Eine Lösung für die Welt
12.11.2021 Region Bremgarten«SmartBreed» stellt seine Insektenzuchtboxen im Fernsehen auf «3+» vor
Seit zwei Jahren gibt es die Firma der Zufiker Brüder Bertschi erst. Am Dienstag suchen sie in «Die Höhle der Löwen» auf «3+» nach ...
«SmartBreed» stellt seine Insektenzuchtboxen im Fernsehen auf «3+» vor
Seit zwei Jahren gibt es die Firma der Zufiker Brüder Bertschi erst. Am Dienstag suchen sie in «Die Höhle der Löwen» auf «3+» nach Investoren.
Roger Wetli
«Die Menschheit wird wohl künftig nicht darum herumkommen, ihren Proteinbedarf mit Insekten zu decken», schaut Christoph Bertschi voraus. Er und seine beiden Brüder Adrian und Patrik haben vollautomatisierte Insektenzuchtboxen entwickelt. «Vollautomatisch darum, weil zurzeit beim Aufziehen von zum Beispiel Heuschrecken noch viel Handarbeit eingesetzt wird. Dadurch werden die Tiere aber sehr teuer.» Für den Unternehmer liegen die Vorteile bei den Insekten darin, dass sie einerseits mit Nebenprodukten aus der Le-
bensmittelindustrie gefüttert werden können, andererseits viel effizienter im Wachstum sind als die üblichen Nutztiere. Zurzeit werden ihre Boxen aber noch nicht in der Nahrungsmittelproduktion eingesetzt. Die Heuschreckenzuchtboxen verkaufen sie an Legehennenhalter, welche ihre Hühner mit den Insekten füttern und somit Eier produzieren. «Das Wachstumspotenzial unserer Firma ist riesig. Wir benötigen aber Geld dazu», so Bertschi. Eine Plattform für mögliche Investoren bietet ihnen die Sendung «Die Höhle der Löwen», die am Dienstagabend um 20.15 Uhr auf «3+» ausgestrahlt wird. «Dort könnten aber auch potenzielle Kunden auf unsere Boxen aufmerksam werden. Auf jeden Fall war die Aufzeichnung im April eine wundervolle und spannende Erfahrung», strahlt Bertschi.
Aus Heuschrecke wird Hühnerei
Das Unternehmen «SmartBreed» stellt sich in «Die Höhle der Löwen Schweiz» auf dem TV-Sender 3+ vor
Die drei Zufiker Brüder Adrian, Christoph und Patrik Bertschi haben 2019 das Unternehmen «SmartBreed» gegründet. Sie stellen voll automatisierte Insektenzuchtboxen her. Am Dienstag suchen sie in der Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» nach Investoren.
Roger Wetli
«Ob wir erfolgreich waren, darf ich nicht verraten», lacht Christoph Bertschi, Mitinhaber von «SmartBreed». «Die Sendung ist für uns aber eine super Möglichkeit, unser Unternehmen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Zudem war der Dreh im vergangenen Frühling sehr spannend.» In «Die Höhle der Löwen Schweiz» buhlen junge Unternehmen um die Gunst von Investoren. «Wir benötigen Geld, um weiter wachsen zu können», betont Bertschi. «Die Experten haben uns mit vielen Fragen gelöchert, die stark ins Detail gingen. Es sind total spannende Persönlichkeiten, von denen wir nur profitieren können.»
Neue Kunden gewinnen
Christoph Bertschi hat die Sendung in der Vergangenheit öfters selber geschaut. «Es ist interessant, zu erfahren, welche Überlegungen die Unternehmer und Investoren machen. Die Aufzeichnung hat mir jetzt noch mehr Spass gemacht als das bisherige Schauen.» Die bekannte Sendung erreicht regelmässig Einschaltquoten von über 500 000 Haushalten. «Die Zuschauer sind bunt gemischt. Darunter kann es weitere Investoren, aber auch Endkunden haben. Ich bin gespannt, welche Reaktionen unsere Teilnahme auslöst.»
Der Geschäftsmitinhaber hofft aber auch, dass mit der Sendung die Grundbotschaft, die dem Unternehmen unterliegt, beim Publikum ankommt. «Wir haben voll automatisierte Zuchtboxen für Insekten entwickelt. Damit möchten wir mithelfen, langfristig den Proteinbedarf der Menschheit zu decken. Denn aktuell geschieht dies zum Grossteil mit Soja. Für das wird aber laufend Regenwald abgeholzt.»
Insekten könnten dagegen mit Abfallprodukten aus der Lebensmittelindustrie gefüttert und in für den Menschen nutzbare Proteine umgewandelt werden. «Es ist ein ähnliches Prinzip, wie einst Schweine und Hühner in vielen Haushalten die Rüstabfälle verwerteten, nur dass die Insekten sehr viel schneller wachsen und deren Energiebilanz deutlich besser ist.»
Vorerst für Insektenfresser
In der Lebensmittelindustrie ist «SmartBreed» aber noch nicht tätig. «Dafür ist die Hemmschwelle, Insekten zu essen, in der Schweiz noch zu hoch», weiss Christoph Bertschi. «Deshalb verkaufen wir unsere Boxen an Zoos für die Fütterung ihrer insektenfressenden Tiere und an Legehennenbetriebe, die damit indirekt Eier produzieren.» Die Boxen entwickelten die drei Brüder aus Zufikon für die Zucht von einheimischen Europäischen Wanderheuschrecken. Es sei deshalb kein Problem, sollte mal eine in die Natur entwischen. «Die Hühner werden mit lebendigen Heuschrecken gefüttert. Das entspricht ihrer natürlichen Nahrung, die eher aus Insekten als aus Soja besteht. Zudem sind die Hühner durch das Schnappen nach Lebendfutter gesünder, fitter und zufriedener. Sie verletzen sich nicht mehr absichtlich. Die Verlustrate in der Hühnerzucht kann gesenkt werden.»
Sprung in die Selbstständigkeit
Ebenfalls daran ist «SmartBreed», eine Zuchtlösung für Mehlwürmer zu entwickeln. «Wir sind hier bereits weit und werden die Lösung Ende des 1. Quartals 2022 auf den Markt bringen», schmunzelt Christoph Bertschi, der die Herausforderung gerne annimmt. Er gründete das Unternehmen mit seinen beiden Brüdern im September 2019. Bereits ab Januar 2020 konzentrierten sich Patrik und er voll auf das Unternehmen, während Adrian Bertschi nebenbei noch doktoriert. «Wir konnten das Unternehmen neben unseren Berufen in der Freizeit schlicht nicht mehr stemmen. Deshalb haben wir den Schritt gewagt und machen es jetzt richtig.»
In den voll automatisierten Insektenzuchtboxen vereinen sich die drei Fachbereiche Hardware, Informatik und Insekten. «Jeder Bereich ist bereits sehr komplex, diese zusammenzuführen, noch schwieriger.» Die drei Brüder stellen sich dieser Herausforderung, weil die Zucht von Insekten bisher noch mit viel Handarbeit verbunden ist, was die Produktion sehr teuer macht. «Unsere Wanderheuschreckenbox funktioniert dagegen vollautomatisch. Man gibt die Insekten und das Futter hinein, und die Box sorgt für das jeweilige richtige Umfeld. Nach drei Wochen kann man die fertigen Heuschrecken weiterverwenden», so Christoph Bertschi.
Er und seine zwei Brüder sehen sich als Insektentechnologie-Unternehmer. Die Zucht und den Verkauf der Insekten möchten sie nicht selber übernehmen. «Ziel ist es, dass die Insekten direkt dort gezüchtet werden, wo Abfälle entstehen oder sie benötigt werden. Das spart Transporte und schont damit die Umwelt.»
In Bremgarten zusammenstellen
Zurzeit sind ihre Boxen noch klein. Damit sich die Zucht aber auch für die Schweinemast oder die Fischzucht wirtschaftlich eignet, sollten sie noch massiv grösser werden. «Auch daran arbeiten wir zurzeit», gibt Bertschi Einblick. Sein Unternehmen lässt die Elemente der Boxen herstellen und fügt sie am Wochenende in einer Lagerhalle in Bremgarten zusammen. Dabei helfen ihnen jeweils zehn bis zwanzig Kollegen. Eine erste 20er-Serie wurde hergestellt, jetzt eine 60er. «Diese sind alle bereits verkauft, deshalb möchten wir bis Ende Jahr noch 200 weitere Boxen herstellen», schaut der Jungunternehmer voraus.
Auch für solche Projekte benötigt «SmartBreed» Geld. Wobei die Brü- der bereits von zahlreichen Institutionen wie etwa der ETH oder der Universität St. Gallen unterstützt werden. Dabei wird ihnen zugutekommen, dass sie als Familie verschiedene Fachrichtungen vereinen. So können die Bertschis einen Master in «Banking and Finance», einen Bachelor in Recht und einen Master in Nanotechnologie vorweisen. «Das hilft uns enorm», ist Christoph Bertschi überzeugt.
Bereits erste Mitarbeiter angestellt
Das Unternehmen soll in den nächsten Jahren stark wachsen. Bereits beschäftigt es zusätzlich zwei Maschinenbauer in Teilzeit und zwei Praktikanten. Die Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» am kommenden Dienstag ist dazu der nächste Schritt. «Wir werden es wahrscheinlich zusammen schauen. Es wird sicher lustig sein, sich selber im Fernsehen zu sehen», lacht Christoph Bertschi.
«Die Höhle der Löwen Schweiz» mit dem Unternehmen «SmartBreed» wird am Dienstag, 16. November, um 20.15 Uhr auf 3+ ausgestrahlt.



