Stierli Metzgerei baut aus
20.05.2022 BremgartenSanierung der Altstadtliegenschaft
Vor knapp drei Monaten hat die traditionsreiche Metzgerei Stierli nach dem Rückzug von Urs Stierli neue Betreiber erhalten und mit der Ortsbürgergemeinde eine neue Besitzerin. Nun sollen das Gebäude saniert, modernisiert und ...
Sanierung der Altstadtliegenschaft
Vor knapp drei Monaten hat die traditionsreiche Metzgerei Stierli nach dem Rückzug von Urs Stierli neue Betreiber erhalten und mit der Ortsbürgergemeinde eine neue Besitzerin. Nun sollen das Gebäude saniert, modernisiert und die Ladenfläche vergrössert werden. --huy
Generalüberholung der Metzg
Die Ortsbürger befinden über einen Kredit von 3,5 Millionen zur Sanierung des Stierli-Gebäudes
Seit rund einem Jahr ist das markante Eckhaus beim Eingang der Bremgarter Altstadt im Besitz der Ortsbürger. Nun soll es umfassend saniert und an die heutigen Standards eines Fleischwarenbetriebs angepasst werden.
Marco Huwyler
Die Nachfolge des jahrzehntelangen Betriebs der Familie-Stierli wurde vor gut einem Jahr an der Fleischtheke geregelt. Per Handschlag gleisten Stadtammann Raymond Tellenbach und Vorbesitzer und Geschäftsinhaber Urs Stierli den Verkauf der Liegenschaft an die Ortsbürger auf. Der langjährige Bremgarter Metzger begab sich – auch krankheitsbedingt – in den Ruhestand. Und die neuen Besitzer konnten per März dieses Jahres einen neuen Betreiber für das Traditionsfleischwarengeschäft präsentieren. Seit einigen Monaten wird die Metzgerei nun schon unter dem Namen der neuen Betreiber Roberto Colagiero und Maria Duarte Pereira im bisherigen Sinne weitergeführt.
Deren Unternehmen «Kaufmann Partyservice GmbH» betreibt auch Filialen in Zürich. Bislang wurde der Bremgarter Standort auch mit Produkten beliefert, die in Altstetten hergestellt wurden. Doch dies soll sich in Zukunft ändern. Die neuen Betreiber haben die Absicht, ihren bisherigen Standort aufzugeben und die Produktion inklusive Mitarbeiterbestand nach Bremgarten zu verlegen. Zukünftig sollen somit von Bremgarten aus die verschiedenen Standorte beliefert werden.
Dieser fürs Städtli erfreuliche Umstand wird dadurch möglich, dass das historische Gebäude in der Altstadt alsbald eine Generalüberholung erfahren soll und damit künftig moderne, hohe Standards eines heutigen Fleischproduktions- und -verkaufsbetriebes erfüllen wird. «Es stehen umfangreiche Umbauarbeiten in allen Stockwerken an», sagt Tellenbach. Der Stadtrat hat dafür gut 3,5 Millionen veranschlagt. «Das scheint auf den ersten Blick hoch», sagt die zuständige Stadträtin Doris Stöckli. «Doch die Arbeiten sind wirklich umfassend. Und die Umsetzung der strengen gesetzlichen Vorgaben sind zwangsläufig mit hohen Ausgaben verbunden – wie auch die Einhaltung des Denkmalschutzes.» Das Gebäude mit dem prägnanten Treppengiebel und dem charakteristischen Laubengang ist historisch wertvoll. Seine Spuren gehen zurück bis ins 14. Jahrhundert – 1381 wird es erstmals schriftlich erwähnt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es in Bremgarten als Postgebäude genutzt, bevor es in den Besitz der Stierli-Familie gelangte und seither als Fleischwarengeschäft genutzt wird.
Wohnungen und grössere Ladenfläche
Für den künftigen Betrieb der Metzgerei Stierli sind drei Geschosse vorgesehen. Im Untergeschoss soll die Lebensmittelproduktion vonstatten gehen, während das Erdgeschoss weiterhin als Ladenlokal dient. Neu wird dieses jedoch ausgebaut. Der bisher links vom Fleischgeschäft eingemietete Imbiss von «Pizza Mario» wird weichen, damit der Stierli-Metzgerei künftig mehr Verkaufs- und Ausstellungsf läche zur Verfügung steht. «Wir haben zum Glück mit dem Betreiber von ‹Pizza Mario› eine Anschlusslösung finden können», berichtet Tellenbach. «Darüber sind wir froh.» Der neue Standort des «Mario» in Bremgarten soll in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden.
Im ersten Obergeschoss der «Stierli-Liegenschaft» werden künftig Personalräume für die Metzgerei-Angestellten eingerichtet. Im zweiten Obergeschoss sowie im Dachgeschoss schliesslich entstehen eine 4,5- und eine 3,5-Zimmer-Wohnung, die von den Ortsbürgern vermietet werden. Letztere soll zudem im Vergleich zu heute mit zusätzlichen Dachlukarnen ausgestattet werden, was die Räumlichkeiten für potenzielle Mieter noch attraktiver macht. Die neuen Dachlukarnen gehören zu den ganz wenigen geplanten Änderungen des äusseren Erscheinungsbildes der Liegenschaft. «Ansonsten wird das Gebäude von aussen her betrachtet so bleiben wie heute», verspricht Tellenbach. Verbunden werden die einzelnen Stockwerke künftig mit einem neu eingebauten Lift. «Damit werden die Wohnungen auch behindertengerecht», sagt der Stadtammann. Die bisherige Ölheizung wird zudem stillgelegt und das Gebäude stattdessen ans Bremgarter Fernwärmenetz angeschlossen.
Provisorium während Umbau
Falls der Baukredit über 3,54 Millionen Franken am 31. Mai an der Ortsbürger-«Gmeind» bewilligt wird, kann im Idealfall im Frühling 2023 mit der Rundumsanierung der Marktgasse 33 begonnen werden. Laut Stadtschreiber Beat Neuenschwander werden die Arbeiten mindestens ein Jahr betragen. «Für die Metzgerei wird während dieser Zeit ausserhalb des Gebäudes ein Provisorium errichtet», sagt er. Dieses provisorische Fleischwarengeschäft ist im Baukredit ebenfalls bereits eingeschlossen.
Im Gegenzug zu den voraussichtlichen betrieblichen Investitionen der Ortsbürger in den Gewerbeteil der Metzgerei wurde mit den aktuellen und künftigen Betreibern «ein entsprechend langfristiger Mietvertrag» ausgehandelt, sodass die anfallenden Kosten «adäquat abgegolten und verzinst sind», wie Stadtammann Tellenbach ausführt. Einer Weiterführung der langjährigen Metzgerei-Tradition in Bremgartens Altstadt und der Wahrung von Urs Stierlis Erbe dürfte bei einer Annahme durch die Ortsbürger also nichts mehr im Wege stehen.
Ortsbürgergemeindeversammlung Bremgarten, Dienstag, 31. Mai, Casino Bremgarten.



