Feierliche Beförderungen
21.06.2022 BremgartenBrevetierung der Schweizer Armee unter aktuellen Vorzeichen
Der diesjährige Abschluss der Offiziersschule Genie/Rettung/ ABC fand in einzigartiger Atmosphäre in der Bremgarter Stadtkirche statt. Es war ein eindrückliches ...
Brevetierung der Schweizer Armee unter aktuellen Vorzeichen
Der diesjährige Abschluss der Offiziersschule Genie/Rettung/ ABC fand in einzigartiger Atmosphäre in der Bremgarter Stadtkirche statt. Es war ein eindrückliches Erlebnis.
Hans Rechsteiner
Es ist eine Hommage an die Garnisonsstadt Bremgarten. Oberst Patrick Galimberti, der aktuelle Kommandant von Waffenplatz und Offiziersschule, hat die Brevetierungsfeier für die neuen Leutnants seiner Frühlings-Offiziersschule bewusst in die Stadtkirche gelegt, und er will die gute Idee beibehalten.
20 Aspiranten und zwei Frauen wurden in Bremgarten zu Leutnants befördert. Diese Beförderungsfeiern sind für die neuen Offiziere und ihre Familien etwas ganz Besonderes, eine Wegmarke im Leben. Die jungen Leute haben sich in den 15 Wochen nicht nur militärische Kompetenzen angeeignet, haben sportliche und geistige Grenzen ausgelotet, sondern auch gesellschaftlich wertvolle Erfahrungen und Führungskompetenz erreicht, die ihren Altersgenossen abgeht. Eine Offiziers- ist auch eine Lebensschule und eröffnet Karrieren.
Wertschätzung gegenüber Armee
Aus leider aktuellem Grund hatten die Ansprachen der hohen Offiziere deutliche Bezüge zu den Grundpfeilern der Sicherheitspolitik eines einsatzfähigen, neutralen Staates Schweiz und der Bedeutung und der neuen Wertschätzung gegenüber der Armee – nüchterner Realismus und sichere Bescheidenheit, aber auch Zuversicht. Auch der Aargauer Regierungsrat und Militärdirektor Jean-Pierre Gallati gehörte zu den Rednern. Er wandte sich in seiner Ansprache auf Augenhöhe an die neuen Offiziere.
«Sicherheit hat neuen Wert erhalten»
Die eigentlich «normale» Beförderungsfeier neuer Offiziere hat eine andere Dimension erreicht, leider und ungewollt
Die Ukraine ist vermeintlich sehr weit weg. Mit einer Beförderungsfeier von 22 Genie-/Rettungs-/ABC-Offizieren im kleinen Bremgarten hat das alles nichts zu tun? Es ist etwas anders.
Hans Rechsteiner
Am letzten Freitag waren die Eltern, Freundinnen, Familien, Verwandte der Offizier-Kandidaten aus allen Kantonen der Schweiz, aus denen sie stammen, und deren Kantonsvertreter nach Bremgarten eingeladen. Die Brevetierung der neuen Offiziere ist immer eine schöne Sache. Erstmals war die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus der Ort des Anlasses. Oberst Patrick Galimberti, Tessiner, will seine Schulen wieder in Bremgarten zeigen, und das ist sehr gut so. Die stolze Kirche bildete einen wunderschönen Rahmen, als die Aspiranten hinter der Schweizerfahne einmarschierten. Ein würdiger Ort für eine staatstragende Aufgabe.
«Wir leben in einer anforderungsreichen Zeit», sagte Brigadier Stefan Christen, Chef des Lehrverbandes Genie/Rettung/ABC. Aus der Pandemie sei man direkt in einen offenen Krieg geraten, «nur zwanzig Autostunden von hier», hielt er fest. Sicherheit sei nicht mehr selbstverständlich. Die auch bei uns spürbaren Folgen der Ukraine-Sache: unsichere Transportwege, (Hunger-) Krisen in allen Ländern, Logistikschwierigkeiten, Ängste, Unsicherheiten. Die Sicherheitsarchitektur ist aus den Fugen geraten. Doch habe die oftmals belächelte Armee in der Schweiz einen neuen Wert und mehr verdiente Aufmerksamkeit, «weil wir die Auswirkungen des nicht so sehr weit entfernten Konflikts hautnah zu spüren bekommen».
Vorne stehen und bleiben
Stefan Christen, heute Brigadier, der auf dem Genie-Waffenplatz Bremgarten als Kommandant schon Spuren hinterliess, wandte sich aber auch deutlich an die neuen Leutnants. «Sie zeigen eine gute Lebenseinstellung und intelligente Reife», lobte er. Einen Vorgesetzten zeichne aus, dass er keinerlei Berührungsängste zeige, Tapferkeit, Kameradschaft und Loyalität vorlebe und dass er, sie in den kritischsten Situationen vorne stehe und vorne stehen bleibe. «Und vergessen Sie nie, auch mal herzlich zu lachen, das macht Sie sympathisch und freut Ihre Kameraden», sagte der erfahrene Troupier. «Es lohnt sich, unserem Land zu dienen. Seien Sie Vorbild und äussern Sie auch als Bürger immer Ihre kritische Meinung. Wir leben in einem freien Land, auf das wir sehr stolz sind.»
«Sie sind Bürger und Soldat, ohne Scheuklappen»
Regierungsrat und Militärdirektor Jean-Pierre Gallati, einst Kommandant einer Grenadier-Kompanie, später Major im Armeestab, hielt als Ehrengast eine gute Rede mit den Brevetierten auf Augenhöhe. Sein Thema: «Die bewährte einsatzfähige wehrhafte Armee im neutralen Staat». Gallati lobte den Einsatz der jungen Offiziere für diesen Staat, rühmte die Schweiz als schönes Land, wirtschaftlich erfolgreich, die soziale Chancengleichheit als Gemeinschaft, die höchste Erwartungen meistere. Höchsten Einsatz – sogar letztendlich das Leben – verlange der Staat vom Soldaten, er müsse ihm aber unbedingt in Ausbildung und Ausrüstung die beste Chance geben, zu gewinnen und zu überleben.
Unvergleichliche Führungserfahrung
Den jungen Offizieren machte Gallati Komplimente: «Sie haben in den harten 15 Wochen Ihrer Ausbildung grosse Opfer und Entbehrungen über sich ergehen lassen, Sie haben Ihr Soldatenhandwerk gelernt. Sie haben aber auch in jungen Jahren unvergleichliche Führungserfahrung erreicht, von der Sie in Ihren künftigen Karrieren profitieren werden. Ihre Alterskameraden haben diesen Vorsprung nicht. Sie aber haben einen Rucksack fürs Leben. Bedenken Sie aber: Sie werden im Beruflichen wie im Privaten nun immer als Offizier wahrgenommen, das verpflichtet zu aufrechter Haltung, Offenheit und Charakter. Werfen Sie alle Scheuklappen ab. Aufrichtiger Mut zur eigenen Meinung ist immer gefragt.»
Begleitet wurde die Zeremonie von einer präsenten Formation der Stadtmusik Bremgarten, die von der hinteren Empore im Kirchenraum unter der Leitung von Thomas Korner musizierte. Ihr Beitrag passte vorzüglich zu dem feierlichen Rahmen.



