Drohnenpilot gegen Krähen
25.03.2022 BremgartenAbschreckungsaktion auf dem Schulhausplatz
Eine Krähenkolonie versucht auch in diesem Jahr wieder vor dem Ortseingang von Bremgartens Altstadt zu nisten. Die Stadt ergreift dagegen abschreckende Massnahmen.
Marco ...
Abschreckungsaktion auf dem Schulhausplatz
Eine Krähenkolonie versucht auch in diesem Jahr wieder vor dem Ortseingang von Bremgartens Altstadt zu nisten. Die Stadt ergreift dagegen abschreckende Massnahmen.
Marco Huwyler
Der Schulhausplatz wurde diese Woche zum Sperrgebiet. Sowohl am Mittwoch- als auch am Donnerstagvormittag war der Platz mit Plastikbändern abgeriegelt. Dasselbe wird sich nächste Woche wiederholen.
Der Grund: Ein Drohnenpilot dreht seine Runden zwischen den Platanen, wo sich auch heuer wieder zahlreiche Krähen aufhalten. «Rund zehn bis zwölf Mal steige ich heute in die Höhe», sagt Marcel Maurer. Der Drohnenpilot hat mit seiner Firma im Krähenvertreibungsgeschäft eine Nische gefunden. Er wird von Gemeinden und Privatpersonen aus der ganzen Schweiz gebucht. Auch das Schweizer Fernsehen hat schon über ihn berichtet. «Wenn es die Lage zulässt, nutze ich zur Vertreibung der Krähen die Attrappe eines Falken, der auch f liegt und tönt wie der Raubvogel», erzählt er. Seine «Susanna» kommt in Bremgarten allerdings nicht zum Einsatz. Zu gefährlich wäre der Flug damit über Wohngebiet. Stattdessen brummt eine Drohne zwischen den Ästen und macht mit ihrer bedrohlichen Erscheinung den Krähen den Garaus.
Nervig für die Krähen sein
«Wir hoffen sehr, dass wir mit dieser Massnahme Erfolg haben. Die Vögel sind in den letzten Jahren zur Plage geworden», sagt Oliver Burgunder. Die Anwesenheit der Tiere beim stark frequentierten Ortseingang bringe Hygiene- und Lärmprobleme mit sich, erzählt der Leiter des Werkhofs von Bremgarten. Man habe deshalb vor geraumer Zeit damit begonnen, Nester mithilfe von Hebebühnen zu entfernen. «Das hat sicherlich etwas gebracht. Einige Krähen haben sich woanders niedergelassen.»
Doch ein Grossteil der Vögel liess sich alleine davon nicht beirren. «Wir hoffen nun, dass wir mit der Drohne als Ergänzung die Tiere genügend ‹nerven› können, damit sie merken, dass sie hier nicht willkommen sind, und sich einen anderen Nistplatz suchen.» Dafür braucht es allerdings die Geduld aller Beteiligten.
Katz und Maus mit Krähen
Drohnenaktion auf dem Schulhausplatz
Die Stadt versucht die nistenden Krähen auf dem Platz vor dem Stadtschulhaus zu vertreiben. Zu diesem Zweck kommt momentan eine Drohne zum Einsatz. Ob sich die Vögel davon beirren lassen, bleibt indes abzuwarten.
Marco Huwyler
Es ist immer die gleiche Szenerie, die sich in diesen Tagen auf dem Schulhausplatz beim Obertor abspielt. Drohnenpilot Marcel Maurer startet sein Fluggerät und fliegt damit in luftige Höhen zu den majestätischen Baumkronen der altehrwürdigen Platanen beim Ortseingang der Altstadt.
Vom Lärm und der bedrohlichen Grösse dieses unliebsamen Eindringlings aufgeschreckt suchen die rund 30 sich dort befindenden Krähen das Weite. Ein paar Minuten dreht die Drohne ihre Runden und verscheucht auch noch den letzten wagemutigen Rabenvogel, bevor sie wieder landet. Einen Moment lang herrscht nun Stille. Doch schon bald tauchen die ersten Krähen wieder auf. Es dauert nicht lange, bis die Positionen auf den Ästen wieder besetzt sind – und das Spiel von Neuem beginnt.
Seit Jahren ein Problem
Mit der Drohnenaktion auf dem Stadtschulhausplatz wurde am Mittwoch begonnen. Mit dem unbemannten Fluggerät wird versucht, eines Problems Herr zu werden, das Bremgarten schon seit Jahren beschäftigt. Ein grosser Schwarm von Krähen hat hier sein Zuhause gefunden und geht den Menschen auf den Wecker. «Den Vögeln gefällt es hier», erzählt Oliver Burgunder, der seit rund einem Jahr den Werkhof Bremgartens leitet. «Wegen der vielen Menschen kommen sie leicht zu Futter. Die Bäume sind ideal zum Nisten. Und dank deren Höhe haben sie den Überblick.» Aufgrund ihrer Anzahl wurden die Rabenvögel in den letzten Jahren aber zum Problem. «Schulhaus- und Obertorplatz werden regelmässig stark verkotet», sagt Burgunder. «Gerade auch an Markttagen führt dies zu Hygieneproblemen.» Dazu kommt das Gekrächze, das nicht allen gefällt. «Es beginnt bereits in den frühen Morgenstunden. Für viele Altstadtanwohner sind die Laute ein äusserst unliebsamer Wecker.»
Der Stadtrat hat deshalb in den vergangenen Monaten und Jahren nach Lösungen gesucht, wie die Vögel umgesiedelt werden können. Regelmässig werden die Nester mit Hebebühnen entfernt. «Wir müssen hier schnell sein», erzählt Burgunder. «Sobald die Weibchen ihre Eier gelegt haben, darf man dies nicht mehr. Dann unterliegen die Nester der Schonzeit.» Auch dies gemahnt an eine Sisyphus-Arbeit.
Kaum ist es entfernt, beginnen die Krähen jeweils ein neues Nest zu bauen. «Wir hoffen deshalb dank der Drohne als ergänzendes, störendes Element, die Vögel genug fest nerven zu können, dass sie ihr Glück woanders suchen.»
30 000 Franken hat der Stadtrat für die Krähenbekämpfung budgetiert. Ursprünglich war geplant, dass der Werkhof sich davon seine eigene Drohne anschafft. Aufgrund von neuen Regularien war dies dann jedoch nicht möglich bzw. zu kompliziert. Deshalb wurde fürs Erste eine externe Firma für die Flugeinsätze beauftragt. «Eagle Eyes Solution» mit CEO Marcel Maurer hat Erfahrung in der Krähenbekämpfung in der ganzen Schweiz. Nun kümmert er sich vorerst auch um die Tiere in Bremgarten. «Ich bin eigentlich gar nicht unglücklich über diese Lösung», sagt Burgunder. «So können wir in einer Testphase schauen, wie sich die Drohne bewährt, bevor wir eine eigene anschaffen.»
Sonderbewilligung eingeholt
Zumal solche Drohneneinsätze auch ihre Schwierigkeiten mit sich bringen. Ohne Vorbereitung, so mir nichts dir nichts, ist ein Flug über Stadtgebiet nämlich nicht möglich. «Wir müssen während des Einsatzes den Platz sperren», berichtet Burgunder. Die Risiken einer allenfalls abstürzenden Drohne wären ansonsten zu hoch. «Deshalb müssen wir auch immer wieder Flugpausen einlegen. Beispielsweise, wenn die Schüler ein und aus gehen.» Hinzu kommen Abklärungen bezüglich Tierschutz. Für den Drohneneinsatz brauchte es eine Sonderbewilligung der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons. Zwei Vertreter der Sektion sind denn auch während der Flugeinsätze zugegen und beobachten den Effekt auf die Tiere und die Art und Weise der Durchführung.
Bald eine eigene Drohne?
Ob sich die Krähen allein mit der Drohne nachhaltig vertreiben lassen, ist indes fraglich. Erfahrungswerte aus anderen Gemeinden der Schweiz zeigen durchaus einen positiven Effekt – ein durchschlagender langfristiger Erfolg ist jedoch schwierig. «Wir ziehen nächste Woche eine erste Zwischenbilanz und entscheiden danach, wie wir weiter verfahren», sagt Burgunder. «Im Idealfall beginnen die Krähen in einigen Tagen, woanders Nester zu bauen.» Falls sich die Drohnenlösung bewährt, kann sich der Werkhofleiter vorstellen, auf nächstes Jahr eine eigene Bremgarter Drohne zu beantragen.
Bis dahin bleibt abzuwarten, wer in diesem Katz-und-Maus-Spiel den längeren Atem beweist. Im Interesse beider Parteien bleibt letztlich zu hoffen, dass dies der Mensch sein wird – weil ansonsten allenfalls zu drastischeren Massnahmen gegriffen wird. «Als Tierfreund hoffe ich aber sehr, dass wir möglichst auf Abschüsse verzichten können», sagt Burgunder. «Es gibt schliesslich auch noch andere schöne Orte in Bremgarten. Auch für Vögel. Hoffentlich merken dies die Krähen bald.»



