Markt mit Maskenpflicht
15.10.2021 BremgartenBremgarten: Markt der Vielfalt muss sein Schutzkonzept anpassen
Am 23. und 24. Oktober findet nach einem Jahr Pause wieder ein «richtiger» Markt der Vielfalt statt. Die Veranstalter haben jedoch mit kurzfristigen Corona-Aulagen zu kämpfen. ...
Bremgarten: Markt der Vielfalt muss sein Schutzkonzept anpassen
Am 23. und 24. Oktober findet nach einem Jahr Pause wieder ein «richtiger» Markt der Vielfalt statt. Die Veranstalter haben jedoch mit kurzfristigen Corona-Aulagen zu kämpfen.
Nächste Woche ist es wieder so weit. Das vierte Wochenende des Monats Oktober steht an. Für Bremgarten bedeutet dies jeweils eine Zeitreise in die Vergangenheit und die Verwandlung der Altstadt in den vielfältigsten Markt der Schweiz. Und nach einem coronabedingt abgespeckten Herbstmarkt im vergangenen Jahr entfaltet er heuer wieder seine ganze Palette. Neben dem Neuwarenmarkt finden auch der Mittelaltermarkt, der Antikwarenmarkt, und das historische Handwerk wieder statt. Spezialthema dieses Jahr ist «Druck und Schrift».
«Wir freuen uns sehr auf die diesjährige Ausgabe», sagt Marktchef Walter Friedli und strahlt. Allerdings musste er am Mittwoch eine Hiobsbotschaft entgegennehmen. Anders als erwartet stuft der Kanton den Markt der Vielfalt nämlich aufgrund seiner Grösse als Veranstaltung ein. Das bedeutet: auf dem gesamten Marktgelände wird eine strikte Maskenpflicht herrschen.
Vorfreude trotzdem gross
«Das kam für uns überraschend», sagt Friedli. «Und hat uns kurzfristig vor eine neue Herausforderung gestellt.» In nur zehn Tagen müssen die Veranstalter das Sicherheitskonzept überarbeiten. Am Markteingang werden zusätzliche Security-Mitarbeiter kontrollieren, ob die Besucher eine Maske tragen. Als Lenkungsmassnahme wird zudem ein Einbahnsystem eingeführt. Pfeile weisen den Besuchern den Weg und sollen dafür sorgen, dass diese sich optimal verteilen.
Zugute kommt den Veranstaltern, dass man mit diesen Massnahmen schon beim alternativen Herbstmarkt und beim Pfingstmarkt im Frühling Erfahrung sammeln konnte. «Das hilft uns enorm», sagt Friedli. Dennoch werde es nicht einfach. Einerseits aufgrund der Dimensionen des Marktes und andererseits aufgrund des vielfältigen Angebots. «Es wird schwer zu verhindern sein, dass sich Menschentrauben bilden, wo gerade etwas Spannendes los ist – etwa eine Musikveranstaltung», sagt der Marktchef. Doch man tue, was man könne, und habe für die Kontrolle innerhalb des Marktgeländes zusätzliches Personal im Einsatz.
Die Freude trüben lassen wollen sich die Veranstalter keinesfalls. Rund 230 Marktfahrer haben sich angemeldet. 50 Handwerker üben historische, längst vergessen geglaubte Arbeiten aus und ermöglichen den Gästen eine regelrechte Zeitreise. Hinzu kommen ein vielfältiges kulinarisches Angebot und viele weitere Attraktionen.
«Wir sind wirklich stolz, dass wir das dieses Jahr hingekriegt haben», sagt Karin Schaufelbühl vom OK des historischen Handwerkermarktes. Und ihre Kollegin Susanna Vanek, die dieses ergänzt. «Es ist alles angerichtet. Das wird wieder beste Werbung für Bremgarten.» --huy
Wie der BBA vor 100 Jahren
Markt der Vielfalt am 23./24. Oktober: Eine eigene Marktzeitung ist dieses Jahr eine der vielen unterschiedlichen Attraktionen
Nomen est omen. Die Vielfalt am gleichnamigen Markt sucht auch dieses Jahr wieder ihresgleichen. Als Spezialthema wurde heuer «Druck und Schrift» ausgewählt. Im Zeughaussaal wird mithilfe eines historischen Schriftsatzes des «BBA» eine eigene Marktzeitung produziert.
«Es ist schon nicht ganz einfach», lacht Karin Schaufelbühl. Das Gründungsmitglied des Historischen Handwerkermarkts gehört zum OK, das sich jedes Jahr ein neues, spezielles, historisches Sonderthema überlegt. Für die nunmehr 20. Auflage eine Herausforderung. Für «Druck und Schrift» hat man sich dieses Jahr entschieden.
Mehrmals am Tag neu drucken
Im Zeughaussaal produziert Schriftsetzerin Gianna Schneeberger gemeinsam mit OK-Mitglied und Journalistin Susanna Vanek eine Marktzeitung. Dabei kommt ein Druckverfahren mit beweglichen Lettern zum Einsatz, wie es bis in die 80er-Jahre üblich war und 500 Jahre lang auf der ganzen westlichen Welt so angewandt wurde. Die Setzmaschine für die Marktzeitung stammt aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Mit ihr wurde einst der ««Bremgarter Bezirks-Anzeiger»» hergestellt. Die zweiseitige Zeitung des Markts der Vielfalt soll mehrmals am Tag überarbeitet werden und ihren Inhalt den aktuellen Marktgeschehnissen anpassen. Für den Verkauf konnten Schulkinder gewonnen werden, die das Blatt ganz gemäss der Tradition der Zeitungsjungen marktschreierisch in ganz Bremgarten feilbieten. Damit die Zeitung immer aktuell und originell bleibt, ist Vanek auch auf die Inputs der Besucher angewiesen, die damit den Inhalt der Zeitung aktiv mitgestalten können. «Wir hoffen, dass sich die Leute vom 3G-Konzept nicht abschrecken lassen», sagt Vanek. Dieses wird im Zeughaus zur Anwendung kommen, wie an allen anderen geschlossenen Marktorten wie zum Beispiel auch im Casino, wo der Brocante (Altwarenmarkt) stattfindet.
Keine Oldtimer
Auch abgesehen von Maskenpflicht und 3G in geschlossenen Räumen ist heuer am Markt der Vielfalt noch nicht alles wie in Prä-Corona-Zeiten.
So werden dieses Jahr auf dem Postplatz keine Oldtimer stehen, die Rundfahrten vom Obertor aus anbieten. «Die Auflagen waren den Anbietern zu umständlich», berichtet Marktchef Walter Friedli. So hätten die Fahrer nicht nur eine Zertifikatskontrolle bei ihren Gästen durchführen, sondern ihre Oldtimer auch noch nach jeder Fahrt umständlich reinigen und desinfizieren müssen. Auch das beliebte Pilzessen im Reussbrückesaal wird es dieses Jahr nicht geben. Dafür ist der Damenturnverein mit einem Take-away-Risotto in der Schellenhaus-Trotte eingesprungen.
Überhaupt geben sich alle Beteiligten grosse Mühe,, den Markt der Vielfalt allen Widrigkeiten zum Trotz zu einem denkwürdigen Wochenende werden zu lassen. «Unser Motto ist, dass wir das,, was möglich ist,, auch möglich machen wollen», sagt Schaufelbühl. Es sei auch in pandemiefreien Jahren immer wieder ein Kraftakt, genügend historische Handwerker zu finden, die ihr Können aus reinem Idealismus in der Bremgarter Altstadt zeigen. Umso stolzer ist sie darauf, dass es den Organisatoren gelungen ist, dass auch dieses Jahr Müller, Schmiede, Flechter, Gerber, Kerzenmacher, Brauer, Buchbinder und viele mehr die perfekte Kulisse der oberen Gassen der Altstadt in eine Welt aus vergangenen Zeiten verwandeln. «Hier kann man sich treiben lassen,, Berufe hautnah erleben und partizipieren, die eigentlich ausgestorben sind», sagt Schaufelbühl. Ein derartiges nicht kommerzielles Schauspiel sei wohl einzigartig.
Eine Dernière
Der Markt der Vielfalt wird auch eine willkommene Gelegenheit für zahlreiche Marktfahrer, die in den letzten beiden Jahren sehr gelitten haben und kaum Einkommen hatten. «Sie sind deshalb eine aussterbende Spezies», berichtet Marktchef Friedli. Viele hätten sich umorientieren müssen, da sie aufgrund der vielen coronabedingt abgesagten Märkte schlicht kein Einkommen mehr hatten und vom Bund in dieser Zeit nicht oder nur unzureichend finanziell unterstützt wurden. Rund 230 von ihnen verteilen sich dennoch auch dieses Jahr wieder auf dem Gelände des Altstadt-Neuwarenmarktes. Walter Friedli wird sie in den kommenden Tagen nochmals allesamt anschreiben und sie detailliert über die unerfreuliche Überraschung der verhängten Maskenppicht und deren Auswirkungen informieren. Derlei macht er heuer wohl zum letzten Mal. Nach 35 Jahren sieht er, der eigentlich längst in Pension ist, den Zeitpunkt für die Stabübergabe gekommen. Gespräche für eine Nachfolgelösung laufen.
«Umso wichtiger, dass wir dieses Jahr nochmals diesen einzigartigen bunten Mix des Marktes der Vielfalt hinkriegen, der sich gegenseitig bereichert und ergänzt», sagt Vanek. Am Engagement wird es ganz bestimmt nicht scheitern. --huy




