Klimaneutral, sozial, erfolgreich
08.04.2022 BremgartenGeschäftsführer Carsten Diekmann hat ambitionierte Ziele mit der Georg Utz AG
Pünktlich zum 75-Jahr-Jubiläum hat die Georg Utz AG eine neue Solaranlage in Betrieb genommen. Ein Entwicklungsschritt in Richtung Nachhaltigkeit, dem beim Bremgarter ...
Geschäftsführer Carsten Diekmann hat ambitionierte Ziele mit der Georg Utz AG
Pünktlich zum 75-Jahr-Jubiläum hat die Georg Utz AG eine neue Solaranlage in Betrieb genommen. Ein Entwicklungsschritt in Richtung Nachhaltigkeit, dem beim Bremgarter Vorzeigeunternehmen in den nächsten Jahren noch viele folgen sollen.
Marco Huwyler
Vor fünf Jahren hat Carsten Diekmann bei der Georg Utz den Posten des Geschäftsführers in Bremgarten von Rainer Grether übernommen. «Ihm bin ich bis heute sehr dankbar», sagt der 53-jährige Deutsche. Der Vorgänger habe ihn bestmöglich eingearbeitet und ihm die Philosophie und Abläufe des Bremgarter Standorts nähergebracht, sodass er diese schnell habe verinnerlichen können und im Sinne des Gründers weiterleben könne.
Diekmann darf mit dem Familienund Traditionsunternehmen heuer das 75-Jahr-Jubiläum feiern. «Bei Utz sind wir alle stolz auf unsere Firmengeschichte und diejenige unseres Gründers. Das Jahr ist deshalb etwas Besonderes», sagt er. Die von Utz hergestellten diversen Kunststoffbehälter, die seit Jahrzehnten auf der ganzen Welt Absatz finden, werden deshalb momentan auch mit einem speziellen Jubiläumsemblem bedruckt.
Mehrweg und Nachhaltigkeit
In den kommenden Jahren will man bei der Georg Utz AG die Erfolgsgeschichte weiterschreiben und den Fokus noch mehr auf Mehrweg und Nachhaltigkeit legen. So sollen die Produkte des Unternehmens bis 2035 gänzlich klimaneutral sein. Ein weiterer Schritt in diese Richtung wurde in den letzten Monaten mit der Installierung und der Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage auf den Dächern und Wänden des Bremgarter Produktionsbetriebs gemacht. Weitere Projekte und Ideen sind in der Pipeline.
Im Gespräch spricht Diekmann über den Zustand des Unternehmens, Schwierigkeiten, mit denen man umgehen muss, die Zukunftsausrichtung der Firma, seine Visionen, Tradition, die spezielle Unternehmensphilosophie der Georg Utz AG und den Wert des Standortes Bremgarten in einem global operierenden Unternehmen.
«Bremgarten als Vorreiter»
Georg Utz AG: Geschäftsführer Carsten Diekmann über Tradition, Visionen und eine identitätsstiftende Firmenphilosophie
Seit fünf Jahren ist Carsten Diekmann für die Geschicke des grössten Bremgarter Arbeitgebers zuständig. Im 75. Bestehensjahr geht es dem Familienunternehmen besser als je zuvor. Und auch für die nächsten Jahre existieren ehrgeizige Pläne.
Marco Huwyler
Carsten Diekmann hat allen Grund zu strahlen an diesem herrlichen Frühlingstag. Die Sonne scheint kräftig – was nicht nur gut ist fürs Gemüt, sondern seit einigen Monaten auch für den Geschäftsbetrieb der Georg Utz AG. Der Hersteller von Kunststoffbehältern aller Art hat nämlich Photovoltaikanlagen auf den Dächern und Wänden seiner Lagerhallen installiert. Es ist der neuste Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaneutralität. Ein Ziel, welchem sich die Firma verschrieben hat und das mithelfen soll, das weltweit operierende Bremgarter Unternehmen in eine langfristig f lorierende Zukunft zu führen.
Mit dem Abschluss des letzten Ausbauschritts im Sommer werden 1800 Solarmodule auf den Lagerhallen der Georg Utz AG in der Bremgarter Unterstadt installiert sein. Was waren die Überlegungen dahinter?
Carsten Diekmann: Die Anlage ist Teil unserer Klimastrategie. Dank solcher Massnahmen ist unser Betrieb in Bremgarten heute klimaneutral und die Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Strom aus Wasserkraft der Reuss, die gleich neben uns vorbeifliesst, und von Solarpanels der eigenen Dächer. Schon rein der Gedanke daran gibt einem ein gutes Gefühl.
Dafür waren grössere Investitionen notwendig. Dennoch kommen letztlich nur 6 Prozent der hier benötigten Strommenge aus der neuen PV-Anlage. War diese Massnahme nicht vor allem ein Marketing-Coup?
Nein, ganz und gar nicht. Die Anlage rentiert auch aus wirtschaftlicher Sicht. Eigener Solarstrom kommt wesentlich günstiger als der fremdbezogene aus Wasserkraft. Wir rechnen damit, dass sich die Anlage in acht Jahren amortisiert hat. Ausserdem haben wir noch Luft nach oben und weitere Dächer, die wir bei einer Modernisierung mit Solarmodulen ausrüsten können. Der Anteil könnte sich in den nächsten Jahren auf bis zu 30 Prozent erhöhen. Auch, weil wir bei der Strommenge noch Einsparungspotenzial haben. Wir werden beispielsweise sukzessive modernere, energiesparendere Spritzgiessmaschinen anschaffen.
Der Bremgarter Betrieb ist nun also klimaneutral. Das verkaufte Endprodukt aufgrund der ausserbetrieblichen Produktionsvorstufen aber noch lange nicht. Inwieweit wird dies überhaupt möglich sein? Immerhin besteht Kunststoff aus Erdöl.
Das macht es schwierig, da haben Sie recht. Dennoch sind wir zuversichtlich. Bis 2035 sollen auch unsere Produkte klimaneutral sein. Dafür setzen wir vor allem auf Recycling. Unser verwendeter Kunststoff ist zu 100 Prozent wiederverwertbar. Bereits heute bauen wir deshalb stark auf diese Kreislaufwirtschaft. Wir nehmen sämtliche Produkte am Ende ihrer Lebensspanne wieder zurück und recyceln sie selber. Zusätzlich kaufen wir von extern wiederverwertbares Material wie PET-Flaschen-Deckel ein. Aktuell stammen 35 Prozent unseres Rohstoffbedarfs aus Recycling. Bis 2035 wollen wir 80 Prozent erreichen.
Das ist löblich und ambitioniert. Dennoch fehlen selbst dann noch 20 Prozent zur Klimaneutralität.
Diese werden wir durch Kompensationsprojekte ausgleichen. Etwa indem wir Bäume pflanzen oder die Anlegung von Hochmooren unterstützen. Auch dies praktizieren wir schon heute.
Bremgarten ist einer von weltweit acht Standorten der Georg Utz AG. Werden diese umweltfreundlichen Massnahmen überall gleich umgesetzt?
Grundsätzlich ja. Das angesprochene Klimaziel 2035 gilt für das Gesamtunternehmen. Die Utz Gruppe hat 2019 eine detaillierte CO2-Fussabdruck-Analyse für alle Standorte erstellt und überall Massnahmen aufgegleist. Natürlich nicht überall dieselben und nicht überall gleich schnell. Der Standort Bremgarten ist sicher ein Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit und Solarenergie. Das ist eine Herausforderung, aber eine, der wir uns gerne stellen.
Herausfordernd waren die letzten Monate und Jahre auch aufgrund der Coronapandemie. Wie hat man diese bei der Georg Utz AG überstanden?
Wirtschaftlich sehr gut. Die Nachfrage nach unseren Produkten ist durch die Pandemie gar gestiegen. Der von Corona geförderte Boom von E-Commerce hat dazu geführt, dass qualitativ hochwertige Kunststoff-Transportbehälter, wie wir sie bieten, noch stärker nachgefragt sind. Aber auf menschlicher Ebene war die Zeit natürlich auch für uns psychisch und physisch herausfordernd und belastend.
In Bremgarten beschäftigt die Georg Utz AG 220 Mitarbeiter, die teils eng zusammenarbeiten. Ist es nie zu einem grossflächigen Ausbruch des Virus gekommen?
Zum Glück nicht. Wir haben immer auf ein extremes Schutzkonzept Wert gelegt. Unseren Mitarbeitern ans Herz gelegt, sich impfen zu lassen und dies zeitweilig gar mit einer Impfprämie belohnt. Wir haben alles regelmässig sterilisiert. Und überall herrschte von Anfang an Maskenpflicht. Auch in der Produktion.
Sicher nicht sonderlich angenehm. Körperlich arbeitend, neben Wärme abstrahlender Maschinen ...
Ja, das ist wahr. Dazu kam bei vielen, dass sie aufgrund der hohen Nachfrage Überstunden angehäuft haben. Wir schätzen den Einsatz und die Opferbereitschaft unserer Mitarbeiter sehr und wollen ihnen auch etwas zurückgeben. Beispielsweise, indem wir unser 75-Jahr-Jubiläum gebührend mit ihnen feiern.
Was ist geplant?
Verschiedene Aktivitäten. Diesen Frühling unternehmen wir etwa eine Reise in den Europapark. Alle acht Standorte sind eingeladen. Ich rechne mit rund 700 Mitarbeitern aus aller Welt. Darauf freue ich mich sehr. Das wird bestimmt ein toller Ausflug, der die Utz-Familie noch enger zusammenschweisst (lächelt).
Vom Familiären spricht man bei der Utz AG immer wieder.
Ja, das ist ein eminent wichtiger Teil unserer Firmenphilosophie. Wir sind ein Familienunternehmen und wollen auch, dass sich die Mitarbeiter ein bisschen wie Familienmitglieder fühlen. Man soll stolz sein, «eine vo Utz» zu sein und sich dem Unternehmen verbunden fühlen. Das leben wir im Alltag. Ich bin deshalb auch selber gerne hier und kann mich sehr mit der Georg Utz AG identifizieren.
Seit 15 Jahren arbeiten Sie nun für das Unternehmen. Vor fünf Jahren kamen Sie aus England in die Schweiz. Wie haben Sie sich in Bremgarten eingelebt?
Für meine Familie war der Umzug damals nicht leicht. Als Deutsche waren wir nach zehn Jahren in England eben sesshaft geworden, als ich angefragt wurde, ob ich in Bremgarten Geschäftsführer werden wolle. Doch das Heimweh verschwand rasch. Sich hier wohlzufühlen ist nicht schwer. Bremgarten ist wunderschön. Das Stadtbild, die Natur und die Lebensqualität. Es ist aussergewöhnlich, dass Industrieunternehmen an derart privilegierter Lage liegen. Dass wir heute noch hier produzieren und weiterhin Platz haben, um ausbauen zu können, ist der Weitsicht von Georg Utz zu verdanken. Wie so vieles innerhalb dieses Unternehmens.
Wie wichtig wird Bremgarten in Zukunft noch sein? Besteht die Gefahr, dass das Unternehmen dereinst abwandert oder der Standort hier an Bedeutung verliert?
Nein, wir stehen voll und ganz zu Bremgarten. Hier haben wir unsere Wurzeln, hier gründet unsere Identität. Deshalb hat das Management ja auch dermassen langfristige Projekte wie die Photovoltaikanlage hier aufgegleist. Bald werden wir an das Bremgarter Fernwärmenetz angeschlossen. Im Sommer dürfen wir unsere neue Logistikhalle einweihen. Unser Ziel ist es, den Marktanteil in der Schweiz weiter auszubauen. Und dafür werden wir in den kommenden Jahren weiter in Bremgarten investieren.



