Ein Mann für alle Fälle
17.08.2021 Region BremgartenMichael Schnurrenberger betreut in der Migros-Filiale Bremgarten die drei Lernenden. Es gibt kaum eine Frage, auf die der Berufsbildner und Prüfungsexperte mit 30 Jahren Migros-Erfahrung keine Antwort weiss.
Einen Berufsbildner wie ihn zu haben, ist das Beste, was Lernenden passieren ...
Michael Schnurrenberger betreut in der Migros-Filiale Bremgarten die drei Lernenden. Es gibt kaum eine Frage, auf die der Berufsbildner und Prüfungsexperte mit 30 Jahren Migros-Erfahrung keine Antwort weiss.
Einen Berufsbildner wie ihn zu haben, ist das Beste, was Lernenden passieren kann. Denn Michael Schnurrenberger ist zugleich auch noch Prüfungsexperte. Wenn er mit seinen drei Lernenden in Bremgarten an den Sortimentskenntnissen feilt oder ihnen etwas zeigt, dann weiss er genau, worauf es ankommt. «Unsere Lernenden sind jeweils bestens auf die Abschlussprüfung vorbereitet», erzählt der 52-Jährige lachend. Manchmal geht er mit ihnen durch den Laden und stellt gezielte Fragen zu Produkten. «So bleibt das Gelernte aus der Schule eher haften.»
Doch Michael Schnurrenberger will seinen Lernenden nicht nur Wissen mitgeben. Er hat stets ein offenes Ohr und fragt bei den jungen Menschen nach, wie es ihnen geht. «Die Lernenden sollen wissen, dass jemand für sie da ist.»
Vom Metzgerssohn zum Metzger
Das Verkaufen liegt Michael Schnurrenberger im Blut. Seine Eltern führten im Zürcher Oberland eine Metzgerei. Schon als Bub wuselte er im Laden herum. So lag eine Metzgerlehre beim Junior nahe. Doch er merkte früh: Das Leben hinter der Fleischtheke gefiel ihm viel besser als die Fleischverarbeitung selbst. «Ich bin eher der Verkäufer als ein Vollblutmetzger. Denn ich liebe den Kundenkontakt, ich brauche es, dass etwas retour kommt.»
Eine enge Kundenbindung – das lebt er auch in der Migros Bremgarten und seinen Lernenden vor. Seit 10 Jahren arbeitet er dort hinter der Fleischtheke im Supermarkt. Kommen Bestellungen rein, versucht er, sich Namen der Kundinnen und Kunden zu merken. «So kann ich die Leute mit Namen begrüssen, das gibt eine ganz andere Beziehung zu ihnen.» Er freut sich, wenn ihn die Kundschaft auch direkt anspricht. «Sie, Herr Schnurrenberger, was ist das?» Oder: «Herr Schnurrenberger, das waren ganz feine Plätzli, danke für den Tipp.»
Seit 30 Jahren bei der Migros
Diesen Sommer feiert Michael Schnurrenberger sein 30-Jahr-Jubiläum bei der Migros. Dabei ist er alles andere als ein Migros-Kind. «In unserem Kaff gab es nur einen Volg, eine Migros habe ich höchstens mal von Weitem gesehen», erzählt er. Doch nach der Metzgerlehre landete er zufällig in einem kleinen Migros-Laden in der Stadt Zürich und übernahm gleich die Stellvertretung eines Fachleiters. Er legte die höhere Fachprüfung Detailhandel ab und führte später selbst einige Jahre Filialen. Die Arbeitstage waren indes lang und stressig und beim Pendeln von seinem Wohnort Zufikon nach Zürich verlor er täglich zwei Stunden.
Als in der Migros im Nachbarort Bremgarten AG eine Stelle ausgeschrieben war, kehrte Michael Schnurrenberger in die Fleischabteilung zurück. «Nun fühle ich mich angekommen.» Die Zeit reicht, um über Mittag nach Hause zu gehen und mit seiner Frau zu essen. Auch den Sohn sieht er nun häufiger. «Familienzeit ist mir sehr wichtig.» In der Freizeit kümmert er sich gerne um Haus und Garten, kocht, tanzt Standardtänze mit seiner Frau Brigitte und treibt Sport beim TSV Berikon.
Kollegial, aber streng
Bei der Migros ist Michael Schnurrenberger einer von 240 Berufsbildenden. Verkaufsgespräche üben, Sortimentswissen erweitern, Schulstoff erklären – die Aufgaben sind vielseitig. Er beschreibt sich als kollegial. «Meine Lernenden würden wohl sagen, ich sei streng in Sortimentsfragen.» Kein Wunder, als Berufsbildner möchte er ihnen das Rüstzeug für den Detailhandel mitgeben, und als Prüfungsexperte freut er sich, wenn seine Schützlinge beim Abschluss brillieren.
Text: Pia Schüpbach
Fotos: Anne-Camille Vaucher



