Skurriles Trainingslager
29.10.2021 SportBob: Melanie Hasler in China
Aus der ganzen Welt sind Bobteams angereist nach Yanqing. Die Stadt wird im Februar 2022 Austragungsort der olympischen Bobrennen sein. Die Schweizer Delegation, bestehend aus drei Männer- und zwei Frauenteams, reiste vor drei Wochen an. Mit dabei ...
Bob: Melanie Hasler in China
Aus der ganzen Welt sind Bobteams angereist nach Yanqing. Die Stadt wird im Februar 2022 Austragungsort der olympischen Bobrennen sein. Die Schweizer Delegation, bestehend aus drei Männer- und zwei Frauenteams, reiste vor drei Wochen an. Mit dabei war auch Melanie Hasler, Bobpilotin aus Berikon. Sie erzählt von skurrilen Begebenheiten im Trainingslager. Beispielsweise von Robotern im Hotel, die pausenlos Desinfektionsmittel versprühen. «Es ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig», sagt die 23-Jährige.
Sie hat ihr grosses Ziel vor Augen: Olympia. Und deshalb versucht sie alle Nebengeräusche auszublenden. Die Erfahrungen, die sie sammeln konnte in China, sind wertvoll. --spr
Land des Lächelns und Desinfektion
Bob: Die Freiämter Bobpilotin Melanie Hasler im Trainingslager in China
Ein ultrastrenges Sicherheitskonzept und jeden Tag Reis auf dem Teller: Melanie Hasler aus Berikon war drei Wochen im Trainingslager in China. Die 23-Jährige sammelte angesichts der Olympischen Winterspiele in drei Monaten wichtige Erfahrungen.
Stefan Sprenger
Permanente Desinfektion. Im Hotel kurven pausenlos Roboter umher, die Desinfektionsmittel versprühen. Nach den Mahlzeiten werden die Teller noch auf den Tischen mit einem speziellen Mittel entkeimt. Überall stehen Wachleute herum, die aufpassen. «Ja. Es ist schon besonders hier», sagt Melanie Hasler. Doch die junge Frau nimmt es mit Humor. «Es geht uns gut. Ich will mich nicht beklagen.» Für sie der wohl schwierigste Fakt: Es gibt jeden Tag Reis zu essen.
Aus der ganzen Welt sind Bobteams angereist nach Yanqing. Die Stadt im Nordwesten von Peking wird Austragungsort der olympischen Bobrennen sein. Die Schweizer Delegation, bestehend aus drei Männer- und zwei Frauenteams, reiste vor drei Wochen an.
Podestplatz im Testrennen
Im Fokus stand das Kennenlernen der Olympia-Bahn. Das Dach ist im Stil der Chinesischen Mauer gebaut. Im Starthaus gibt es eine 100-Meter-Sprinthalle. Und die Garderoben und Räume im Start- und Zielbereich sind enorm gross. Solch eine Bahn hat es so noch nie gegeben. Dazu meint Hasler: «Die Bahn ist mega cool. Sie liegt mir. Ich bin ein Fan.» Täglich durfte sie im futuristischen Eiskanal trainieren – mit Spitzengeschwindigkeiten von über 130 km/h. Anspruchsvoll, mit vielen wechselnden Kurvenkombinationen und auch sehr schwierigen Abschnitten. Doch die Freiämterin fühlt sich pudelwohl. Das bewies sie an einem Testrennen vor wenigen Tagen. Dort erreichte sie im Monobob – auch eine olympische Disziplin – den 2. Rang.
Qualifikation für Olympia in Reichweite
Ob das «Bobteam Hasler» an den Olympischen Spielen in Peking vom 4. bis 20. Februar 2022 dabei sein wird, ist noch nicht definitiv. Um sich zu qualifizieren, braucht es starke Resultate in der Weltcupsaison, die Mitte November startet. «Ich bin zuversichtlich, dass es klappt», meint Hasler. Wenn sie solch gute Resultate schafft wie in der vergangenen Saison, dann wird es reichen.
Hasler und alle anderen Bobsportler aus der Welt erlebten in den vergangenen Wochen, was sie im Februar erwarten wird. Die internationale Blase wird streng überwacht. Jeden Tag gibt es einen PCR-Test. Mehrmals pro Tag wird die Temperatur gemessen. Beim Essen benötigt es Handschuhe. Den riesigen Hotelkomplex darf man nicht verlassen – ausser mit dem Shuttlebus zur Bobbahn und zurück. China setzt seine Null-Covid-Politik strikt durch. An Olympia wird es keine internationalen Zuschauer geben, die Bewegungsfreiheit für Athleten wird extrem eingeschränkt sein. «Schon bei der Ankunft am Flughafen dauerte die Kontrolle über zwei Stunden», erzählt Hasler. Das gesamte Ankunftsterminal wurde eigens für den Flieger, der voll mit Bob-Cracks war, extra für die Sportler hermetisch abgeriegelt. Der Transfer zum Hotel dauerte über zwei Stunden. Und dies mit Polizeieskorte und unter Sperrung aller Strassen (!) von Peking bis Yanqing. Melanie Hasler muss lächeln: «Man gewöhnt sich an vieles. Aber die Umstände hier sind schon besonders.»
Sie nimmt für ihr Ziel alles in Kauf
Die Powerfrau Melanie Hasler bleibt wie gewohnt gut und locker drauf. Sie ist froh, konnte sie wichtige Erfahrungen sammeln auf der Olympia-Bobbahn. Auch wenn der Geruch von Desinfektionsmittel überall ist und die Rahmenbedingungen gewöhnungsbedürftig sind: Hasler bleibt fokussiert. Ihr Ziel: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Dann nimmt sie diese skurrilen Zustände in China sehr gerne nochmals in Kauf.



