Scharfe Sache
23.04.2021 BremgartenIn Hermetschwil-Staffeln wird Chili angebaut
Die drei Macher der Chili Star GmbH züchten und verarbeiten das scharfe Gewächs. Nun ist man auf Expansionskurs.
Die Chili Star GmbH von Robert Keusch, Lorenz Burri und Marius Keusch wurde erst 2019 ...
In Hermetschwil-Staffeln wird Chili angebaut
Die drei Macher der Chili Star GmbH züchten und verarbeiten das scharfe Gewächs. Nun ist man auf Expansionskurs.
Die Chili Star GmbH von Robert Keusch, Lorenz Burri und Marius Keusch wurde erst 2019 gegründet. Einst mit 500 Gläsern gestartet, will man in der neuen Saison schon 13 000 abfüllen. Angebaut werden die Chilipflanzen in Gewächshäusern in Hermetschwil-Staffeln, die Setzlinge wurden zuvor in Widen und Hermetschwil-Staffeln angezüchtet. --aw
Drei Männer und eine Schote
Die Start-up-Firma Chili Star GmbH setzt bereits Expansionspläne um
Robert Keusch, Lorenz Burri und Marius Keusch züchten im Freiamt Chili und verarbeiten diesen selber für ihre breite Produktpalette. Die neue Firma setzt nicht einmal zwei Jahre nach ihrer Gründung schon zum Ausbau an.
André Widmer
Noch einige Tage und dann ist es so weit. Vermutlich Anfang Mai wird die Chili Star GmbH die Setzlinge in den beiden Treibhäusern in Hermetschwil-Staffeln ansetzen können. Derzeit gedeihen die fast 1300 Chili-Pflänzchen in Widen und Hermetschwil-Staffeln wohlbehütet in Innenräumen in Wohnhäusern (!), sie wurden aus Samen herangezüchtet. Vom Samen bis ins Glas eingelegt, alles selber gemacht , ressourcenschonend – die Philosophie, aber offenbar auch das Erfolgsrezept der Freiämter Macher.
Noch eine nebenberufliche Tätigkeit
Chili gehört zur Pflanzengattung der Paprika und ist allgemein als die rote, längliche Schote mit einem im Vergleich zur grossen Peperoni je nach Sorte ziemlich scharfen Geschmack bekannt.
Robert Keusch machte mit der Verarbeitung von Chili vor acht Jahren erstmals Bekanntschaft, als ihm ein italienischstämmiger Bekannter ein Rezept für Peperoncini zum Einlegen zum Eigenbedarf gab. Zudem startete Keusch mit dem damals noch kleinf lächigeren Anbau. Keusch suchte zudem mildere Sorten, deren Verzehr er auch körperlich besser vertrug.
Die selbst gezüchteten und selbst eingelegten Chili kamen bei Freunden jedenfalls gut an – und die Erfolgsstory konnte beginnen. 2019 gründeten Robert Keusch, Lorenz Burri und Marius Keusch schliesslich die Chili Star GmbH. Sie begannen professionell mit Testplantage und Marktsondierungen – damals und auch heute allerdings noch nebenberuflich. Die handwerkliche, technische und kaufmännische Berufsausrichtung der drei Männer ergänzt sich dabei vorzüglich.
Zwei Gewächshäuser
Wie bereits erwähnt werden die Pflanzen in Widen und Hermetschwil vom Samen bis zur Setzlingsgrösse in Innenräumen unter Einfluss von künstlichem Licht (LED) und natürlichem Licht schon ab Januar herangezüchtet. «Um unabhängiger zu sein und auf Kundenwünsche einzugehen», verrät Marius Keusch. Die Setzlinge gedeihen in kleinen Boxen bis ins sogenannte Drittblattstadium. Dann kann man sie in Töpfe umsetzen, bis sie bei einer Grösse von 30 bis 40 Zentimetern Höhe ins Gewächshaus umgepflanzt werden. Dies sollte erst geschehen, wenn die Frostnächte vorbei sind, auch wenn sie im Gewächshaus etwas besser geschützt sind. In einem späteren Wachstumsstadium werden Himbeerstaudennetze den Pflanzen die nötige Stabilität verleihen.
Biologischer Anbau
Kürzlich haben die drei Chili-Unternehmer nun auch das zweite, rund 100 Meter lange Gewächshaus in Hermetschwil aufgestellt. Die Baubewilligung gilt jeweils für sechs Monate, danach bauen sie es wieder ab. Gespritzt wird nicht, der Anbau erfolgt biologisch. Gegen natürliche Feinde geht man mit technischen Hilfsmitteln wie metallischen Ringen oder Backpulver, welches bei Lausbefall hilft, vor.
Abfüllanlage ist im Bau
Die letztjährige Ernte hat den Freiämtern mehrere Hundert Kilogramm Chilischoten eingebracht. In der Saison 2018/19 setzte man 500 Gläser ab, ein Jahr danach schon 3000, in der letzten Saison waren es 5000. Und in der kommenden Saison sollen es schon 13 000 Gläser sein. Bisher wurde der Chili in der Küche von Robert Keusch verarbeitet. Dies möglichst ohne Hitze, damit die Chili konsistent bleiben und nicht matschig werden. Die Küchenverarbeitung ist zwar nach Lebensmittelgesetz in einer geplättelten und komplett ausgekleideten Umgebung vonstatten gegangen, aber die schiere Menge beim Expansionsplan lässt die Chili Star GmbH nun infrastrukturtechnisch reagieren. Bei der Schneidemaschine wurde man in China fündig. Derzeit ist eine extra auf die Bedürfnisse der Freiämter Chili-Unternehmer angepasste Abfüllanlage im Bau und soll im Sommer angeliefert werden. Die in Hermetschwil-Staffeln angebauten Chili werden in Widen in einer Produktionsstrasse verarbeitet und gelagert.
Exklusive Aji Charapita
Neben den Feuerringen – den eingelegten roten, grünen oder gemischten, zwei Milimeter breiten Chili in fünf verschiedenen Variationen – haben die Freiämter auch die im Vergleich zu den üblichen Chili eher schärferen und vor allem sehr fruchtigen sowie exklusiveren Aji Charapita im Angebot. Deren Frucht ist kleiner, rund und für Schokoladen und Süssspeisen geeignet. Als Spezialität aus der Verarbeitung sind auch das Chilisalz und das Habanero-Gewürz entstanden.
Klein aber fein
In Bremgarten nutzt die Pizzeria Venezia die feinen Peperoncini von Chili Star. Der Gastrobereich kommt bei der Expansion als Kundensegment wegen Corona derzeit leider noch etwas zu kurz. Doch mehrere Metzgereien sind schon unter den Kunden, so zum Beispiel die Reussthal Metzgerei in Niederwil, Stierli Metzg in Bremgarten oder Braunwalder in Wohlen. Auch in zehn Volg-Filialen im Freiamt ist man vertreten. Besonders freut es die regionalen Hersteller auch, dass sie es beim Lidl in die exklusive Spezialitätenselektion «Klein aber fein» vom kommenden Herbst geschafft haben. Teilweise mit Bestnote, verrät Geschäftsführer Robert Keusch. «Es ist schön, solches Feedback zu erhalten.»




