Aufstieg knapp verpasst
24.05.2022 SportHC Mutschellen scheitert an Tordifferenz
Der HC Mutschellen ist fast in die 1. Liga aufgestiegen. Nur fast, weil am Ende die Tordifferenz zu seinen Ungunsten lag. Dabei boten die Mutscheller am Wochenende eine mehr als solide Vorstellung gegen Rheintal und gewannen das ...
HC Mutschellen scheitert an Tordifferenz
Der HC Mutschellen ist fast in die 1. Liga aufgestiegen. Nur fast, weil am Ende die Tordifferenz zu seinen Ungunsten lag. Dabei boten die Mutscheller am Wochenende eine mehr als solide Vorstellung gegen Rheintal und gewannen das Aufsstiegsspiel mit 28:25. Die Reaktion auf die Niederlage gegen Unterstrass vor einer Woche ist erfolgt. Für Captain Pascal Baur überwog schlussendlich doch der Stolz über das Erreichte. «Und die Kulisse mit 650 Zuschauer war schlicht unglaublich.» --red
Aufsteiger der Herzen
Handball, 2. Liga, Aufstiegsspiele: HC Mutschellen – HC Rheintal 28:25 (14:12)
Der HC Mutschellen zeigt eine beeindruckende Reaktion auf die Niederlage gegen Unterstrass. Vor einer Rekordkulisse von 650 Zuschauern gewinnen die Freiämter gegen Rheintal. Am Ende fehlt ihnen die Tordifferenz, um in die 1. Liga aufzusteigen.
Josip Lasic
37. Minute: Mutschellens Spielertrainer Mario Obad erhält seine dritte Zwei-Minuten-Strafe und muss vom Platz. Zu diesem Zeitpunkt führen die Gastgeber gegen Rheintal mit 18:14. Wird der Platzverweis des Spielertrainers den Freiämtern einen Knick geben?
Die Antwort geben die Mutscheller im Anschluss auf dem Platz. 55. Minute: Michel Loretan trifft zum 27:21 für die Hausherren. Er ist da, der Sechs-Tore-Vorsprung. Sieben Tore müssen es am Ende sein, damit der HCM in die 1. Liga aufsteigt. Der Vorsprung schmilzt allerdings bis zur Schlusssirene auf drei Tore. Mutschellen hat eine Reaktion auf den Auftritt beim TV Unterstrass gezeigt. Das Team hat den vermeintlich stärkeren Gegner aus dem Rheintal bezwungen. Stehende Ovationen von 650 Zuschauern – neuer Hallenrekord – in der Burkertsmatt, die ihre «Aufsteiger der Herzen», wie sie der Hallenspeaker bezeichnet, feiern und aufzubauen versuchen. Trotz schwieriger Ausgangslage hat das Team bis zuletzt dran geglaubt und hatte eine Chance, das Wunder wahr zu machen. Captain Pascal Baur sieht man die Enttäuschung nach dem Spiel an. Bei einem Blick durch die Halle verändert sich seine Körpersprache. «Der Stolz überwiegt», sagt er. «Wir haben den Aufstieg nicht heute verspielt. Das haben wir im Duell gegen Unterstrass verbockt. Die Reaktion gegen Rheintal war so, wie sie sein musste», berichtet Baur. «Und was mich vor allem stolz macht, ist eine solche Kulisse. Unglaublich. 650 Zuschauer.»
Der Stolz überwiegt
Über dem einen Tor hängen zwei Transparente mit dem Text «Força HCM» und «Danke Fans». Über dem anderen Tor ein Transparent mit dem Inhalt: «1. oder 2. Liga, You’ll Never Walk Alone.» Auf der Tribüne sind auf dem Mutschellen bekannte Gesichter zu sehen. Aus Politik, Wirtschaft oder anderen Sportvereinen wie dem FC Mutschellen. Alle sind sie gekommen, um ihren HCM anzufeuern. Und auf dem Feld war eine Einheit zu sehen. Als Ricardo Barbian einen Siebenmeter hält und den Nachschuss ebenso, explodiert die Halle. Ebenso als Walber Miranda einen seiner Penaltys im gegnerischen Tor unterbringt. Und die Bank explodiert gleich mit. «Jeder ging für jeden, wir haben gemeinsam gekämpft, gezeigt, was wir können», sagt Baur.
Auch als Spielertrainer Obad vom Platz muss, bleiben die Mutscheller souverän. «Wir hatten vielleicht zwei, drei Minuten, bis wir uns neu sortiert hatten. Danach ging es aber gut. Vielleicht können wir noch daran arbeiten, dass wir nicht mehr so lange benötigen, um uns zu sortieren, aber wir haben gut reagiert», so der Captain. «Ja, die Enttäuschung ist da, aber der Stolz überwiegt.»
Mutschellen kann das Spiel so lange packend halten, dass am Ende die Nerven auf allen Seiten blank liegen. Neben Obad musste auch Rheintals Szélpál wegen einer dritten Zwei-Minuten-Strafe vom Feld. In der Endphase müssen auch Loretan und die Rheintaler Schwarber und Lippuner vom Feld, weil sie aneinandergeraten sind. Fünf Platzverweise, der Beweis für ein hartes, spannendes und bis zuletzt umkämpftes Spiel.
Der härteste Moment der Karriere
Nicht ganz so positiv kann es Spielertrainer Mario Obad sehen. «Das ist nicht fair. Das ist nicht fair», wiederholt er. «Wir hatten ein schlechtes Spiel in dieser Saison. Das kann im Sport passieren. Aber jetzt ist die Arbeit eines ganzen Jahres zunichte.» Den verpassten Aufstieg bezeichnet Obad als schwersten Moment seiner Karriere. Eine Aussage mit viel Gewicht. Schliesslich hat er in seiner Karriere in den höchsten Ligen Kroatiens, Frankreichs und Österreichs gespielt, war auch kroatischer Nationalspieler und wurde beispielsweise vor der EM 2006 in der Schweiz im letzten Moment aus dem Kader gestrichen. All das wiegt für ihn nicht so schwer wie der verpasste Aufstieg mit den Mutschellern jetzt. «Nach all unserer Arbeit, nach allem, was wir erreicht haben. Es ist nicht fair.» Während Obad hadert, kommt HCM-Präsident Pitsch Müller zu ihm, umarmt ihn und flüstert ihm zu: «Du weisst, dass wir trotzdem stolz auf euch sind. Du weisst es.»
Das scheint Obad ein wenig zu trösten. Er spricht seinem Team ein Kompliment aus. «Ich kann niemandem etwas vorwerfen. Sie haben alle 500 Prozent gegeben. Und die Unterstützung der Fans war grossartig.» Mutschellen hat zumindest im zweiten Spiel viel richtig gemacht. Wenn sie in der kommenden Saison diese Leistung in zwei Spielen zeigen können, sollte der Aufstieg möglich sein.



