Nachwuchs muss gefördert werden
15.03.2022 MutschellenAls Förster auf dem Mutschellen schaut Christoph Schmid zum Rechten. Seit einem Jahr präsidiert er zudem den Försterverband Aargau. Sein Ziel ist es, die Freude am Beruf zu stärken und den Nachwuchs zu fördern, denn in Zukunft werde es mehr Forstwarte brauchen. Unter ...
Als Förster auf dem Mutschellen schaut Christoph Schmid zum Rechten. Seit einem Jahr präsidiert er zudem den Försterverband Aargau. Sein Ziel ist es, die Freude am Beruf zu stärken und den Nachwuchs zu fördern, denn in Zukunft werde es mehr Forstwarte brauchen. Unter anderem wünscht er sich eine solche Förderung an den Schulen. --red
«Wir müssen offener werden»
Christoph Schmid ist Präsident des Försterverbands Aargau
«Beim Nachwuchs bewegen wir uns auf dünnem Eis», weiss Förster Christoph Schmid. Als Präsident des Försterverbands Aargau hat er sich auf die Fahne geschrieben, den Forstwarten die Freude am Beruf zurückzugeben.
Erika Obrist
«Figg Di Förster», hat eine unbekannte Person mit blauer Farbe auf die Schnittf läche eines gefällten Baumstamms im Islerenwald gesprayt. «Viele Leute verfolgen genau, was wir tun im Wald», erklärt Förster Christoph Schmid. Und viele von ihnen hätten eine eigene Vorstellung, wie der Wald zu bewirtschaften sei. Keine Bäume fällen beispielsweise, keine Äste liegen lassen, kinderwagentaugliche Spazierwege und Pisten für Biker anlegen.
«Als Förster muss ich ein Gleichgewicht finden zwischen Nutzung, Schutz, Erholung und Naturschutz», umschreibt Schmid sein Aufgabengebiet. Bei Eingriffen gehe das Hand in Hand. Nicht immer konfliktfrei jedoch mit Erholungssuchenden. Zudem ist er Angestellter der Waldbesitzer im Forstbetrieb Mutschellen sowie des kantonalen Forstamts. Auch berät er private Waldbesitzer. «Ich organisiere die Arbeit im Wald und ausserhalb», zeigt Schmid auf. Beispielsweise die Pflege von Hecken und Bachufern und das Arbeiten für Private wie das Fällen von Bäumen in Gärten. «Dabei geniesse ich viele Freiheiten.» Weil er sich ein grosses Vertrauen aufgebaut hat in den fast zwei Jahrzehnten, in denen er nun im Forstbetrieb Mutschellen tätig ist.
Den Lohn unter die Lupe nehmen
Seit gut einem Jahr ist Schmid nun Präsident des Försterverbands Aargau. «Im Vorstand diskutieren wir immer wieder darüber, wie wir ausgebildete Forstwarte im Beruf halten können», so der 45-Jährige, der mit seiner Frau und den drei Kindern in Hermetschwil-Staffeln wohnt. «Beim Försternachwuchs bewegen wir uns auf dünnem Eis.» Weil viele Förster altershalber aufhören. «Es hat aber noch genügend Abgänger von der Försterschule, die einen Betrieb übernehmen können.» Die Forstwartlehrstellen könnten jeweils besetzt werden. Allerdings wechselten nicht wenige nach der Ausbildung den Beruf. Weil die Arbeit körperlich anstrengend ist und viel Herzblut erfordere.
«Bei den Forstwarten ist das Eis bereits brüchig.» Als Präsident habe er sich auf die Fahne geschrieben, den Forstwarten die Freude an der Arbeit zurückzugeben. «Wir müssen auch überprüfen, ob der Lohn noch zeitgemäss ist.» Um gleich anzufügen, dass nach seiner Erfahrung der Lohn nicht allein massgebend sei für den Entscheid, Forstwart zu bleiben oder in eine andere Branche zu wechseln.
«Nicht zuletzt wegen des Personalmangels müssen wir offener werden», fordert Schmid. Offener für Schulabgänger mit ausländischen Wurzeln. Offener für Frauen. Offener für verschiedene Arbeitszeitmodelle. «Wir haben eine bis zwei Frauen im Jahr, welche die Ausbildung in Angriff nehmen. Aber sie werden wegen der körperlichen Anforderungen eine Minderheit bleiben.» Teilzeit zu arbeiten, sei schwierig umzusetzen. «Tageweise Einsätze lassen sich realisieren, da im Team gearbeitet wird.»
Handwerk in der Schule fördern
In Zukunft brauche es mehr Forstwarte, «weil die Anforderungen gestiegen sind». Vor allem im Bereich Erholung und Naturschutz. Das führe zu höheren Ausgaben. «Doch das Geld ist vorhanden», weiss Schmid. So steuere der Kanton Geld bei für Projekte. «Und immer mehr kommt aus der CO2-Abgabe.» Er halte regelmässig Ausschau nach Projekten, die mit Geld aus der CO2-Abgabe finanziert werden können.
Woher aber sollen die zusätzlichen Forstwarte kommen? Schmid wünscht sich, dass die handwerklichen Fertigkeiten in der Schule gestärkt gefördert werden. So kann er sich vorstellen, dass nach der obligatorischen Schulzeit ein Praktikumsjahr angeboten wird. Das würde vielen Branchen helfen bei der Rekrutierung von Auszubildenden. «Wir brauchen gute Forstwarte, Projektleiter und Leute, die später die Försterschule besuchen.»
100 Jahre Wald Aargau
Als Präsident des kantonalen Försterverbands ist Schmid auch im Vorstand von Wald Aargau, dem Verband der Waldbesitzer. Dieser feiert Mitte August sein 100-jähriges Bestehen mit einem einwöchigen Fest in Unterentfelden. «Ich werde als Helfer und Instruktor vor Ort sein.» Ziel sei, dass möglichst viele Schulklassen den Parcours mit den 30 Posten absolvieren. Dies unter dem Motto «Wald ganz nah erleben».
Auch Schmid möchte, dass die Menschen in der Region «ihren» Wald ganz nah erleben. «Die Leute sollen Freude haben am Wald, hingehen und sich erholen», wünscht er sich. Jeder müsse sich aber bewusst sein, dass der Wald einen Besitzer habe. Dass man Gast sei in Wald und Natur. Nur zu Besuch.



