Stolz auf das gelungene Werk
03.08.2021 MutschellenAussichtsturm auf dem Hasenberg steht nun allen offen
«Grandios» sei der Aussichtsturm, sagte Regierungsrat Alex Hürzeler. Der Ehrengast beim Einweihungsfest hielt auch gleich die Ansprache zum Bundesfeiertag.
Erika ...
Aussichtsturm auf dem Hasenberg steht nun allen offen
«Grandios» sei der Aussichtsturm, sagte Regierungsrat Alex Hürzeler. Der Ehrengast beim Einweihungsfest hielt auch gleich die Ansprache zum Bundesfeiertag.
Erika Obrist
Das Naherholungsgebiet Hasenberg hat einen neuen Anziehungspunkt: den rund 40 Meter hohen Aussichtsturm auf dem Areal der Stiftung Haus Morgenstern, gleich neben dem Wanderweg zum Egelsee. Am letzten Samstag wurde der imposante Turm aus Holz eingeweiht. Zahlreiche Erwachsene und Kinder erklommen die 211Stufen bis zur obersten Plattform auf nicht ganz 36Metern und genossen dort die Sicht auf weidende Kühe, auf sattgrüne Landschaften und auf die grösste Stadt der Schweiz. Nur der Voralpen- und der Alpenkamm hielten sich hinter dicken Wolken versteckt.
«Wir sind stolz auf das gelungene Werk», strahlte Philipp Stutz von der Ortsbürgerkommission. Die Ortsbürgergemeinde hat den Bau des Turms grösstenteils finanziert. Den Rest steuerten Sponsorinnen und Gönner, die umliegenden Gemeinden, Firmen und der Kanton mit einem Beitrag aus dem Swisslosfonds bei.
Regierungsrat Alex Hürzeler war es vorbehalten, das rote Band durchzuschneiden und so den Aussichtsturm der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. «Der Turm ist grandios gelungen – und das erst noch in kurzer Zeit.» Der Bau sei stabil und trotzdem mit fragilen Elementen ausgestattet. Ganz wie die Schweiz mit ihrer direkten Demokratie und dem Föderalismus. Und wie viele zur Realisierung des Aussichtsturms beigetragen haben, sei es ebenso wichtig, dass möglichst viele Einwohnerinnen und Einwohner zu einem gelungenen Zusammenleben in diesem Land ihren Beitrag leisten.
Alles andere als alltäglich
Einweihung des Hasenbergturms mit integrierter Bundesfeier
Mit einem dreitägigen Fest wurde das neue Wahrzeichen auf dem Hasenberg eingeweiht. Regierungsrat Alex Hürzeler ging in seiner Bundesfeieransprache auf zwei Besonderheiten der Schweiz ein: die direkte Demokratie und den Föderalismus.
Erika Obrist
Dass der Aussichtsturm auf dem Hasenberg zu einem Magnet für Klein und Gross aus der Region werden kann, zeigte sich beim Einweihungsfest. Zwar litten der Freitagabend und der Sonntag unter dem nasskalten Wetter. Doch den 40 Meter hohen Turm fotografieren und die 211 Stufen hochsteigen zur obersten Plattform wollten am vergangenen Wochenende sehr viele Leute. Oben wurden ie – jedenfalls am Samstag – belohnt mit einem Blick über grüne Landschaften, Wälder, aufs dicht besiedelte Limmattal und auf die kleinen Dörfer am Lindenberg. Schneebedeckte Berggipfel waren leider nur auf den drei grossen Panoramatafeln unter dem Turmdach in luftiger Höhe zu sehen.
Auch Regierungsrat Alex Hürzeler schaffte es bis ganz hinauf, obwohl er nach dem Durchschneiden des roten Bandes gesagt hatte, er habe es nicht so mit der Höhe. «Ich werde wohl nur die ersten zehn Treppen erklimmen, schliesslich müssen Regierungsräte ja mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen», scherzte er. War es die Neugier, die ihn nach oben trieb? Die Unterstützung von Gemeindeammann Peter Spring, der mit Hürzeler aufstieg? Oder doch die grosse Menge, die ebenfalls nach oben wollte? Oben angekommen, war bei Hürzeler nichts mehr von Höhenangst zu spüren. Er genoss den Ausblick über den Ostaargau, das Limmattal und die Innerschweiz sichtlich und ausgiebig.
Ein Edelkastanienbäumchen als Geschenk
Vor der offiziellen Übergabe des Aussichtsturms an die Bevölkerung spielte die Musikgesellschaft Eggenwil auf. Sie unterhielt die Anwesenden bestens. Pastoralseelsorgerin Jessica Zemp vom Pastoralraum am Mutschellen und Pfarrer Sebastian Rückel von der reformierten Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen segneten alle, die am Bau des Turms beteiligt waren, sowie die Menschen, die ihn besteigen werden.
Projektleiter Raphael Greder von Makiol Wiederkehr AG, Holzbauingenieure, Beinwil am See, blickte kurz auf die Entstehung des Turms von der Idee bis zur Umsetzung zurück. «Es ist kein alltägliches Werk», sagte er. Vier Türme habe die Firma Makiol Wiederkehr schon realisieren dürfen; natürlich sei derjenige auf dem Hasenberg der schönste. Daher hatte Greder auch kein alltägliches Geschenk mitgebracht: ein junges Edelkastanienbäumchen.
Wertvolles Gut pflegen
Bevor Regierungsrat Alex Hürzeler das rote Band durchschnitt und den Turm bestieg, wandte er sich als Festredner der Bundesfeier an die vielen Anwesenden. Vor neun Jahren sei er bei der Einweihung der Sportanlage Burkertsmatt schon einmal in Widen gewesen, blickte er zurück. Das Wiedersehen freue ihn. Dieser Tag werde den Leuten aus der Region sicher lange in guter Erinnerung bleiben, schliesslich werde nicht jeden Tag ein Aussichtsturm eingeweiht. Auch sei es schön, dass man endlich wieder zusammen feiern dürfe, fuhr er fort und mahnte gleichzeitig, nicht fahrlässig zu werden und achtsam zu bleiben.
Hürzeler verglich den Aussichtsturm mit dem politischen System in der Schweiz. «Der Turm ist stabil, aber er hat auch fragile Elemente.» Die grossen Stärken des Landes seien die direkte Demokratie und der Föderalismus, auch bekannt als «Kantönligeist». «Die direkte Demokratie ist ein wertvolles Gut, das es zu pflegen gilt.» Diese müsse tagtäglich gelebt werden. Richtig lebendig bleibe dieses Gut, wenn sich möglichst viele daran beteiligen.
Ein wertvolles Gut sei auch der Föderalismus. Er besagt, dass der Bund nur Aufgaben übernimmt, welche die Kantone nicht selber erledigen können. Und der Kanton übernimmt nur Aufgaben, welche die Gemeinden nicht selber lösen können. «Daher haben die Gemeinden mehr Kompetenzen und Gestaltungsraum, als sie oftmals selber glauben.» Sie könnten beispielsweise die Lebensqualität fördern – auch indem sie einen Aussichtsturm bauen. Hier zeige sich eindrücklich, was Gemeinschaft ausmache, haben doch die öffentliche Hand und Private mit ihren Spenden den Bau des Turms möglich gemacht.
Ein Gewinn für alle
Planung und Bau des Aussichtsturms hat vor allem die Ortsbürgergemeinde Widen finanziert. «Wir haben das Vorhaben kontrovers diskutiert», blickte Philippe Stutz von der Ortsbürgerkommission zurück. Man habe Bedenken gehabt wegen eines möglichen grossen Besucheransturms und seinen Folgen wie Abfall überall. «Wir waren aber immer für die Realisierung der Idee», so Stutz. «Und nun sind wir stolz auf das Werk, das der Bevölkerung zur Verfügung steht.»
Eine Lösung für das Abfallproblem wurde auch gefunden. Die Stiftung Haus Morgenstern, auf deren Land der Turm steht, wird für Ordnung und Sauberkeit sorgen. «Wir stellen den Turmwart», sagte Gesamtleiter Hansruedi Luginbühl. Für die Betreuten ergebe sich so eine neue Beschäftigungsmöglichkeit und die Cafeteria, die nach dem Umbau am 1. September wiedereröffnet wird, werde sicher einen höheren Umsatz erzielen können. «Wir werden profitieren vom neuen Ausflugsziel», ist sich Luginbühl sicher.
«Es war ein weiter Weg von der Idee bis zur Einweihung», blickte Gemeindeammann Peter Spring zurück. Er ist zugleich Präsident des Trägervereins Hasenbergturm. «Und das Resultat ist besser, als ich erwartet habe.» Der Turm passe sehr gut in die Umgebung, dass das verbaute Holz aus den Wäldern des Forstbetriebs Mutschellen stamme, sei höchst erfreulich.
Tafel mit Wandervorschlägen
Spring ist sich sicher, dass der Turm zu einem Anziehungspunkt für Ausflügler werden wird. Auch für solche, die nicht aus der Region stammen. Deshalb werden in Bellikon, Bergdietikon und beim Turm selber noch Tafeln mit drei Wandervorschlägen aufgestellt. Zu finden darauf sind eine kurze, eine mittlere und eine lange Strecke. Immer dabei selbstverständlich der Egelsee, der zweite Anziehungspunkt im Naherholungsgebiet Hasenberg.
Genauso erfreut wie über den Aussichtsturm zeigte sich Peter Spring über die Organisation des dreitägigen Festes. Die Gugge Gyre-Sümpfer hatte alles bestens vorbereitet und ihre Mitglieder umsorgten die Besucherinnen und Besucher mit Speis und Trank und liessen für sie diverse Musikformationen aufspielen.



