Jung-DJ mit Strahlkraft
17.12.2021 BremgartenDer 19-jährige Bremgarter Jan Becker feiert als DJ Achtungserfolge im In- und Ausland. Sein grosses Ziel ist es, dereinst von der Musik leben zu können. Obwohl der Weg dorthin noch weit scheint, hat er schon einiges erreicht. Für das kommende Jahr strebt er die «magische ...
Der 19-jährige Bremgarter Jan Becker feiert als DJ Achtungserfolge im In- und Ausland. Sein grosses Ziel ist es, dereinst von der Musik leben zu können. Obwohl der Weg dorthin noch weit scheint, hat er schon einiges erreicht. Für das kommende Jahr strebt er die «magische Marke» von einer Million Spotify-Streams und einen Auftritt im Ausland an. Der zielstrebige junge Mann weiss genau, wo er hin will, und vermag es, trotzdem eine gewisse Bescheidenheit und Demut zu wahren. --huy
Gehört in über 100 Ländern
Jan Becker alias Simon Miles erobert von Bremgarten aus die House-Musik-Welt
Ein junger Bremgarter startet als DJ durch. Für die kommenden Jahre hat er ehrgeizige Ziele – verliert dabei allerdings nie den Blick für das Wesentliche.
Marco Huwyler
Das Fenster rechts der Eingangstüre eines unscheinbaren Mehrfamilienhauses unweit der Altstadt ist in schummriges, grünliches Licht gehüllt. DJ Simon Miles hat das Kinderzimmer von Jan Becker in ein Tonstudio umgewandelt. Von hier aus, Wand an Wand mit Eltern und kleiner Schwester, komponiert er seine Songs. Songs aus Bremgarten, die auf der ganzen Welt gehört werden.
«Als Künstler kann man dies auf Spotify nachschauen», erklärt Becker und zeigt auf die entsprechende App seines Handys. «Auch wenn es natürlich bei einigen nur ein paar wenige sind – ich wurde schon in über 100 Ländern gestreamt», sagt er und kann ein stolzes Lächeln nur schwer verbergen. Es ist auch eine eindrückliche Zahl. Genauso wie die gut 500 000 Streams, die er auf der Musikplattform bisher insgesamt angehäuft hat.
Der 19-Jährige ist drauf und dran, sich in der DJ- und House-Musik-Szene einen Namen zu machen. Er tritt in Clubs in der ganzen Schweiz auf, war schon bei nationalen Radiosendern zu Gast und kooperiert mit etablierten Künstlern aus dem In- und Ausland. «Es ist der Wahnsinn», lächelt Becker. «Ich bin dankbar dafür, was ich bisher erleben und erreichen durfte.»
Zum Profi-DJ braucht es viel
Und doch ist der Teenager noch weit davon entfernt, von seiner Leidenschaft leben zu können. Ein Stream auf Spotify bringt einem Musiker lediglich rund 0.004 Rappen ein – wovon er noch einen Teil an seine Plattenfirma entrichten muss. Damit sich das rentiert, braucht man ein Millionenpublikum. «Leider fehlt mir dafür noch ein Stück», scherzt Becker. Dank Auftrittsgagen von Clubs und Festivals kommt der junge Bremgarter derzeit immerhin auf durchschnittlich rund 250 Franken pro Monat durch seine DJ-Tätigkeit.
Zum Profi reicht dies aber natürlich noch lange nicht. «Langfristig ist dies jedoch mein grosses Ziel», sagt der Bremgarter. «Aber ich weiss, dass es sehr viel braucht, um dorthin zu kommen. Ein Mix aus harter Arbeit, Offenheit, Hartnäckigkeit und Lernbereitschaft – und nicht zuletzt vor allem viel Glück. Ich bin bereit, diesen Weg zu gehen», sagt Becker. «Aber man kann nichts erzwingen. Mir ist es deshalb sehr wichtig, dass ich auch den Moment geniessen kann und demütig bleibe.» Überhaupt liegt der Fokus des 19-Jährigen derzeit noch auf seiner Logistik-Lehre, die er bei der Georg Utz AG absolviert. «Dafür muss ich fit sein. Ich muss mich deshalb manchmal zwingen, am Abend ins Bett zu gehen und nicht zu lange mit der Musik zu verbringen. Das ist gar nicht so leicht», lächelt Becker. Wenn er in seine Leidenschaft vertieft sei, könne es nämlich durchaus vorkommen, dass er die Zeit vergesse.
Neugier als Initialzündung
Initiiert wurde die Leidenschaft Beckers zur House-Musik vor allem durch Neugier. «Ich habe als 13-Jähriger ein Stück gehört und mich gefragt, wie man das macht – schliesslich hört man bei House ja keine klassischen Instrumente.» Deshalb habe er recherchiert und sich bald darauf selbst darin versuchen wollen. «Ich hab mein Erspartes genommen und mir ein entsprechendes Computerprogramm gekauft. Das war der Anfang vom Ganzen», erinnert sich Becker.
Bald schon sei er dann vom Musikstil fasziniert gewesen und habe immer mehr Zeit damit verbracht. «Bis ich dann im Rahmen eines Schulprojektes meinen ersten richtigen Song produzierte.» Zahlreiche sind seither dazugekommen. «Pro Jahr sind es rund 6 bis 10 Songs», sagt Becker. Sein grösster Hit bislang ist das Stück «Keep Moving», das er gemeinsam mit seinem Mentor «Free G» produzierte. Der bekannte Berner Oberländer DJ hat Becker vor zwei Jahren unter seine Fittiche genommen und begleitet ihn seither auf seinem Weg nach oben. «Dafür bin ich ihm unglaublich dankbar», sagt Becker.
Auch seine Familie unterstützt den jungen Bremgarter in seinem ambitionierten Hobby. «Nur wenn ich spätabends noch die Boxen aufdrehe, finden sie es nicht so toll», lacht Becker. «Dann muss ich manchmal zähneknirschend auf Kopfhörer ausweichen.»
Doch zu normalen Tageszeiten gefällt auch den Eltern die Musik ihres Filius. «Jeder in der Familie hat unter meinen Liedern ein Lieblingsstück», berichtet Becker. «Ich erhalte von ihnen auch manchmal richtig gute Feedbacks, was ich noch besser machen könnte.» Dass er zu Hause auf so viel Verständnis, Interesse und Support zählen könne, sei sehr schön und nicht selbstverständlich. «Schliesslich ist House-Musik nicht jedermanns Sache – gerade unter älteren Semestern nicht.» Es sei ihm aber auch ein Anliegen, Musik zu machen, die man auch privat gerne höre und nicht nur in Discos und Clubs.
Unter dem Weihnachtsbaum in einer Woche ertönen jedoch auch bei Beckers eher besinnlichere Töne. «Wahrscheinlich hören wir kein House am Heiligabend, auch meine Stücke nicht», lacht Becker. «Da gehts bei uns traditionell zu und her. Und darüber bin ich froh, denn ich mag auch Weihnachtsmusik sehr, sehr gerne.»
Morgen Samstag veröffentlicht Jan Becker auf seinem Youtube-Kanal einen Jahresrückblick seines Schaffens.
Wieso Simon Miles?
«Bei DJs ist es üblich, dass man sich einen Künstlernamen gibt», erklärt Jan Becker und begründet seine Wahl wie folgt: «Simon ist mein zweiter Vorname und Miles ein Nachname, der mir schlicht gut gefallen hat.» Wichtig sei vor allem, dass der Name auf Englisch gut aussprechbar sei. Deshalb habe es zu Beginn seiner noch jungen Karriere als «DJ Jan Simon Luca» auch nicht richtig funktioniert. «Dass ich mich seit zwei Jahren Simon Miles nenne, hat sicherlich zu mehr Popularität beigetragen.»



