Besitzerwechsel bei Saner-Optik
09.11.2021 BremgartenMarkus Buob geht nach 23 Jahren in Pension
Der langjährige Bremgarter Brillenspezialist zieht sich altershalber zurück. Wie es mit seinem baldigen Ex-Geschäft weitergeht, ist noch offen.
Marco ...
Markus Buob geht nach 23 Jahren in Pension
Der langjährige Bremgarter Brillenspezialist zieht sich altershalber zurück. Wie es mit seinem baldigen Ex-Geschäft weitergeht, ist noch offen.
Marco Huwyler
Saner-Optik ist ein Bremgarter Traditionsunternehmen. Seit über 50 Jahren werden an der Marktgasse 31 unter diesem Namen Qualitätsgläser verkauft. Knapp die Hälfte der Zeitspanne war Markus Buob verantwortlich für das Fachgeschäft in der Altstadt, der dieses einst von Ernst Saner übernommen hatte. Am 24. Dezember ist damit definitiv Schluss. Eine Ära geht zu Ende.
«Unser Anspruch war es immer, uns abzuheben von den günstigen Discounter-Brillenketten und durch Kundennähe und Beratung zu punkten», erzählt Buob. «Ich glaube, das ist uns in all den Jahren gut gelungen.» Eine Frau habe kürzlich gefragt, wo sie denn Reklamationen deponieren könne. Auf Buobs höfliche Rückfrage, worüber sie sich denn beschweren wolle, habe die Frau geantwortet: «Ich bin nicht damit einverstanden, dass Sie aufhören», erzählt der Optiker lachend. «Das fand ich sehr schön. Ein besseres Zeugnis kann man uns nicht ausstellen.»
Kundenstamm an Bär-Optik
Der Innerschweizer geht Ende Jahr in Pension. Wie es mit Saner-Optik künftig weitergeht, ist noch nicht klar. Sicher ist einzig, dass die Hausbesitzerin Jasmine Mach dereinst wieder einen Optiker in den Räumlichkeiten über dem Uhren- und Bijouterie-Lädeli einquartieren möchte. Allerdings wird das Geschäft eine Generalüberholung erfahren. Der Kundenkreis von Markus Buob muss dennoch nicht auf einen Brillenspezialisten im Städtli verzichten.
Buob überträgt seine Klientel seinem einstigen Konkurrenten Marcel Bär an der Sonnengutstrasse 4. Sofern die Kundinnen und Kunden zustimmen, werden Daten, Garantieund Reparaturdienstleistungen unkompliziert übernommen. Ob das Optikergeschäft an der Marktgasse nach der Wiedereröffnung einen neuen Namen erhält oder die Tradition von Saner-Optik in Bremgarten weiterführt, ist noch nicht ganz klar. Das Inventar hingegen wird rundum erneuert. «Meine Gerätschaften verkaufe ich zum Teil – viele davon nehme ich aber auch zu mir nach Hause», verrät Buob. Seine Leidenschaft als Brillenexperte wird ihn demnach auch im Ruhestand sicher nicht vollständig loslassen.
«Im nächsten Leben gleicher Beruf»
Saner-Optik: Markus Buob schliesst sein Geschäft in der Altstadt
Nach 23 Jahren ist Schluss. Der Optiker Markus Buob verlässt Bremgarten Ende Jahr. Er tut dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Marco Huwyler
Mittwochabend in der Marktgasse gleich neben dem Spittelturm. Markus Buob verabschiedet am Eingang seines Ladens einen stattlichen jungen Herrn. Der Kunde ist zufrieden, der Umgang der zwei Männer vertraut, ja fast schon herzlich. Man merkt – die beiden kennen sich schon länger.
«Ja, das stimmt tatsächlich, der war schon als Primarschüler bei mir», lacht der Optiker darauf angesprochen. Der betreffende Kunde sei kein Einzelfall. «Das ist das Schöne an unserem Beruf.» Wer einmal einen vertrauten Brillenspezialisten habe, der bleibe ihm nicht selten ein Leben lang treu.
In den vergangenen 23 Jahren hat der 65-Jährige in Bremgarten einen beachtlichen Stamm solcher Kunden aufgebaut. Oft war der Kontakt sehr persönlich und ging weit über die Entwicklungsgeschichte von deren Sehorganen hinaus. Das macht für Buob nicht einfach, was er ihnen und dem Städtli in diesen Tagen mitteilen muss. Ende Dezember ist Schluss. Der gebürtige Stadtluzerner geht nach Kriens in Pension und sagt Bremgarten auf Wiedersehen.
Ein Vielautofahrer
Vor fast einem Vierteljahrhundert hatte Buob das Lädeli am Eingang der Altstadt einst von Ernst Saner übernommen. Beruflich wurde er hier sesshaft, pendelte jedoch täglich zwischen Kriens und Bremgarten. «Ich habe es grad zum Spass ausgerechnet», berichtet er. «Insgesamt sind da in all den Jahren rund 400 000 Kilometer zusammengekommen.» Das entspricht einer Strecke von rund zehnmal um die Welt. «Doch ich fahre sehr gerne Auto, dabei kann ich abschalten – deshalb hat mich die Pendelei nie gestört.»
Integriert war Buob in Bremgarten dennoch bestens. In seiner Freizeit spielte er Tuba in der Stadtmusik. Mit seiner Luzerner Guggenmusik-Gruppe kam er jeweils an die Bremgarter Fasnacht. «Um den Leuten hier zu zeigen, wie es richtig geht», scherzt er. Seine humorvolle, offene und doch persönliche Art kam stets gut an im Städtli. Fast alle kennt er, mit vielen ist er per Du. Die Kunden schätzen seine Expertise, die er sich dank seiner Leidenschaft für die Materie erarbeitet hat.
Früh fasziniert
«Meine Berufswahl hat sich schon früh abgezeichnet», erzählt der baldige Pensionär. Für Apparaturen, das Visuelle und Detailversessene habe er sich schon als Bub interessiert. «Mit 14 war ich deshalb für die Hellraumprojektoren an der Sekundarschule zuständig.» Wenn diese defekt gewesen seien, habe er sie in ein Geschäft gebracht, welches auch Brillen angeboten habe. Das Handwerk dort hat den Teenager fasziniert. «Deshalb fragte ich an, ob ich mithelfen dürfte», erinnert sich der heute vierfache Grossvater. Er durfte. Und so wurde aus Markus Buob ein Optiker aus Leidenschaft. «Ein toller Beruf. Ich würde in einem nächsten Leben nochmals denselben wählen», sagt er rückblickend glücklich.
Aus Konkurrenten wurden Kollegen
Über all die Jahre hat er viele Auf und Abs erlebt. «Das Aufkommen der Discount-Brillenanbieter wie Fielmann oder Visilab machte es für unsere Berufsgattung nicht einfacher», erzählt Buob. In den frühen 2000er-Jahren habe auch er deshalb manche Kunden verloren. «Doch das Schöne ist, dass viele von denen wieder zurückkamen», lächelt er. Die Schweizer würden gute Qualität und kompetente Beratung schätzen. «Das ist mein Glück. Ausserdem half es mir natürlich, dass sich nie ein solcher ‹Billigbrillen-Anbieter› in Bremgarten niederliess.»
Konkurrenzlos im Städtli war Buob in den letzten Jahren dennoch nicht. 2017 liess sich nur zwei Hausnummern neben Saner-Optik Marcel Bär mit seinem Optikergeschäft nieder. «Als ich das damals erfuhr, war ich schon ‹bizzli hässig›», lacht Buob heute. Die Koexistenz in unmittelbarer Nähe lohnte sich allerdings vor allem für den Neuankömmling nicht, sodass dieser alsbald in den Sunnemärt weiterzog. Seither kommen die beiden Brillenexperten gut aneinander vorbei. Mehr noch gar – man versteht sich mittlerweile auch persönlich blendend. So sehr, dass sich Buob entschloss, seinen Kundenstamm nach seiner Pension seinem einstigen Konkurrenten zu übergeben. Auf alle Fälle diejenigen davon, die in diesen Wechsel einwilligen. «Ich denke, das ist für meine Kundschaft eine ideale Lösung», sagt Buob. «Bei Bär-Optik können sie sicher sein, weiterhin den gewohnten Service zu geniessen.»
Ruhestand geniessen
Trotz einer leichten Wehmut freut sich Buob, die Schlüssel definitiv abzugeben. Ein Weitermachen nach dem Erreichen des Rentenalters kam für den Luzerner nicht infrage. «Ich habe zu viele Menschen gesehen, die sich lange auf den Ruhestand freuten, diesen dann aber krankheitshalber nicht mehr geniessen konnten.» Buob möchte keiner von ihnen werden. Dafür hat er noch zu viele Pläne und Leidenschaften, denen er sich widmen will. Der Musik, seiner Fasnachtstruppe, dem Töfffahren, seinen Enkeln, seinem Boot auf dem Vierwaldstättersee und vielem mehr.
Deshalb wird Buob am Heiligabend seinen Laden definitiv zum letzten Mal schliessen und Lebewohl sagen. «Ich wünsche Bremgarten alles Gute. Es ist ein tolles Städtchen. Es wäre den Menschen zu gönnen, dass sich für mein Geschäft in der Altstadt ein junger, motivierter Optiker finden lässt, der mit Leib und Seele dabei ist.» Ein Optiker, wie es Markus Buob für Bremgarten war.
Vom 9. November bis zum 24. Dezember findet bei Saner-Optik ein Totalausverkauf auf den gesamten Lagerbestand statt.



