«Absage wäre ein Desaster»
26.11.2021 BremgartenBremgarten: Christchindli-Märt-Verantwortliche hoffen auf plangemässe Durchführung
Die Vorbereitungen für den diesjährigen Christchindli-Märt laufen auf Hochtouren. Auch wenn das Damoklesschwert «Absage» ständig über den ...
Bremgarten: Christchindli-Märt-Verantwortliche hoffen auf plangemässe Durchführung
Die Vorbereitungen für den diesjährigen Christchindli-Märt laufen auf Hochtouren. Auch wenn das Damoklesschwert «Absage» ständig über den Organisatoren schwebt.
Marco Huwyler
Das Gesundheitsamt des Kantons erhält in diesen Tagen wohl aus keiner Gemeinde so viele Anrufe wie aus Bremgarten. Die Verantwortlichen des Christchindli-Märts sitzen wie auf Nadeln.
Doch in Aarau will man sich nicht auf die Äste rauslassen und bleibt vage, ob die Bewilligung zur Durchführung des 26. Christchindli-Märts bestehen bleibt oder aufgrund der Pandemie-Entwicklung zurückgezogen wird. Signale in die eine oder andere Richtung bleiben derzeit aus. «Wir können wirklich nicht abschätzen, wohin die Reise geht», seufzt Marktchef Walter Friedli.
Es steht viel auf dem Spiel
Fest steht einzig, dass es für die Veranstalter in diesem Jahr aus freien Stücken kein Zurück mehr gibt. «Die Vorbereitungen sind zu weit fortgeschritten», bestätigt Sabina Glarner. Schliesslich geht es nur noch eine Woche bis zur geplanten Märt-Eröffnung. «Wenn wir jetzt absagen würden, würden wir trotz dem Rückzieher auf einem Grossteil der Kosten sitzen bleiben.»
Die Präsidentin des Organisationskomitees setzt mit ihrem Team und allen Helfern deshalb die Vorbereitungsarbeiten unbeirrt fort. Für ihre Premiere als Verantwortliche des Vereins hätte sie sich durchaus eine etwas weniger nervenaufreibende Planung gewünscht. «Doch es ist, wie es ist. Dass die Entwicklung unvorhersehbar ist, wussten wir schon lange.» Dass es sich dermassen zuspitzt, hätte trotzdem nicht sein müssen.
Eine kurzfristige Absage würde sowohl für den Marktverein als auch für die Stadt einen grossen Verlust bedeuten. «Über den Daumen gepeilt, wären das jeweils rund 250 000 Franken, die verloren gingen», schätzt Walter Friedli. Insgesamt steht also eine halbe Million auf dem Spiel. «Für uns wäre eine Absage zum jetzigen Zeitpunkt ein Desaster», konstatiert Glarner. «Das würde ein grosses Loch in die Vereinskasse reissen und wäre nicht so leicht mit Schlechtwetterreserven zu kompensieren.»
Auch für das lokale Gewerbe und die ohnehin arg gebeutelten Marktfahrer hätte eine kurzfristige Absage gravierende Folgen. «Wir erhalten deshalb ständig unsererseits besorgte Anfragen», berichtet Friedli.
Den Verantwortlichen bleibt jedoch nichts anderes übrig, als Tag für Tag abzuwarten und sowohl geduldig, als auch optimistisch zu bleiben. Heute Freitag findet in Aarau die nächste Sitzung zur Pandemielage und zu allfälligen Massnahmen statt.
Zwischen Vorfreude und Zittern
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Marco Huwyler
Sabina Glarner hat die gute Laune noch nicht verloren. «Ich bin froh, dass ihr morgen etwas in der Zeitung schreibt», lacht die Präsidentin des Christchindli-Märts. «So kann ich auf das eine oder andere Beschwichtigungsmail vielleicht verzichten.» Die Gerüchteküche brodelt kräftig in und um Bremgarten in den letzten Tagen. Findet der Christchindli-Märt dieses Jahr statt? Oder fällt er tatsächlich im letzten Moment den steigenden Covid-Zahlen zum Opfer?
Aufwendiges Schutzkonzept
«Stand jetzt muss ich euch keine Absage verkünden», sagt Glarner. «Wir bleiben zuversichtlich und arbeiten mit Hochdruck», ergänzt ihr Vizepräsident Bernard Tardy. Und doch blickt man beim OK mit einem Auge ständig nach Aarau. Jede Sitzung und jedes Meeting dort könnte die Ausgangslage wieder verändern und zu einem Entzug der vor gut drei Wochen erteilten Bewilligung führen (siehe Ausgabe vom 3. November). Bei den Verantwortlichen hat längst das grosse Bibbern eingesetzt. «Es ist schon nervenaufreibend», bestätigt Marktchef Walter Friedli. «Ich habe schon besser geschlafen.»
Dennoch bleibe letztlich nichts anderes übrig, als weiter voranzuschreiten mit den Vorbereitungen und auf das Beste zu hoffen. «Was wir machen können, um den Markt unter den derzeitigen Bedingungen so sicher wie möglich durchzuführen, das machen wir auch.» Es habe wohl noch kaum einen vergleichbaren Anlass gegeben in den letzten Jahren mit einem derart aufwendigen und durchdachten Sicherheitskonzept. «Auch das macht uns zuversichtlich, dass die Bewilligung bestehen bleibt», sagt Friedli. Sechs Seiten umfasst dieses und wird laufend angepasst und ergänzt.
Auf dem ganzen Marktareal wird Maskenpflicht herrschen, in allen Innenräumen ist das Zertifikat vorzuweisen. Um dies möglichst unkompliziert umsetzen zu können, haben die Veranstalter ein Stempel-System angedacht. Wessen Zertifikat kontrolliert worden ist, der erhält einen Stempel. So sollen unnötige Mehrfachkontrollen verhindert werden. Stempelmotiv bzw. Farbe wechseln jeden Tag. Für die reibungslose Durchführung der Masken- und Zertifikatskontrolle hat der Stadtrat unlängst 30 000 Franken zusätzlich für Sicherheitspersonal gesprochen – nebst den bisherigen Vorkehrungen und Massnahmen, versteht sich.
«Und trotz alldem – wir sind nach wie vor auch angewiesen auf die Vernunft der Besucher», appelliert Glarner. «Wenn am Eingang ein Glühwein gekauft wird und man dran nippend ohne Maske durchs ganze Marktareal schlendert, ist dies nicht zweckdienlich – auch wenn es theoretisch erlaubt ist.» Aufgrund der Erfahrungen mit dem Markt der Vielfalt von Ende Oktober ist man aber optimistisch, was das Verhalten der Marktgäste angeht. «Das war wirklich toll, wie sich die meisten da vorbildlich benahmen», Die Organisatoren sind deshalb guter Dinge, dass auch der Christchindli-Märt als tolles Highlight trotz Pandemiebedingungen in Erinnerung bleiben könnte.
Gewohnte Vielfalt
Das vorgesehene Rahmenprogramm ist auf jeden Fall wie gewohnt gross, bunt, vielfältig und ausgesprochen weihnachtlich. Konzerte und sonstige kulturelle Veranstaltungen finden während aller Festtage im Kellertheater, im Zeughaus und in der Märtchile statt. Auch in der St. Josef-Stiftung gibt es einiges an Kultur. Kutschenfahrten werden am Freitag und am Samstag angeboten. Spittelturm-Führungen, Samichlaus-Überraschungen, ein Besuch im Märliwagen oder das Figurentheater bieten weitere Abwechslung zum Aufwärmen bei garstigen Temperaturen und eignen sich für Menschen jeden Alters. Im Märt-Beizli gibt es zudem die gewohnt feine Verpflegung. Und nicht zuletzt freuen sich schon viele Stammgäste auch dieses Jahr schon zu Recht wieder auf den Glühwein in den traditionellen, charakteristischen Markttassen. Auf den begehrten Sammlerstücken ist dieses Jahr das Abbt-Haus von Hermetschwil abgebildet. Seit 1999 steht es unter Heimatschutz und prägt das Dorfbild des Bremgarter Stadtteils.
Rund 60 000 Besucher erwarten die Veranstalter in den vier Markttagen. Das ist relativ vorsichtig budgetiert. In Prä-Pandemie-Zeiten knackte man zuweilen gar die 100 000-Besucher-Marke. «Wir halten das für realistisch dieses Jahr. Es gibt schon einige, die wegen Corona zu Hause bleiben. Und auch die Wetteraussichten sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht so rosig», sagt Glarner. «Nichtsdestotrotz wären wir auch für noch mehr Gäste gewappnet», ergänzt Friedli.
Vor allem gilt es nun zuerst einmal, kräftig die Daumen zu drücken. Dafür, dass in einer Woche um punkt 13.30 Uhr auch tatsächlich eröffnet werden kann und Bremgarten in seiner weihnachtlichen Pracht mal wieder Besucher aus der ganzen Schweiz verzaubern darf. «Das wäre das tollste Vorweihnachtsgeschenk», sagt Glarner. «Eine grosse Vorfreude ist jedenfalls trotz aller Ungewissheit da.»
Weitere Informationen und das Marktprogramm unter: www.weihnachtsmarkt.ch.




