Testzentrum bleibt geöffnet
18.02.2022 BremgartenTrotz den gelockerten Massnahmen wird weiterhin getestet
Hinter der Apotheke vor dem Sunnemärt steht seit gut zweieinhalb Monaten das Bremgarter Coronatestzentrum. Geöffnet war es in dieser Zeit nicht immer. Es kam zu Unstimmigkeiten. Doch die Probleme sind ...
Trotz den gelockerten Massnahmen wird weiterhin getestet
Hinter der Apotheke vor dem Sunnemärt steht seit gut zweieinhalb Monaten das Bremgarter Coronatestzentrum. Geöffnet war es in dieser Zeit nicht immer. Es kam zu Unstimmigkeiten. Doch die Probleme sind mittlerweile behoben. Und der Betrieb soll trotz Bundesratsentscheid aufrechterhalten werden.
Marco Huwyler
Es hat lange gedauert, bis Bremgarten ein eigenes Testcenter erhielt. Und als es dann so weit war, gestaltete sich der Start harzig. Anfang Dezember in Betrieb genommen, war schon nach wenigen Tagen wieder Schluss.
Nach einem Betreiberwechsel und der aufgenommenen Zusammenarbeit mit dem lokalen Apotheker Christian Hischier läuft der Betrieb aber mittlerweile weitgehend störungsfrei.
Laut dem verantwortlichen Versandapotheker Bruno Rüegg, der auch in Wohlen ein entsprechendes Testcenter betreibt, soll dies auch vorerst so bleiben. «Wir haben keinerlei Absicht, uns demnächst aus Bremgarten zurückzuziehen, und gehen davon aus, dass die Nachfrage trotz dem Bundesratsentscheid vom Mittwoch bestehen bleibt», sagt er. «Die Betriebsbewilligung ist noch bis Ende Jahr gültig.»
Anstrengende Zeiten
Hischier und sein Apothekerteam hoffen, dass das Testen nicht mehr so lange nötig sein wird. «Auch wenn es schön ist, dass die Leute unsere Arbeit in den turbulenten Zeiten schätzen und uns viel Dankbarkeit entgegenbringen, war es sehr streng und belastend. Wir sind alle froh, wenn der Spuk vorbei ist», sagt er. Auch das Testcenter vor seiner Apotheke führte zu einiger Zusatzarbeit und Ärger bei Hischier. Die Probleme und Unterbrüche des Testbetriebes fielen auf seine Apotheke zurück. Darum ist er erleichtert, dass es mittlerweile rundläuft. Die Umstände, unter denen der Bremgarter Testbetrieb gestartet ist, bleiben indes einigermassen merkwürdig.
Das Wirrwarr um ein Testzentrum
Der Start des Bremgarter Coronatestbetriebs war kompliziert – eine Aufarbeitung und ein Ausblick
Seit Anfang Dezember hat Bremgarten ein eigenes Corona-Testcenter. Eigentlich. Denn geöffnet war es nicht immer. Just als sich die Pandemielage entspannt, scheint nun aber alles auf geregelten Bahnen zu sein.
Marco Huwyler
Christian Hischier ist in Bremgarten bekannt und geschätzt als zuverlässiger, kompetenter Apotheker. Seit über 25 Jahren bedient der Walliser schon Kunden im Städtli.
Der 59-Jährige und sein Team staunten nicht schlecht, als eines Tages plötzlich ein Corona-Testcontainer vor ihrer Apotheke beim Sunnemärt stand. «Es war schon eine spezielle Situation», lacht Hischier. «Uns hatte niemand gefragt oder informiert.» Das habe ihn ein wenig geärgert. «Obwohl ich die Eröffnung grundsätzlich begrüsste. Ich wurde selbst mehrfach angefragt, ob ich ein Testcenter betreiben könne.» Leider sei dies aber aufgrund der angespannten Personalsituation nicht möglich. Hischier und sein Team haben während der Pandemie so schon alle Hände voll zu tun. Der Zusatzaufwand in diesen Zeiten ist gross. «Zum Beispiel mit dem Anbieten von Covid-Impfungen.»
Für Christchindli-Märt eröffnet
Hintergrund der abrupten Testcenter-Eröffnung neben der Apotheke war der Christchindli-Märt, für dessen Besuch in gewissen Räumlichkeiten ein Zertifikat notwendig war. «Wir wurden damals von einem Anbieter angefragt, ob er Coronatests am Rande des Marktes für uns durchführen dürfe», erzählt Sabina Glarner, OK-Präsidentin des Christchindli-Märts. «Wir fanden das eine gute Sache. Der Betreiber hat dies selbstständig gemacht und die entsprechenden Abklärungen selbst vorgenommen. Insofern hatten wir nichts damit zu tun.»
Ursprünglich sei es geplant gewesen, dass nur während des Marktes ein Testzelt neben der alten Post aufgestellt werden sollte, sagt Glarner. Dieses erfüllte jedoch die räumlichen Anforderungen des Kantons nicht. Und so wurde stattdessen der Container neben dem Sunnemärt aufgestellt.
Wohl weil der Aufwand dafür für bloss vier Markttage zu gross gewesen wäre und das Bedürfnis nach Schnelltests zu jener Zeit parallel zu den Fallzahlen rasant wuchs, wurde der Container auch nach dem Christchindli-Märt weiterbetrieben. Wie es sich für einen Ort dieser Grösse gehört, hatte Bremgarten in turbulenten Viruszeiten endlich auch ein eigenes Testzentrum.
Dumm nur, dass dieser erfreuliche Umstand nicht sehr lange währte. Nur wenige Tage später wurde das Testzentrum wieder geschlossen. Ohne Angabe von Gründen. «Wieder informierte uns niemand», sagt Hischier. «Plötzlich hing ein Zettel am Container, wonach das Testzentrum derzeit geschlossen sei. Warum und wie lange, wusste niemand.» Für den Apotheker war das mehr als ärgerlich. Aufgrund des Standortes und der angebotenen Dienstleistungen brachten die Kunden das Testcenter mit ihm in Verbindung. «Wir haben sehr viele Anrufe erhalten, die nachfragten, was denn bei uns eigentlich los sei und wann man wieder testen könne», erzählt Hischier. Eine Auskunft konnte man nicht geben. Hinzu kam der Reputationsschaden für die Apotheke.
Keine Bewilligung
Eine Anfrage beim ehemaligen Betreiber über die Gründe der abrupten Einstellung des Testbetriebes blieb unbeantwortet. Offenbar war die Schliessung vom Gesundheitsamt angeordnet worden. Pikant daran – gemäss der Website des Kantons hat gar nie eine Bewilligung vorgelegen. Der Standort Bremgarten taucht erst seit dem 22. Dezember auf der Liste der bewilligten Testcenter im Kanton Aargau auf. Offenbar erfüllte der ehemalige Bremgarter Betreiber die notwendigen Anforderungen für ein permanentes Testcenter nie.
Nachdem der Container zwei bis drei Wochen leer stand, wurde Hischier schliesslich von Bruno Rüegg kontaktiert. Rüegg ist Inhaber der Versandapotheke xtrapharm und betreibt in der Region auch Testzentren in Wohlen und in Baden. Er bekundete Interesse, Selbiges auch in Bremgarten zu tun, und schlug Hischier eine Zusammenarbeit vor. Nur wenn dieser sich bereit erkläre, als Ansprechpartner vor Ort für das Testcenter zu fungieren und regelmässige Kontrollen durchzuführen, würde man eine Bewilligung des Kantons erhalten. Denn dass ein Apotheker vor Ort ist, ist eine der Auflagen des Kantons.
Optimierungspotenzial
«Zuerst war ich skeptisch, nach den gemachten Erfahrungen mit dem vorigen Betreiber», erzählt Hischier. Er habe Erkundungen über Rüegg eingeholt und mehrmals mit diesem gesprochen. «Danach sagte ich zu. Denn die Notwendigkeit eines Coronatestzentrums in Bremgarten war unbestritten. Und der Standort direkt neben unserer Apotheke im Prinzip ideal.» Dank dem Mitwirken Hischiers erteilte das Gesundheitsamt am 22. Dezember eine Bewilligung.
Der neue Betreiber Rüegg übernahm das Personal des ehemaligen Testbetreibers. Ergänzungen und Optimierungen diesbezüglich sind aber nach wie vor im Gang und werden mit der Sunnemärt-Apotheke abgesprochen. Hauptverantwortliche Testausführende ist derzeit Marie Therese Koller, welche die dafür notwendige Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit mitbringt und in der Regel während fünf Tagen pro Woche anwesend ist. Am 22. Dezember wurde der Testbetrieb wieder aufgenommen und blieb es seither jeweils sechs Tage pro Woche – mit einer Ausnahme.
Unerfreuliches Déjà-vu
Am 5. Februar war das Testcenter nämlich plötzlich wieder geschlossen. Wieder ohne Vorankündigung. Und wieder gingen bei der Apotheke zahlreiche Reklamationen ein. «Ich hatte ein Déjà-vu und kam mir vor wie im falschen Film», erzählt Hischier im Nachhinein lächelnd. Der Bremgarter Apotheker reklamierte vehement und war kurz davor, von der vereinbarten Zusammenarbeit zurückzutreten. Das Bremgarter Testcenter stand wieder in der Schwebe.
Rüegg konnte jedoch glaubhaft aufzeigen, dass es sich bei dem Zwischenfall um ein unglückliches, einmaliges Missverständnis handelte. «Die Person, die das Testcenter am betreffenden Tag hätte betreuen und Frau Koller vertreten sollen, ist nicht erschienen. Doch das wird sich nicht wiederholen. Wir sind auch hier daran, die Abläufe im Vergleich zum Vorbetreiber zu optimieren», erzählt Rüegg. Ansonsten laufe der Testbetrieb reibungslos, und so soll es auch bleiben. «Mindestens solange die Wirtschaftlichkeit gegeben ist.»
Transparenz versprochen
Rüegg ist sich sicher, dass die Nachfrage nach Testmöglichkeiten auch nach den vom Bundesrat unlängst beschlossenen Lockerungen in naher Zukunft nicht völlig einbrechen wird. Je nach abnehmender Frequenz werde man eventuell die Öffnungszeiten anpassen. «Doch wenn es so weit ist, werden wir dies selbstverständlich kommunizieren und auf den entsprechenden Terminbuchungskanälen anpassen», sagt Rüegg augenzwinkernd.
«Intransparenz und Ärgernisse sollen hier der Vergangenheit angehören», verspricht der neue Betreiber. Darüber dürfte nicht nur Sunnemärt-Apotheker Christian Hischier froh sein. Die Zeit für ein seriöses Bremgarter Coronatestzentrum ist jedenfalls mehr als reif.



