«Die Messlatte liegt hoch»
16.03.2021 MerenschwandFeuerwehr Merenschwand führte den Neueingeteilten-Kurs den Kreis 4 erfolgreich durch
86 Feuerwehrneueinsteiger aus dem Freiamt und der Region Bremgarten absolvierten vergangenes Wochenende den Neueingeteilten-Kurs. Erstmalig hat sich das Kommando entschieden, diesen ...
Feuerwehr Merenschwand führte den Neueingeteilten-Kurs den Kreis 4 erfolgreich durch
86 Feuerwehrneueinsteiger aus dem Freiamt und der Region Bremgarten absolvierten vergangenes Wochenende den Neueingeteilten-Kurs. Erstmalig hat sich das Kommando entschieden, diesen dezentral durchzuführen.
Susanne Schild
«An diesem Wochenende legen wir den Grundstein für eine funktionierende Feuerwehr im Freiamt. Je besser unser Nachwuchs ausgebildet ist, desto erfolgreicher ist die Arbeit der Feuerwehr. Denn Vorbereitung und Disziplin sind von grundlegender Bedeutung, um rechtzeitige und wirksame Einsätze zu gewährleisten», ist Kurskommandant Peter Olschimke-Brunner überzeugt.
«Die Freiwilligen gut auf ihre zukünftigen Aufgaben vorzubereiten, ist das Ziel. Unter den Teilnehmenden ist immer mindestens ein zukünftiger Offizier oder sogar ein Kommandant», bestätigt Hauptmann Patrick Fischer, Kommandant der Feuerwehr Merenschwand.
Bereits im letzten Jahr war sie unter seiner Leitung für die Organisation und Durchführung des Neueinsteigerkurses verantwortlich. Alle zwei Jahre erfolgt ein Wechsel des Kursstandorts. 2022 ist Waltenschwil an der Reihe. «Obwohl Merenschwand die Messlatte hoch gelegt hat, bin ich überzeugt, dass die Waltenschwiler in dieser Aufgabe genauso erfolgreich sein werden», ist sich Peter Olschimke-Brunner sicher.
Zum ersten Mal in drei Gemeinden durchgeführt
Um den Kurs für alle möglichst angenehm zu gestalten und diesen gemäss dem aktuellen Schutzkonzept durchführen zu können, hat sich das Kommando entschieden, diesen erstmalig dezentral zu veranstalten. Das heisst, es wurden je zwei Klassen in die Dörfer Aristau und Mühlau ausgelagert. Auch in Benzenschwil wurde ein Teil unterrichtet. «Den Gemeinden muss für ihren grossen Einsatz ein Kränzli gewunden werden», lobt Patrick Fischer nach dem Kurs. Das Zusammenspiel zwischen den drei Gemeinden sei perfekt gewesen. «Merenschwand war für den Kurs zwar verantwortlich. Dass Mühlau, Aristau und Benzenschwil sich daran beteiligt haben und den zusätzlichen Aufwand auf sich genommen haben, ist bei Weitem nicht selbstverständlich.» Man überlege sich sogar, so Fischer weiter, den Kurs zukünftig auf das dezentrale System umzustellen. Die Gruppen könnten dadurch immer am gleichen Arbeitsplatz unterrichtet werden. Dadurch spare man viel Zeit. Vor der Dezentralisierung wurde bei jeder Lektion der Posten gewechselt. «Auch in anderen Kreisen ist man zu diesem Schluss gekommen», informiert Patrick Fischer.
Gleiche Ausbildung im ganzen Kanton
Zehn Klassenlehrer unterrichteten die 86 Neueinsteiger nach den Vorgaben der Aargauischen Gebäudeversicherung. Am ersten Tag erhielt der Nachwuchs einen Einblick in die Brandbekämpfung. Auf dem Stundenplan stand Materialkenntnis, der Umgang mit Hydranten, der richtige Einsatz eines Wasserwerfers, Schaumerzeugung und noch vieles mehr.
Am zweiten Kurstag widmete man sich dem Rettungsdienst. Lebensrettende Sofortmassnahmen, Rettung aus einem Gebäude, Materialpflege, Spezialeinsätze, der richtige Umgang mit einer Wärmebildkamera wurde hier beispielsweise gelernt.
«Die Ausbildung zum Feuerwehrmann oder zur Feuerwehrfrau ist im ganzen Kanton Aargau gleich. Deshalb können auch Neueinsteiger aus anderen Kreisen am Kurs teilnehmen», informiert Patrick Fischer. Auf die Abschlussübung musste in diesem Jahr verzichtet werden. «Dennoch haben die Klassenlehrer improvisiert und Möglichkeiten geschaffen, das Gelernte praktisch zu üben», streicht Fischer heraus.
Nicht nur wegen Covid ein spezieller Kurs
Seit fünf Jahren ist Peter Olschimke als Kurskommandant für die Gesamtkoordination zuständig. Rund 400 Teilnehmer hat er seitdem durch die Kurse begleitet. «Die Altersguillotine hat bei mir zugeschlagen. Als Instruktor ist mit 55 Jahren Schluss», meint er scherzhaft.
Das Aufhören fällt ihm nicht leicht. «Im Moment, wo man die Uniform anzieht, wird man zum Helfer. Es ist ein Signal dafür, dass Hilfe folgt. Hier hat man Verantwortung.» Dennoch habe die Sicherheit immer Vorrang: «Es darf nicht das Leben einer Person aufs Spiel gesetzt werden. Wir machen alles, um jemanden zu retten, aber wir müssen gemäss Sicherheitsvorschriften handeln, um unnötige Risiken zu vermeiden. Unter den Feuerwehrleuten gibt es keinen Platz für Rambos.» Diese Haltung gelte es in den Kursen neben dem Wissen ebenfalls zu vermitteln, so Olschimke-Brunner. Ebenso freut es ihn, dass die meisten Neueinsteiger lange im Dienst der Feuerwehr bleiben. «Das ist nicht selbstverständlich, denn der Nachwuchs muss erheblich viel Zeit in die freiwillige Tätigkeit investieren.» Die Feuerwehr müsse sich kontinuierlich an neue Herausforderungen anpassen, seien es neue technische Mittel, aber auch neue Bedrohungen wie Erdrutsche oder plötzl iche Überschwem mu ngen durch Stürme. «Wenn die jungen Leute ihre Freizeit dafür opfern, ist das meine grösste Motivation.»
Die Nachfolge von Peter Olschimke-Brunner tritt der 37-jährige Reto Kaufmann an. Auch der Murianer ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele. «Dieses Jahr begleite ich den Kurs nur. Ich gehe bei Peter Olschimke-Brunner sozusagen in die ‹Lehre›.» Als Kursadjuntant bei der Stützpunktfeuerwehr Muri+ konnte Reto Kaufmann schon Erfahrung sammeln. Jetzt freut er sich auf die neuen Herausforderungen. «Bis die Altersguillotine bei mir zum Einsatz kommt, werden noch einige Jahre vergehen», meint er mit einem Augenzwinkern.