Kornhausplatz bald containerlos
11.02.2022 BremgartenErst ein Jahr ist es her, dass in der Unterstadt ein neues Abfallsystem mit Unterflurcontainern eingeführt wurde. Einer der drei installierten Müllsammelplätze soll nun bereits wieder verschwinden. Er hatte zuviele Geruchsemissionen produziert. Stadtrat Daniel Sommerhalder ...
Erst ein Jahr ist es her, dass in der Unterstadt ein neues Abfallsystem mit Unterflurcontainern eingeführt wurde. Einer der drei installierten Müllsammelplätze soll nun bereits wieder verschwinden. Er hatte zuviele Geruchsemissionen produziert. Stadtrat Daniel Sommerhalder erklärt, weshalb dem so ist und wie man mit dem Abfall in Bremgarten künftig weiter verfahren will. --huy
«Viele unglückliche Umstände»
Stadtrat Daniel Sommerhalder erklärt, was mit den Unterflurcontainern beim Kornhausplatz schiefgelaufen ist
Vor drei Wochen hat die Stadt bekannt gegeben, dass der Abfall- und Grüngutentsorgungsstandort beim Kornhausplatz aufgehoben und stattdessen jener beim Friedhof ausgebaut werden soll. Daniel Sommerhalder über die Gründe.
Marco Huwyler
Es ist erst rund ein Jahr her, dass das Abfallentsorgungssystem in der Bremgarter Unterstadt umgestellt wurde. Statt dass der Kehricht und das Grüngut vor die Tür gestellt und einmal pro Woche vom Entsorgungsdienst abgeholt werden, wie es jahrzehntelang üblich war, sollte man fortan seinen Müll rund um die Uhr entsorgen können. Dafür wurden drei zentrale Sammelstellen eingeweiht. Eine beim Friedhof, eine beim Parkplatz Hermannsturm und eine beim Kornhausplatz. Letztere ist nun allerdings bald bereits wieder Geschichte. Der zuständige Stadtrat Daniel Sommerhalder (SP) erklärt, weshalb man im Gremium zu diesem Entscheid gelangte.
Ist das System «Unterflurcontainer» in Bremgarten gescheitert?
Daniel Sommerhalder: Nein, ganz und gar nicht. Das System bewährt sich an sich gut. Die Anwohner schätzen die Flexibilität bei der Müllentsorgung und den Umstand, dass das Stadtbild in den unteren Gassen nicht mehr durch Abfallsäcke getrübt wird. Es war bloss der Standort «Kornhausplatz», der sich als nicht optimal erwiesen hat.
Weshalb?
Wir hatten schon bald nach der Eröffnung Rückmeldungen, wonach es dort zu störenden Geruchsemissionen komme. Danach wurde über Monate hinweg geprüft, ob dem so ist, warum und was man dagegen unternehmen könnte. Letztlich mussten wir einsehen, dass wir das Problem nicht zur vollen Zufriedenheit lösen können.
Bei den anderen beiden Standorten der Unterflurcontainer ist der Gestank kein Problem. Das System funktioniert in zahlreichen Schweizer Städten einwandfrei.
Das ist so. Die verantwortliche Firma Villiger betreibt sehr viele solcher Anlagen – zu Problemen mit dem Geruch kam es abgesehen von Bremgarten bloss noch an einem Standort in der Schweiz.
Warum funktionierte es denn beim Kornhausplatz nicht?
Hier kamen gleich eine ganze Kette ungünstiger Umstände zusammen. Das Café in der Nähe. Der sonnenbeschienene Platz. Aber vor allem die Richtung der Luftströme. Der Wind weht dort von der Au her kommend so unglücklich durch die Häuserzeilen, dass er die Emissionen direkt zu den draussen verweilenden Menschen trägt.
Die Aufhebung beziehungsweise die Verschiebung des Standortes war die letzte Option. Was hat man zuvor unternommen, um Lösungen zu finden?
Wir haben wirklich alles versucht. Zuerst haben wir eine umfassende Ist-Analyse erstellt, wofür wir über mehrere Wochen hinweg täglich Geruchsproben nahmen.
Wie soll man sich das vorstellen?
Verschiedene Mitarbeiter der Abteilung Bau stellten sich wiederholt an genau dieselben Stellen und bewerteten den Störfaktor des Geruches. Das ist gar nicht so einfach. Geruch kann man nicht messen, wie beispielsweise Lärm. Und das Empfinden der Menschen diesbezüglich ist sehr subjektiv.
Was waren denn die Resultate dieser Geruchsanalyse?
Je nach Wind war die Situation mässig bis störend. Das Anliegen der Anwohner deshalb berechtigt. Wir haben anschliessend nach Möglichkeiten gesucht, den Abfallgeruch zu reduzieren. Leider gelang es uns nicht in einem zufriedenstellenden Mass.
Wie sahen diese Massnahmen aus?
Wir haben wirklich viel probiert. Den Deckel besser abzudichten. Einen Luftfilter einzubauen. Den Container öfter zu reinigen. Die Geruchsbildung mit biologischen Mitteln zu verringern. Aber alles hat nur ein bisschen gewirkt und das Problem nicht gänzlich behoben. Wir mussten dann schliesslich einsehen, dass wir nichts mehr machen konnten. Länger zuzuwarten hätte auch nichts gebracht.
Inwiefern haben Sie sich persönlich mit Unterflurcontainern beschäftigt in den letzten Monaten?
Sehr oft. Ich könnte jetzt wohl den Bachelor im Bereich Unterflurcontainer machen (lacht). Ich war im Austausch mit Fachleuten, fragte in anderen Gemeinden nach und war ab und zu vor Ort beim Kornhausplatz. Ging in andere Städte mit den gleichen Systemen, um zu sehen, wie die das dort machen. Ich habe dabei auch an vielen Anlagen selber gerochen. Das sah wohl zuweilen etwas komisch aus für Aussenstehende (schmunzelt).
Nun wird die Sammelstelle beim Friedhof ausgebaut. Die bisherigen Kornhausplatz-Entsorger müssen nun dorthin. Werden die längeren Bringdistanzen ein Problem?
Nein. Diese betragen nach wie vor im Maximum 250 Meter. Das ist immer noch weit unter dem Zumutbaren. Das Bundesgericht hat diese Grenze in einem Präzedenzfall auf 350 Meter festgelegt.
Wie gross ist der finanzielle Verlust für die Stadt und die Steuerzahler?
Der hält sich in Grenzen. Die drei Container und die dazugehörigen Systeme können eins zu eins am neuen Standort wieder verbaut werden. Und von den Optimierungs- und Lösungsfindungskosten des letzten Jahres hat die Herstellerfirma vieles übernommen. Die Kosten des Versetzens werden aktuell noch eruiert.
Wann wird mit den Umzugsarbeiten begonnen?
Derzeit wird das Baugesuch ausgearbeitet, das ab Ende Februar öffentlich aufliegen soll. Wenn keine Einsprachen eingehen, sollte die Verschiebung noch im Frühsommer abgeschlossen sein.
Ist es angedacht, ein ähnliches System auch in anderen Stadtteilen einzuführen?
Derzeit nicht. Wir haben die Einführung des neuen Systems in der Unterstadt ja mit der Sanierung der dortigen Gassen verbinden können. Eine Ausweitung auf andere Stadtteile ist unseres Erachtens erst sinnvoll, wenn auch dort grössere Sanierungsarbeiten anstehen und man Synergien nutzen kann. Ausserdem wollen wir jetzt erstmal die weiteren Erfahrungen abwarten.
«Ich bin erleichtert»
Der Cafferino-Betreiber setzte sich für die Auflösung des Abfallsammelortes ein
Als Anwohner und Cafferino-Betreiber beim Kornhaus-Platz war Silvano De Matteis ein Hauptbetroffener der Geruchsemissionen. Er ist froh, dass der Stadtrat ein Einsehen hat und die Sammelstelle vor seinem Haus verschwinden soll.
Vor 20 Jahren hat Silvano De Matteis die Liegenschaft gleich neben dem Kornhausplatz gekauft und sich dort sein Traumgeschäft «Fotografie & Café» aufgebaut. Neben seiner Arbeit als Fotograf serviert der gebürtige Italiener nebenbei feinen Kaffee an Passanten. Der genussvolle Zwischenstopp hier, mitten in der Unterstadt, ist für viele längst lieb gewonnener Bestandteil ihres Alltags.
Unterschriften eingereicht
In letzter Zeit jedoch wurde dieser Moment des Innehaltens bei vielen von De Matteis’ Gästen von einem Nasenrümpfen begleitet. Die Gerüche, die von den Unterflurcontainern hinüberwehten, trübten manch olfaktorisches Erlebnis empfindlich. «Es gab Tage, an denen man wirklich nicht mehr gerne draussen sass», berichtet der Fotograf. «Viele rieten mir etwas zu unternehmen.» So wurde De Matteis beim Stadtrat vorstellig und begann, bei Anwohnern und Gästen Unterschriften gegen das Entsorgungssystem beim Kornhausplatz zu sammeln. Rund 60 von ihnen hat er gegen Ende des letzten Jahres beim Rathaus eingereicht.
Umso froher ist De Matteis nun, dass sein Anliegen Gehör gefunden hat. «Ich bin wirklich erleichtert.» Die Sammelstelle habe den Platz in den vergangenen Monaten abgewertet. Einerseits aufgrund des Gestankes, andererseits aber auch visuell. «Man sitzt halt nicht besonders gerne direkt neben dem Müll.» De Matteis glaubt, dass dies auch dem Geschäft geschadet hat im vergangenen Jahr. Er profitiert sonst davon, dass sein Cafferino gleich an der Veloroute 77 liegt. «Viele Velofahrer machen bei mir einen Zwischenstopp. In der letzten Zeit sind sie jedoch vermehrt vorbeigefahren.»
Kein Groll
Als das neue Abfallsammelsystem vor rund zwei Jahren angekündigt und beschlossen wurde, war De Matteis noch kein Gegner. «Im Gegenteil. Ich fand die Idee sehr gut. Und grundsätzlich sehe ich dies immer noch so.» Nur der Standort beim Kornhausplatz sei halt nicht ideal gewesen. «Auch ich habe dies nicht kommen sehen. Ich habe dem Stadtrat und den Experten vertraut, dass man die Sammelstelle nicht riechen wird.» Dass es dann anders gekommen ist, war für den 60-Jährigen zwar ärgerlich, aufgrund der nun erfolgten Einsicht des Stadtrates aber nicht mehr weiter schlimm. «Die Gesprächskultur und die Offenheit war immer vorhanden. Und jeder macht Fehler. Diese einzusehen und zu korrigieren, ist für mich auch ein Akt von Grösse.» --huy



