Burkertsmatter Badmintonfest
08.02.2022 SportDie Schweizer Badminton-Meisterschaften in Widen ziehen rund 400 Zuschauer an
Badminton Mutschellen kann dem nächsten Jahr positiv entgegenblicken. Der Verein wird auch dann Ausrichter der Finalspiele der Schweizer Meisterschaften sein. Die Premiere lief ...
Die Schweizer Badminton-Meisterschaften in Widen ziehen rund 400 Zuschauer an
Badminton Mutschellen kann dem nächsten Jahr positiv entgegenblicken. Der Verein wird auch dann Ausrichter der Finalspiele der Schweizer Meisterschaften sein. Die Premiere lief organisatorisch und sportlich sehr gut für den Heimverein.
Josip Lasic
Die Voraussetzungen waren für den Verein nicht leicht. Noch zwei Wochen vorher wusste man bei Badminton Mutschellen nicht, ob die Schweizer Meisterschaften mit oder ohne Zuschauer stattfinden können. «Wir haben von Anfang an ohne Publikum geplant», sagt Dario Kaufmann, Vereinspräsident von Badminton Mutschellen und OK-Präsident der Schweizer Meisterschaften.
«Finanziell war unser Ziel eine schwarze Null. Das ist jetzt mit den Eintrittspreisen und den Einnahmen der Festwirtschaft sicher realistischer. Eine Schweizer Meisterschaft organisiert man nicht, um Geld zu verdienen.»
Rund 100 Helfer im Einsatz
Dem rund 100 Mitglieder zählenden Club ging es darum, Werbung für den Badmintonsport und sich selbst als Verein zu machen. Das sollte gelungen sein. Rund 400 Zuschauer strömten über die zwei Tage verteilt in die Burkertsmatt-Halle, um dem Turnier beizuwohnen. Dieses verlief reibungslos, was auch dem grossen Einsatz des OKs und aller Helfer zu verdanken ist. «Es gab einiges zu tun. Wir mussten beispielsweise Teile der Fenster und Türen abkleben, damit überall in der Halle die gleichen Lichtverhältnisse vorhanden sind», erklärt Kaufmann. «Auf beiden Seiten des Spielfelds müssen die gleichen Voraussetzungen herrschen. » Damit alles funktioniert, waren rund 100 Helfer von Swiss Badminton, dem Verein selbst und aus dem Umfeld von Badminton Mutschellen im Einsatz. «Am Samstagabend dauerten die Spiele bis ungefähr 23 Uhr. Am Sonntag dann wieder um 8 Uhr in der Halle zu stehen, war nicht ganz ohne für die Helfer, nach einem so langen Tag. Aber es hat alles gut funktioniert.»
Von diesen Erfahrungen kann der Club nächstes Jahr profitieren. Dann sind sie wieder Gastgeber. «Der Verband vergibt die Finalspiele immer gleich für zwei aufeinanderfolgende Jahre», erklärt der Vereinspräsident. «Für uns wird es im kommenden Jahr einfacher, weil wir und unsere Helfer einiges an Wissen mitnehmen.»
Fünf Podestplätze, zwei Meistertitel
Nicht nur organisatorisch, sondern auch sportlich war die SM für Badminton Mutschellen ein Erfolg. Der Verein ist gemeinsam mit dem BC Gebenstorf und dem BC Fislisbach ein Teil der Spielvereinigung Team Argovia. Von dieser Spielvereinigung standen zahlreiche Akteure auf dem Podest. Bei den Männern teilen sich Tobias Künzi und Christian Kirchmayr den 3. Rang. Künzi konnte dazu im Männerdoppel mit seinem Partner Joel König den 2. Platz erreichen. Ronja Stern gewann dazu bei den Frauen und im Mixed-Doppel jeweils den Schweizer-Meister-Titel.
Stern mit doppeltem Goldschweif
Badminton: Ronja Stern mit zwei Titeln an der Heim-Schweizer-Meisterschaft auf dem Mutschellen
Der Name ist bei ihr Programm. Ronja Stern war der Star der Schweizer Meisterschaften in der Burkertsmatt. Nach drei Jahren verletzungsbedingter Auszeit gewinnt sie ihre ersten beiden Titel bei den Erwachsenen.
Josip Lasic
Ronja Stern ist noch völlig in Ekstase, als ihr die Speakerin in der Burkertsmatthalle das Mikrofon reicht. Die 24-Jährige hat gerade Milena Schnider mit 21:12 und 21:15 in zwei Sätzen bezwungen und sich zur neuen Schweizer Meisterin bei den Frauen gekürt. Stolz erklärt die Titelträgerin, wie viel ihr der Sieg bedeutet, den sie an ihrer Heim-Schweizer-Meisterschaft geholt hat. «Und das Ziel ist, den Titel nächstes Jahr hier in der Burkertsmatt zu verteidigen», sagt Ronja Stern.
Die Athletin ist Teil von Team Argovia, einer Spielvereinigung von BC Fislisbach, BC Gebenstorf und Badminton Mutschellen. Während andere Spielerinnen und Spieler aus dem Team Argovia, die in der Burkertsmatt an den Start gingen, teilweise von weit her kommen, wuchs Ronja Stern in Remetschwil auf. Nur zwei Dörfer von Widen entfernt. Sie ist zweifelsfrei die einheimischste Athletin am Turnier in der Burkertsmatt. «Ronja hat mit fünf Jahren in Fislisbach mit dem Badminton begonnen», sagt ihr Vater Olaf Stern. «Für sie ist das definitiv ein Heimspiel.»
Ihr erster Titel bei den Erwachsenen
Und die einheimischste Spielerin ist auch die erfolgreichste. Stern gewinnt den Titel im Einzel bei den Frauen und auch im Mixed-Doppel mit Nicolas A. Müller – der bei den Männern im Einzel Meister geworden ist. Niemand ist so stark unterwegs wie das Duo. «Am ersten Tag hat sie ihre Gegnerinnen regelrecht deklassiert», sagt ihr Vater stolz. Dabei waren die Resultate seiner Tochter im Einzel durchgehend stark. 21:6 und 21:6, 21:12 und 21:11, 21:16 und 21:14 sowie 21:12 und 21:15 lauten die Ergebnisse. Vom Turnierstart bis zum Titel gibt sie keinen einzigen Satz ab. «Es ist eindrücklich, wie sie dominiert hat», so Olaf Stern weiter. Auch im Mixed-Doppel ist die Athletin souverän. Nur im Halbfinal geben sie und Müller den ersten Satz ab, drehen das Duell anschliessend aber eindrücklich. Die restlichen Spiele sind nach zwei Sätzen zugunsten von Stern/Müller entschieden.
Das Besondere: Für die Remetschwilerin ist es nach zwei Vize-Meister-Titeln im Einzel das erste Mal, dass sie bei den Erwachsenen Schweizer Meisterin wird, und dann noch im Doppelpack. Noch besser: Es gelingt ihr nach drei Jahren Verletzungspause. Und doch waren es Titel mit Ansage. Vor dem Turnier hat sie die Siege als ihr Ziel genannt. «Grundsätzlich finde ich die Schweizer Meisterschaften etwas überbewertet», sagt sie. «Es gibt zahlreiche Athleten, die nie an den Schweizer Meisterschaften reüssieren konnten, dafür an anderen grossen Turnieren. Die sind deswegen nicht schlechter. Aber für mich persönlich war es nach dieser Leidenszeit schon sehr wichtig, zu gewinnen. Und ich gebe zu, es ist ein geiles Gefühl, wenn man sich Schweizer Meisterin nennen kann», sagt sie mit einem Augenzwinkern.
Das i-Tüpfelchen im Mixed-Final
Sowohl für Stern als auch für ihren Mixed-Partner Nicolas A. Müller war es in erster Linie wichtig, im Einzel zu gewinnen. Vor dem Final im Mixed-Doppel sagt sie: «Das wäre jetzt noch das i-Tüpfelchen. Die Kür nach der Pflicht», und ergänzt mit einem weiteren Augenzwinkern: «Aber die Kür nehmen wir auch noch mit.»
Danach lässt sie den Worten Taten folgen. Mit 21:17 und 21:18 setzt sie sich mit ihrem Mixed-Partner gegen die Welschen Anthony Dumartheray und Julie Franconville durch. Es sind also zwei Titel, welche die Remetschwilerin im kommenden Jahr verteidigen kann.
Künzi kann Titel nicht mehr verteidigen
Das restliche Turnier lief für das Team Argovia nicht schlecht. Drei weitere Podestplätze schauten für das Heimteam heraus. Titel gab es aber keine mehr. Dabei galt Serienmeister Tobias Künzi als einer der grössten Favoriten. Der Untersiggenthaler, der mit Ronja Stern in einer WG in Bern lebt, konnte in den letzten drei Jahren jeweils im Einzel die Schweizer Meisterschaft holen. Ausgerechnet sein Doppel-Partner Joel König stiess ihn im Halbfinal vom Thron und hat sich dann im Final Ronja Sterns Mixed-Partner Nicolas A. Müller geschlagen geben müssen. Dieser hat zuvor ein weiteres Mitglied des Team Argovia im Halbfinal bezwungen. Christian Kirchmayr gewann im Halbfinal den ersten Satz gegen Müller mit 21:15. In einem packenden Spiel konnte Müller den 2. Satz mit 23:21 für sich entscheiden und gewann im letzten und entscheidenden Durchgang mit 21:16. Kirchmayr teilt sich somit mit Teamkollege Tobias Künzi den 3. Rang bei den Männern.
Im Männer-Doppel, wo Künzi ebenfalls Titelverteidiger war, mussten sich er und König im Final gegen Mathias Bonny und Gilles Trippet geschlagen geben.
Dass Künzi entthront wurde, sollte für das Team Argovia aber kein Problem sein. Sie haben einen anderen Stern. Ronja Stern.





