Menschen und Tieren helfen
05.10.2021 Region BremgartenSibylle Engeler coacht Personen und Pferde in schwierigen Situationen
Tiere können Menschen heilen – und umgekehrt. Sibylle Engeler aus Künten hat ein gutes Händchen für Pferde und für Zeitgenossen, die Unterstützung ...
Sibylle Engeler coacht Personen und Pferde in schwierigen Situationen
Tiere können Menschen heilen – und umgekehrt. Sibylle Engeler aus Künten hat ein gutes Händchen für Pferde und für Zeitgenossen, die Unterstützung benötigen.
Roger Wetli
Ein Schicksalsschlag führte dazu, dass sich Sibylle Engeler vertieft mit der Mensch-Tier-Beziehung auseinandersetzte und verschiedene Weiterbildungen absolvierte. «Ich fiel vom Pferd, worauf wir beide traumatisiert waren. Wir fanden einen Weg aus der Sackgasse», erinnert sich die Künterin.
Mit der Realität konfrontieren
Heute hilft Sibylle Engeler Menschen beim Lösen von psychischen Problemen. Dabei nimmt sie Pferde zu Hilfe. «Der Umgang meiner Patienten mit den Tieren zeigt mir, wo ihre Knoten sein könnten. Ich analysiere diese und arbeite mit den Kunden daran, Auswege zu finden.» Engeler hilft aber auch, wenn es eine schwierige Beziehung zwischen einem Pferd und seinem Besitzer gibt. «Zu 80 Prozent liegt das komische Verhalten des Pferdes allein am Menschen. Coache ich Kaderleute, die es gewohnt sind, ihre Unsicherheiten zu überspielen, hält das Pferd ihnen den Spiegel vor und bockt unter Umständen. Mein pferdegestütztes Coaching konfrontiert die Personen dann mit der Realität und unterstützt sie bei der Lösungsfindung.» Sibylle Engeler weiss aber auch dann Auswege, wenn der Konfliktherd allein beim Pferd liegt.
Ihre Aufträge erhält die Künterin oft von psychologischen Diensten. Hier ergänzt ihr Angebot die bereits laufende Behandlung. «Ich mag die Kombination aus Mensch und Tier, und dass ich konstruktiv zu einem besseren Wohlbefinden meiner Klienten beitragen kann.»
Pferd ist Seelenspiegel
Sibylle Engeler hilft Menschen mit Coaching und Tierheilpraktik
Sibylle Engeler aus Künten ist selbstständig erwerbend und unterstützt Menschen dabei, Probleme zu lösen. Dabei arbeitet sie mit Pferden zusammen. Zu ihren Kunden gehören Personen aus allen gesellschaftlichen Schichten und jeden Alters.
Roger Wetli
«Pferde sind sehr feinfühlig. Sie reagieren empfindlich auf Energien und Unsicherheiten ihres Reiters. Man kann sie nicht täuschen», weiss Sibylle Engeler. Die 36-jährige Künterin hat unter anderem Tierkommunikation, Tierpsychologie und pferdegestütztes Coaching studiert. Mit ihrem Unternehmen «Sinia» verbindet sie jetzt alles zu einem grossen Ganzen. Dabei betreut sie mit Pferden Menschen, die sonst nichts mit diesen Tieren am Hut haben, aber auch Pferdebesitzer und deren eigene Tiere. Sie weiss: «Wenn es ein Problem zwischen einem Pferd und seinem Besitzer gibt, liegt das meistens beim jeweiligen Menschen und nicht beim Pferd.» Wenn man im grössten Stress in den Stall komme, könne es durchaus sein, dass das Pferd sich nicht von der Weide einfangen lässt oder selbst gestresst reagiert, wenn man reitet.
Direkte Konfrontation
«Den Pferden ist es auch egal, aus welcher gesellschaftlicher Schicht man kommt. Coache ich Kaderleute, die sich gewohnt sind, selbstsicher aufzutreten, auch wenn sie innerlich vielleicht in den zu vertretenden Materien nicht sattelfest sind, kann es sehr gut sein, dass die Tiere deren Anstrengungen ignorieren. Sie übernehmen dann die Führung», so Engeler. Gerade in Firmen, die Probleme und Spannungen im Team haben, kann ein pferdegestütztes Coaching helfen. «Hier kann ich helfen, indem ich sie mit den Pferden und ihren Problemen laufen lasse und sie selbstständig Lösungen für ihre Diskrepanzen finden können.»
Gebucht wird Sibylle Engeler auch von Firmen, welche durch ein pferdegestütztes Coaching potenzielle Führungskräfte einschätzen lassen wollen. Dies, um zu erfahren, wie diese arbeiten und wo die Stärken der neuen Leute sind.
Vom Pferd gefallen
Die Mutter eines Kindes und zweier Stiefkinder wuchs mit Pferden auf. Den aktuellen beruflichen Weg schlug sie nach einem Schlüsselerlebnis ein, das exakt am 10.10.2010 geschehen ist. «Ich bin damals an einer Veranstaltung vom Pferd hinuntergefallen, am Boden liegen geblieben und anschliessend ins Spital gebracht worden», erinnert sie sich. «Mein Pferd wurde sofort aus der Halle gebracht. Das Letzte, was es von mir sah, war, wie ich verletzt am Boden gelegen bin.» Engeler verbrachte einige Zeit im Spital und besuchte danach wieder regelmässig das Pferd. «Es war ein langer Prozess. Das Pferd war nach dem Unfall gehemmt, weil es wohl dachte, dass es mich verletzt hatte. Es musste erst dieses Trauma verarbeiten.» Also fing die junge Frau an, sich mit dieser Mensch-Tier-Beziehung zu befassen, und absolvierte verschiedene Aus- und Weiterbildungen. «Dieser Unfall hat meine Einstellung gegenüber Pferden und ihren Wahrnehmungen tief geprägt», gibt sie Einblick.
Hilfe zur Selbsthilfe
Ihre Dienste werden oft auch von psychologischen Diensten als Ergänzung zu bereits bestehenden Behandlungen gebucht. «Ich selber habe aber kein Studium in Psychologie.»
Sibylle Engeler sieht ihre Angebote als Hilfe zur Selbsthilfe. Sie baue die Leute innerlich auf und beleuchte dabei das Positive. «Häufig geht es darum, dass die Kunden ein realistisches und gutes Selbstbild aufbauen und sie sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst werden. Damit können wir zusammen mit dem Pferd viele Probleme lösen.» Habe jemand Angst vor Pferden, stelle dies kein Problem dar, da man genug Zeit hat, um sich mit dem Tier auseinanderzusetzen und die Übungen dementsprechend anzupassen. Zu Sibylle Engelers Kunden gehören Personen aller gesellschaftlichen Schichten. «Es sind Führungskräfte, Menschen nach Burn-outs, Suizidhinterbliebene, Depressive und auch Kinder, die Hilfe benötigen», gibt sie Einblick. Je nachdem, um welche Problematik es sich handelt, kann ein Coaching zwischen einmaligem Treffen und mehreren Monaten Betreuung liegen.
Eigene Berufung gefunden
Ihre Tätigkeit passe sehr gut zur Familie, da sie zeitlich sehr flexibel sei, erklärt sie. «Leute ohne Pferd kommen direkt zu mir. Pferdebesitzer besuche ich bei ihrem Tier.» Sie habe in ihrem Job ihre Berufung gefunden, strahlt sie. «Ich mache es mit Leib und Seele. Es ist toll, dass ich mich mit meinen Kunden befassen darf und ihnen in schwierigen Lebenssituationen helfen kann.»



