den FC Bremgarten reicht es deshalb aktuell nicht mehr. Ich wäre auch an vielen Wochenenden weg, da zahlreiche Kollegen in ein Alter kommen, wo sie heiraten oder Kinder kriegen.» Apropos heiraten, auch bei Marco Gut ist es im nächsten Jahr so weit. Er und seine Partnerin sind seit zehn Jahren zusammen und werden sich das Jawort geben. Es gibt also gute und schöne Gründe, wieso er den Fussball verlässt. Komplett wird er dem FC Bremgarten nicht den Rücken kehren. «Vielleicht kehre ich eines Tages zurück und spiele bei den Senioren. Ich schliesse auch nicht aus, dass ich eines Tages den Trainerjob übernehme. Bloss nicht in der nächsten Zeit. Da habe ich genug los», sagt Marco Gut lachend. «Ansonsten wird man mich sicher als Zuschauer auf der Bärenmatt antreffen.»


