«Lohnt sich finanziell nicht»
07.05.2021 BremgartenRestaurants in Bremgarten: Terrassenbetrieb wie eine Fahrt auf Sicht
Seit Mitte April sind die Coronaschutzmassnahmen etwas gelockert und die Gastronomie kann auf Terrassen wieder Gäste empfangen. Das unbeständige Wetter sorgt jedoch für grosse ...
Restaurants in Bremgarten: Terrassenbetrieb wie eine Fahrt auf Sicht
Seit Mitte April sind die Coronaschutzmassnahmen etwas gelockert und die Gastronomie kann auf Terrassen wieder Gäste empfangen. Das unbeständige Wetter sorgt jedoch für grosse Planungsunsicherheit.
André Widmer
Die letzten Tage mit kühlen Temperaturen und teilweise auch Regen haben es ganz klar gezeigt: Diejenigen Restaurants, die den aufgrund der Coronaschutzmassnahmen möglichen Öffnungsschritt mit einem Terrassenbetrieb gewagt haben, fahren quasi auf Sicht. Mehr, als auf die Wetterprognosen zu vertrauen, bleibt ihnen nicht. Auch wenn dieses Wochenende die Temperaturen steigen sollten, es trocken bleibt und die Gäste kommen, dürfte die bisherige Zwischenbilanz sehr durchzogen bleiben.
«Eine schwierige Zeit»
Eine Umfrage dieser Zeitung bei vier Restaurantbetreibern in Bremgarten zeigt: Die daraus resultierende Planungsunsicherheit sowohl bezüglich Materialbestellungen als auch dem Personaleinsatz ist eines der grossen Hauptprobleme beim Terrassenbetrieb. Und die Einnahmen der Innenplätze fehlen natürlich. «Es ist eine schwierige Zeit. man kann nichts vorhersagen», sagt deshalb Cecile Nauer vom Restaurant Bijou.
Wirt Thomas Schaufelbühl vom «Stadtkeller» wird ganz konkret: «Es lohnt sich finanziell nicht. Es ist eher etwas ‹fürs Gmüet›.» Der «Stadtkeller» kann im Terrassenbetrieb 26 Sitzplätze anbieten. Schaufelbühl hat sich aufgrund der fehlenden Rendite aber auch überlegt, vorerst gar nicht zu öffnen, doch das Bedürfnis der Gäste sei da gewesen. Ähnlich äussert sich auch Nexhat Asllani, Chef des «Ristorante Luna Rossa» an der Sternengasse. «Der Aufwand bringt nicht viel – wegen des Wetters. Es ist noch zu früh», erklärt Nexhat Asllani. Er und seine Mitarbeiter hätten aber den Drang verspürt, endlich wieder arbeiten zu können. Ihre Wiedereröffnung – mit Terrassenbetrieb – auf Ende Mai geplant haben Piyawat
Prommee und Peter Eichenberger vom «Lemon Chili» ennet der Reuss. «Wir wollen loslegen. Jetzt sind wir auf der langen Bank», sagt Eichenberger.
Für die Moral, nicht für die Kasse
Terrassenbetrieb: Bremgarter Gastrobetriebe in der Coronapandemie
Die Restaurants dürfen seit 19. April Gäste auf den Terrassen bewirten. Eine erste Zwischenbilanz nach der monatelangen Coronapause fällt im Städtli weniger als verhalten aus.
André Widmer
Gerade hat Piyawat Prommee die sehr grossen Sonnenschirme aus den Verpackungskartons gepackt. Zusammen mit Peter Eichenberger führt er das «Lemon-Chili» an der Luzernerstrasse. Noch hat das Spezialitätenrestaurant mit thailändischer Küche nicht geöffnet, auch wenn der Terrassenbetrieb seit drei Wochen theoretisch schon möglich ist. Doch die Vorbereitungen für den Wiederbeginn sind angelaufen. Das «Lemon-Chili» will Ende Mai öffnen.
Denn dieser Tage ist es noch zu früh für das «Lemon-Chili». Derzeit ist das Wetter noch zu unbeständig und kühl. «Die Rechnung geht nicht auf. Es lohnt sich finanziell wegen der Planungsunsicherheit nicht. Wir hätte mehr Schliess- als Öffnungstage», sagt Peter Eichenberger. Einen Betrieb im Jojoeffekt können sich Prommee und Eichenberger ganz einfach nicht leisten. Alleine die frischen asiatischen Zutaten müssen jeweils etwa eine Woche vor der Zubereitung geordert werden. Da entstünde viel zu viel Food-Waste. «Es ist ein finanzieller Aspekt, wann wir rauffahren», so Eichenberger, «wir sind nicht auf Rosen gebettet.» Das hat seinen Grund: Sie sind erst im August 2020 mit dem «Lemon-Chili» gestartet, tätigten Anfangsinvestitionen. Und aufgrund der Coronapandemie und der damit verbundenden Regelungen hatten sie 18 Wochen geöffnet, aber mussten 20 geschlossen sein. «Wir wurden gestoppt, fremdbestimmt gestoppt. Aber ändern kann ich die Situation ja nicht», sagt Peter Eichenberger.
«Wir wollen loslegen»
Piyawat Prommee und Peter Eichenberger werden vermutlich mit einer reduzierten Karte den Neustart bestreiten, um das finanzielle Risiko etwas zu mindern. Dennoch wollen sie wieder Gäste verwöhnen können. «Wir möchten den Leuten die Möglichkeit geben, zu uns zu kommen», sagt Eichenberger. Und: «Wir wollen loslegen. Jetzt sind wir auf der langen Bank.» Von den 38 Aussenplätzen werden sie wohl 30 anbieten können, am Mittag und am Abend. Ob der Aufwand es wert ist, dürfte sich bald zeigen.
Auf gutes Wetter hoffen
«Es ist eine schwierige Zeit. man kann nichts vorhersagen», sagt Cecile Nauer vom Restaurant Bijou. Es ist noch früh und kühl am Vormittag und wie dieser Tag betriebsmässig wird, ist noch unklar. Für das «Bijou» war die Zeit seit der Terrassenöffnung durchzogen. Besonders das erste Wochenende mit Sonne pur lockte viele Menschen her und man konnte auch unter der Woche sowohl die obere als auch die untere Terrasse betreiben. Insgesamt rund 110 Aussenplätze kann das «Bijou» anbieten. Doch der letzte Sonntag war ein Reinfall. Dank der Erstkommunion wären viele Familien zu Gast gewesen, aber das Wetter liess dies auf der Terrasse nicht zu. Die Reservationen wurden abgesagt.
«Immer auf schönes Wetter zu hoffen, ist schwierig», so Cecile Nauer. Ganz allgemein seien die Gäste noch verhalten, doch man spürt auch das Bedürfnis der Menschen, Restaurants zu besuchen. Was auffalle, so Nauer, sind die vielen Familien und Velofahrer, die vorbeikämen. Ganz weg fallen aber beispie lsweise Gruppen, die mit dem Car nach Bremgarten reisen und sonst im «Bijou» einkehren würden. Die Terrassen waren und sind für das Restaurant Bijou auch in coronafreien Zeiten wichtig und so hofft man nun auf die kommenden wärmeren Jahreszeiten mit Wandergruppen. Und den anstehenden Muttertag.
Auch Cecile Nauer weist auf die Planungsunsicherheiten bezüglich Einkauf und Personal hin, die dieser wetterabhängige Terrassenbetrieb mit sich bringt. Finanziell eine schwierige Zeit. «Wir müssen gut schauen, dass wir durchkommen. Wir sind noch da, wir kämpfen.» Wie gross ist die Hoffnung, dass die Restaurants am 26. Mai ganz öffnen dürfen? «Wir nehmen es, wie es kommt. Je früher, je besser», so Cecile Nauer.
Bürokratischer Aufwand grösser
Derzeit jeweils von Freitag bis Sonntag hat der «Stadtkeller» seine Terrasse geöffnet. «Die Gäste haben es genossen und ich auch», schildert Wirt Thomas Schaufelbühl die ersten Erfahrungen mit dieser teilweisen Öffnung. Doch er fügt auch an: «Es lohnt sich finanziell nicht. Es ist eher etwas ‹fürs Gmüet›».
Der «Stadtkeller» kann im Terrassenbetrieb 26 Sitzplätze anbieten. Schaufelbühl hat sich aufgrund der fehlenden Rendite aber auch überlegt, vorerst gar nicht zu öffnen, doch das Bedürfnis der Gäste sei da gewesen. Dass er derzeit nicht mehr Tage geöffnet hat, steht auch damit im Zusammenhang, dass auch sonst der Donnerstag ein eher umsatzschwacher Tag gewesen ist. Belastend auch, dass die Kurzarbeitsgelder lange auf sich warten lassen. Gegenüber dem ersten Lockdown, als die Hilfe schnell kam, habe der bürokratische Aufwand im Winter zugenommen. «Es ist zermürbend. Ich muss die Löhne vom April zahlen, das Wasser steht bis zum Hals.»
Einen Take-away-Betrieb schloss Thomas Schaufelbühl nicht zuletzt aufgrund des hohen Qualitätsanspruchs und der Verwendung von sehr frischen Zutaten schon im ersten Lockdown aus. Daran hat sich nichts geändert. So stellt sich natürlich auch für ihn die Problematik beim Bestellen der Lebensmittel und dass sich die Menge aufgrund des Wetters sowie der schwerlich zum Voraus zu bestimmenden Gästezahl schwierig kalkulieren lässt. Nun schaut er aber immerhin positiv gestimmt in Richtung Pfingstmarkt. «Das könnte ein gutes Geschäft werden.»
Angebot aufrechterhalten
«Der Aufwand bringt nicht viel – wegen des Wetters. Es ist noch zu früh», erklärt Nexhat Asllani, Chef des «Ristorante Luna Rossa» an der Sternengasse. Er und seine Mitarbeiter hätten aber den Drang verspürt, endlich wieder arbeiten zu können. «Sie wollten beschäftigt sein nach vier, fünf Monaten ohne Arbeit», so Asllani. Der Chef hat den Take-away-Betrieb gleich selber geführt, Pizza angeboten.
Wie für seine Gastrokollegen im Städtli ist für Nexhat Asllani und das «Luna Rossa» im jetzigen Terrassenbetrieb die Planungsunsicherheit natürlich auch ein Problem. Habe man Gäste, gelte es, das Angebot vorrätig zu haben. Das «Luna Rossa» kann an der Sternengasse und der rückseitigen Terrasse rund 40 Sitzplätze anbieten.
Auch für das «Luna Rossa» und Nexhat Asllani wäre es gut, endlich wieder ganz öffnen zu können. «Genug vom Offen oder Zu. Die Nerven kommen langsam an ein Ende.»





