Zu Besuch bei «Klingler’s»
28.01.2022 BremgartenDas neue «Drei Könige»-Konzept
Die neuen Eigentümer der geschichtsträchtigen Liegenschaft «Drei Könige» führen bereits erfolgreich Gastro-Betriebe in Luzern und Zürich. Bald eröffnen sie ein ähnliches Restaurant in der ...
Das neue «Drei Könige»-Konzept
Die neuen Eigentümer der geschichtsträchtigen Liegenschaft «Drei Könige» führen bereits erfolgreich Gastro-Betriebe in Luzern und Zürich. Bald eröffnen sie ein ähnliches Restaurant in der Bremgarter Altstadt. Bei einem Augenschein vor Ort im Restaurant «Klingler’s» unweit der Zürcher Bahnhofstrasse erklären der Geschäftsführer und der Berater des neuen Eigentümers, was ihnen in Bremgarten vorschwebt, wie ihre Gastro-Philosophie aussieht, weshalb die Menschen gerne bei ihnen essen und wie das Interieur der ehemaligen Gaststube, die auch unter dem Namen «Drü Affe» bekannt war, dereinst aussehen könnte. --huy
Jeder Gast ein König
Wie die Betreiber des «Klingler’s» in Bremgarten eine Erfolgsgeschichte weiterschreiben wollen
Im Frühling soll das neue Restaurant im «Drei Könige» an der Ecke Marktgasse/Sternengasse eröffnet werden. Geleitet wird es von einem Team, das auch in Zürich und Luzern Gaststätten betreibt. Ein Augenschein vor Ort.
Marco Huwyler
Duft von Orangen, Rosmarin und Lavendel hängt in der Luft. Der Raum ist in angenehm warmes Licht gehüllt. Im Hintergrund läuft sanfte Chill-out-Musik. Und neben dem Waschbecken liegen für die Gäste fein säuberlich gefaltete Handtücher bereit.
Was sich anhört wie die Beschreibung eines Wellnessbetriebes, ist diejenige der Toiletten des Zürcher Restaurants Klingler’s. Die Betreiber geben sich alle erdenkliche Mühe, in jeder Beziehung eine Wohlfühloase zu sein. «Bei uns sollen sich die Gäste von A bis Z gut aufgehoben fühlen – das schliesst den Toilettenbesuch mit ein», lacht Pietro Prestito darauf angesprochen. Der 35-Jährige ist Geschäftsführer des «Klingler’s» und als solcher «Mädchen für alles», wie er es ausdrückt. Prestito kümmert sich um die Rekrutierung und Betreuung der Angestellten, den Umgang mit Gästen, Bürokratiearbeiten, die Einrichtung des Restaurants
– und vieles mehr. Seit einiger Zeit ist er auch noch damit beschäftigt, das neue Restaurant und dessen Team in Bremgarten aufzubauen. «Über zu wenig Arbeit kann ich mich auf jeden Fall nicht beklagen», lächelt er.
Im Tessin abgeworben
«Pietro ist fantastisch», sagt Gzim Hasani, als er neben dem Geschäftsführer Platz genommen hat. Hasani ist die rechte Hand von Eigentümer Hansjürg Klingler. Er hat diesen davon überzeugt, auch in seiner Heimatstadt Bremgarten zu investieren und dort das «Drei Könige» auszubauen (siehe Ausgabe dieser Zeitung vom 18. Januar). Und er war es auch, der Prestito einst dazu überredete, beim Gastroprojekt «Klingler’s» mitzumachen.
«Ich war 2017 zu Gast in der Villa Orselina in Ascona, wo Pietro arbeitete, und war schwer beeindruckt, wie er seine Gäste behandelte.» Hasani wusste sofort, dass er den perfekten Mann für das Projekt «Klingler’s» gefunden hatte. «Doch ich musste ihn lange bearbeiten, bis ich ihn so weit hatte, dass er bereit war, nach Zürich zu kommen und bei uns mitzumachen», lacht Hasani.
Harziger Start
Schliesslich hatte er mit seiner Charme-Offensive aber Erfolg. Prestito kam und brachte gleich ein ganzes Küchenteam für die Umsetzung des dem Besitzer vorschwebenden mediterranen Gastrokonzepts mit. Und mit ihm begann eine Erfolgsgeschichte, die nicht einmal durch Corona gebremst werden konnte. Seit wieder geöffnet werden darf, ist das «Klingler’s» fast immer rappelvoll. «Heute Abend sind wir beispielsweise schon ausgebucht», berichtet Prestito stolz.
Die Mischung aus einer mediterranen, leichten, innovativen Küche, gepaart mit einer stilvoll edlen und doch gemütlichen Einrichtung sowie maximaler Gastfreundschaft überzeugt offensichtlich. So sehr, dass man sich nach der Eröffnung in Luzern Anfang 2020 nun in Bremgarten bereits ein drittes Standbein leistet.
«Der Erfolg kam aber nicht sofort. Am Anfang waren wir oft leer und ich ein wenig verzweifelt», lächelt Prestito. Hasani musste seinen Geschäftsführer damals beruhigen. «Wir haben das bewusst in Kauf genommen. Weil wir keine Werbung machen wollten. Die Leute sollten uns von sich aus entdecken», erklärt er. Und das Konzept ging auf. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich das «Klingler’s» einen Ruf aufgebaut, der schliesslich zur heutigen Auslastung führte.
Darauf setzt man nun auch in Bremgarten. Wieder ist Prestito dafür verantwortlich, dass ein Gastroteam geformt wird, das höchsten Ansprüchen genügt. Einerseits in der Küche, aber andererseits vor allem auch im Service. «Ich denke, dass dies ein Aspekt ist, den viele unterschätzen», sagt Prestito.
«Nach einem Restaurantbesuch erinnert man sich immer, wie man behandelt wurde. Wie die Atmosphäre war. Wahrscheinlich noch mehr als an das Essen.» Deshalb sei der Umgang auch entscheidend dafür, ob Gäste wiederkommen – oder eben nicht. Prestito predigt dies seinen Angestellten täglich. Schlechte Laune oder eine barsche Art liegt nicht drin. «Das beginnt schon am Telefon bei einer Reservation. Wenn man sich willkommen fühlt, gibt dies bereits ein gutes Grundgefühl.» Prestito ist als Gastgeber ein Naturtalent. Er kennt über 3000 Gäste mit Namen.
Wenn jemand wiederkommt, erinnert er sich daran, was er letztes Mal gegessen hat. «Das schafft Nähe und sorgt dafür, dass man sich wertgeschätzt fühlt. Ich bin wirklich froh, dass er diese Werte auch dem Bremgarter Team weitervermitteln wird», sagt Hasani.
Kunst an den Wänden
Wie dieses aufgestellt sein wird und wer als Chefkoch in der Marktgasse dereinst Italianità auf die Teller zaubert, ist noch nicht abschliessend geklärt. «Die Rekrutierungsphase läuft», sagt Prestito. Klar ist dagegen, dass sich die angebotene Küche und die Einrichtung stark an derjenigen des «Klingler’s» orientieren.
Beispielsweise soll es wie im grossen Bruder in Zürich (und Luzern) mindestens viermal jährlich wechselnde Bilderserien an den Wänden geben. Diese werden eigens für die Restaurants gemalt. Zwei Künstler sind dafür bisher zuständig. «Ich kann mir aber auch vorstellen, dass wir in Bremgarten mit neuen, lokalen Künstlern oder Galerien zusammenarbeiten», meint Hasani, der wie sein Kollege Klingler ein grosser Kunstfan ist.
Wie der Name des im Frühjahr eröffnenden Restaurants lauten wird, ist derweil noch nicht entschieden. Gut möglich allerdings, dass er irgendwie mit dem geschichtsträchtigen und traditionellen Gebäudenamen «Drei Könige» verbunden sein wird. Denn eines ist sowohl für Hasani als auch für Prestito klar. «Jeder, der bei uns isst, soll sich wie ein König fühlen.»


