Ende einer langen Reise
19.03.2021 SportFussball, FC Wohlen: Captain Marko Muslin beendet im Sommer seine beeindruckende Karriere
Captain Marko Muslin blickt auf 20 Jahre einer eindrücklichen Fussball-Odyssee zurück. Genau wie sein Vater Slavoljub erlebte er viel in seiner Profikarriere. Der Captain des ...
Fussball, FC Wohlen: Captain Marko Muslin beendet im Sommer seine beeindruckende Karriere
Captain Marko Muslin blickt auf 20 Jahre einer eindrücklichen Fussball-Odyssee zurück. Genau wie sein Vater Slavoljub erlebte er viel in seiner Profikarriere. Der Captain des FC Wohlen entscheidet nun, dass ab Sommer Schluss ist. «Irgendwann geht alles zu Ende», sagt der 35-Jährige.
Stefan Sprenger
Marko Muslin hat in diesen Tagen viel Zeit. Der Fussball steht seit Monaten still. Und weil er als Fitnessinstruktor auch beruflich heftig von der Coronakrise betroffen ist, nutzt er die Freizeit für seine Familie. «Die Situation mit dem Coronavirus ist nicht einfach, aber ich mache das Beste daraus und kann viel mit meinen zwei Kindern unternehmen», sagt Marko Muslin, der sich seit Monaten in Kurzarbeit befindet.
Die Karriere des französisch-serbischen Doppelbürgers wird im Sommer enden. Hier, in den Niedermatten, wo er bislang 122 Spiele für den FC Wohlen absolviert hat, erlischt das Licht seiner fussballerischen Odyssee. «Es ist die richtige Entscheidung. Im Juni werde ich 36 Jahre alt. Es ist an der Zeit, aufzuhören.»
Wie der Vater, so der Sohn
Knapp 20 Jahre alt war Marko Muslin, als er ins Fürstentum zur AS Monaco geholt wird. Der junge Mann lebt damals im französischen Brest. Dies, weil sein Vater Slavoljub ebenfalls ein Profifussballer war, der viel herumgekommen ist. Vater Slavoljub war ebenfalls Profi – und ist seit 1991 als Trainer auf den Fussballplätzen der Welt unterwegs. Bei auffällig vielen Teams war Slavoljub Muslin unter Vertrag. Tunesien, Russland, Saudi-Arabien. Eine kleine Auswahl: Brest, Bordeaux, Lens, Casablanca, Belgrad, Sofia, Metalurg, Lokeren, Moskau, Khimki, Minsk, Anorthosis, Krasnodar, Perm, Lüttich, Al-Fayha oder die serbische Fussball-Nati. Man weiss, woher Sohn Marko sein Talent und seine Weltenbummler-Fähigkeiten hat.
Monaco, Belgien, Bulgarien
Muslin startet 2004 in seine eigene Globetrotter-Karriere. In Monaco heisst sein Trainer Didier Deschamps. Muslin spielt mit Grössen zusammen wie Patrice Evra oder Emmanuel Adebayor, steht gar im Aufgebot für ein UEFA-Cup-Spiel. Der Verteidiger macht Fortschritte, schafft den Durchbruch aber nicht beim Topteam aus Frankreich.
Er wird ausgeliehen nach Holland, zu Willem II. Es folgen Engagements in Belgien (Lierse) und Bulgarien (Sofia). Im Jahr 2009 kommt er in die Schweiz zum FC Wil. Der sicherheitsliebende Muslin findet hierzulande für sich und seine Zukunft einen sicheren Hafen. Er wird sesshaft – zumindest ein bisschen. Nach dem Engagement in Wil geht er zu Lausanne und wechselt wieder zu Wil. 2015 kommt er erstmals zum FC Wohlen in die Challenge League und macht sich mit seinen Vorzügen als Mensch und Spieler beliebt.
2017 geht er wieder in die Ostschweiz und kommt 2018 endgültig ins Freiamt zurück. Grund: Mit den türkischen Investoren beim FC Wil konnte er sich nicht mehr identifizieren. Ein cleverer Entscheid im Nachhinein. Doch so ist der Mensch Marko Muslin. Clever, ruhig, durchdacht, bodenständig. So ist er auch als Fussballer.
Respektiert und geschätzt in Wohlen
Muslin lebt heute mit seiner Familie in Volketswil. Er arbeitet in Zürich als Fitnessinstruktor, hat zudem den Bachelor in Sportmanagement abgeschlossen und einige Trainerkurse besucht. «Ich möchte auch nach der Karriere etwas mit dem Fussball zu tun haben», sagt er. Dieses «nach der Karriere» wird in einigen Monaten sein. Im Sommer hängt er seine Fussballschuhe definitiv an den Nagel. Sie sind weit umher gekommen in Europa. Muslin hofft, dass die Saison in der 1. Liga classic noch fortgesetzt wird. «Denn so aufzuhören wäre nicht schön.»
Der Captain und Abwehrboss des FC Wohlen bestach auf dem Rasen immer durch seine ruhige Art, seine Übersicht und sein hervorragendes Stellungsspiel. Er wurde stets respektiert von seinen Mitspielern, gefürchtet von den Gegenspielern, geschätzt von den Trainern und gefeiert von den Zuschauern.
Auch wenn er nicht mehr der Schnellste war mit seinen 35 Jahren, so reichte es ihm allemal, um in der 1. Liga classic mitzuhalten. «Irgendwann ist fertig», meint Muslin und zieht Bilanz über seine 20 Jahre als Fussballer. «Ich bin zufrieden, wie meine Karriere gelaufen ist. Und es ist für mich sehr schön, dass ich hier beim FC Wohlen aufhören kann. Ich werde den Fussball vermissen, ich werde den FC Wohlen vermissen.»
Wer weiss, vielleicht wird der Trainer Marko Muslin irgendwann wieder auf den Niedermatten zu einem Thema. Mit seiner Vorgeschichte wäre es jedenfalls gut möglich, dass seine Odyssee auch nach der Karriere weitergeht – dann eben als Trainer. --spr

