Rückschlag für Vereine
01.12.2020 MutschellenBerikon und Rudolfstetten lehnen den Kredit für ein zweites Kunstrasenfeld ab
Gemeinsam haben vor allem Fussballer, Handballer und Leichtathleten für ein zweites Kunstrasenfeld auf der Burkertsmatt geworben. Der Souverän hat ihr Werben nicht ...
Berikon und Rudolfstetten lehnen den Kredit für ein zweites Kunstrasenfeld ab
Gemeinsam haben vor allem Fussballer, Handballer und Leichtathleten für ein zweites Kunstrasenfeld auf der Burkertsmatt geworben. Der Souverän hat ihr Werben nicht erhört.
Erika Obrist
Das regionale Sport-, Freizeit- und Begegnungszentrum Burkertsmatt auf dem Mutschellen hat vielen Vereinen einen Mitgliederzuwachs beschert. Einen so grossen, dass Hallen und Aussenanlagen an ihre Grenzen gestossen sind. Gemeinsam haben Fussball- und Handballverein sowie Leichtathletik Mutschellen für ein Ja zum Kredit von 2,05 Millionen Franken für ein zweites Kunstrasenfeld auf der Burkertsmatt gekämpft. Fussballer und Leichtathleten hätten so länger draussen trainieren können, was auch zu einer Entspannung bei der Hallenzuteilung geführt habe.
Die Gemeindeversammlung in Widen hat den Kredit am 19. November mit 124:11 Stimmen bewilligt. An der Urnenabstimmung am letzten Sonntag lehnte der Beriker Souverän den Kredit mit 828 Nein zu 642 Ja ab. Auch Rudolfstetten-Friedlisberg lehnte den Kredit ab, und zwar mit 547 Nein zu 474 Ja.
Vereine und Vorstand enttäuscht
«Ich bin enttäuscht über das Ergebnis», sagt Marcel Signer, Präsident des Gemeindeverbands Burkertsmatt. Trotz den vielen Diskussionen im Vorfeld und den vollen Leserbriefspalten in den Zeitungen seien wohl zu wenig Leute zur Urne gegangen. Besonders in Rudolfstetten, wo die Stimmbeteiligung bei 39 Prozent lag.
Enttäuscht sind auch die Vereine. «Die Ablehnung des Kredits ist ein Rückschlag für alle, die sich für die Sache starkgemacht haben», sagt Pitsch Müller, Präsident des Handballclubs. Pietro Bascio, Präsident des FC Mutschellen, sieht trotz dem Nein die Vereine als Sieger. «Vor und während des Abstimmungskampfs haben wir zueinander gefunden», sagt er. Dieses Miteinander müsse nun unbedingt weitergelebt werden. Dem stimmt Ralph Huggel von den Leichtathleten bei.
Hausaufgaben für den Vorstand
Nach dem Nein zum zweiten Kunstrasenfeld ist der Verband gefordert
Der falsche Zeitpunkt für eine Investition von 2,05 Millionen Franken? Vereine und umliegende Gemeinden für eine Kostenbeteiligung gewinnen? Nach der Ablehnung des Kredits für ein zweites Kunstrasenfeld rätseln die Verantwortlichen, wie es weitergehen soll.
Erika Obrist
«Die Argumente, die im Abstimmungskampf vorgebracht wurden, erinnern mich an die Anfänge der Burkertsmatt-Geschichte», sagt Verbandspräsident Marcel Signer, Rudolfstetten. Damals schon sei mit falschen Zahlen operiert worden, damals schon sei nicht alles im ersten Anlauf bewilligt worden. Deshalb gebe der Verband bezüglich Ausbau der Infrastruktur nicht auf. «Die Vereine wachsen, das Bedürfnis nach einem Ausbau der Burkertsmatt ist ausgewiesen – die Gesellschaft muss bereit sein, in den Ausbau zu investieren», sagt Signer. Dafür werde er sich zusammen mit seinen Vorstandskollegen weiterhin einsetzen.
«Günstiger wird es nicht»
Das weitere Vorgehen müsse nun vorstandsintern besprochen werden. Er überlege sich auch, eine Strategiesitzung einzuberufen. In das «Wie weiter?» wolle er auch den Wunsch der Bevölkerung nach mehr Begegnungsmöglichkeiten einbeziehen. «Ich bin überzeugt, dass wir eine Lösung finden werden, welcher die Mehrheit der Bevölkerung zustimmen kann», gibt sich Signer optimistisch. «Aber günstiger wird es sicher nicht», fährt er weiter. Auch das zeige die bewegte Burkertsmatt-Geschichte.
Dass Signer enttäuscht ist über das Nein der Beriker und Rudolfstetter Bevölkerung zum Kredit, versteht sich von selbst. Auch nach dem wuchtigen Ja an der «Gmeind» in Widen zur Vorlage. Ein Nein in Berikon habe er fast erwarten müssen, nachdem der Gemeinderat die Ablehnung des Kredits empfohlen hatte. «Mit dem Nein in Rudolfstetten habe ich nicht gerechnet.»
Andere Ansätze finden
In Rudolfstetten wurde der Kredit mit 547 Nein- zu 474 Ja-Stimmen abgelehnt. «Es ist bekannt, dass die Sanierung des bestehenden Kunstrasenfelds ansteht und dass aus finanziellen Überlegungen nicht zwei solche Felder miteinander angelegt werden können», nennt Gemeindeammann Josef Brem einen möglichen Grund für die Ablehnung des Kredits. Auch müsse eine Lösung gefunden werden betreffend die auswärtigen Nutzerinnen und Nutzer der Anlage. Mit einer weiteren Investition, die auch diesen Vereinsmitgliedern zugutegekommen wäre, sei es noch offensichtlicher geworden, dass hier andere Ansätze gefunden werden müssen.
Die im Vorfeld geäusserten Vorbehalte seien von den Stimmberechtigten wohl höher gewichtet worden als der Bedarf nach einem zusätzlichen Kunstrasenfeld, so Josef Brem weiter. Auch Umweltaspekte dürften eine Rolle gespielt haben. «Der Volksentscheid ist sicherlich kein Votum gegen die Burkertsmatt oder gegen die Vereine, welche wertvolle Arbeit leisten.» Das Nein könne auch als Hausaufgabe für den Verband aufgefasst werden, die Nutzung der Anlage zu optimieren.
«Zeitpunkt stimmte nicht»
Froh ist Berikons Gemeindeammann Stefan Bossard über die hohe Stimmbeteiligung von 47 Prozent. So sei der Wille der Bevölkerung klar zum Ausdruck gekommen. Die Burkertsmatt liege dem Gemeinderat am Herzen. «Wir unterstützen die Vereine und ihren Einsatz, aber es war nicht der richtige Zeitpunkt für die geplante Investition.» Nun brauche es ein Gesamtkonzept, in dem auch eine Beteiligung der Vereine und eventuell benachbarter Gemeinden an den Kosten für die regionale Anlage geregelt sei. «Wir müssen die Rahmenbedingungen diskutieren, bevor wir in einen möglichen Ausbau investieren können.» Erst dann könne man entscheiden, wann ein zusätzliches Kunstrasenfeld wieder aufs politische Tapet gebracht werden soll.
«Wir nehmen das Nein in Berikon und Rudolfstetten sportlich hin», sagt Ralph Huggel, Hauptleiter bei Leichtathletik Mutschellen. Es bleibe ihnen auch gar nichts anderes übrig. «Wir wissen um den grossen Rückhalt, den wir in weiten Teilen der Bevölkerung haben.» Sport sei halt nicht für alle das vordringlichste Thema. «Wir hoffen, dass dieses Nein nicht zur Trendwende in der Erfolgsgeschichte Burkertsmatt wird.»
Weiterhin gemeinsam auftreten
Die Frage einer möglichen Beteiligung der «Auswärtigen» an den Betriebskosten habe man schon oft diskutiert bei den Leichtathleten. Huggel gibt zu bedenken, dass auch rund 50 Prozent der Trainerinnen und Trainer «Auswärtige» seien. «Sollen diese zu Hause bleiben?» Und während Jahren hätten die Mutscheller Leichtathleten in Dietikon und Muri trainiert. «Wir waren sehr froh über diese grosszügige Regelung auf fremden Sportstätten.»
Die Ablehnung des Kredits ist ein Rückschlag für alle, die sich für die Sache des Sports einsetzten, so Pitsch Müller, Präsident des Handballclubs Mutschellen. Im Abstimmungskampf hätten Fussball, Handball und Leichtathletik eine neue Zusammenarbeit beschlossen. «Dies wird ohne Unterbruch weitergelebt werden.» Weil alle dasselbe Ziel verfolgten: der Jugend den Sport zu ermöglichen.
Für Pietro Bascio, Präsident des FC Mutschellen, ist diese Zusammenarbeit die Gewinnerin des letzten Wochenendes. «Die Bevölkerung auf dem Mutschellen soll merken, dass die Vereine zusammenhalten. Nur so kommen wir auf einen gemeinsamen Nenner.» Nicht zuletzt zugunsten der Kinder und Jugendlichen, die Sport treiben möchten.
Auch der Fussballclub nehme die Ablehnung sportlich. «Wir werden aber weiterkämpfen für optimale Trainings- und Wettkampfbedingungen, denn das sind wir unserem Nachwuchs sowie allen Trainern und Freiwilligen schuldig.»



