Neues Tor zur Innenstadt
23.10.2020 BremgartenAargau Verkehr plant Überbauung des Bahnhofareals
Der Bahnhof Bremgarten wird zur Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs. Hier werden die Passagiere künftig vom Postauto auf die Bahn umsteigen.
Erika ...
Aargau Verkehr plant Überbauung des Bahnhofareals
Der Bahnhof Bremgarten wird zur Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs. Hier werden die Passagiere künftig vom Postauto auf die Bahn umsteigen.
Erika Obrist
Seit bald zwei Jahrzehnten spricht man von einer möglichen Überbauung des Bahnhofareals in Bremgarten. Nun hat Aargau Verkehr Nägel mit Köpfen gemacht und einen Projektwettbewerb durchgeführt. Eine Fachjury hat von den fünf eingegangenen Ideen das Projekt «Drop by» des Architektenteams Schneider und Schneider aus Aarau als Sieger auserkoren.
Es sieht auf dem Gelände des heutigen Areals und des angrenzenden Parkplatzes zwei Gebäude vor. Beim ersten, lang gezogenen werden künftig die Postautos an- und abfahren. «Somit sind die Busse auf dem Obertorplatz Geschichte», sagte Vizeammann Doris Stöckli bei der Vernissage im Zeughaussaal. Das zweite Gebäude ist hoch und schmal. Im Erdgeschoss hat es Platz für Gewerberäume, darüber gibt es Wohnungen. «Dadurch entsteht ein neues Tor zur Innenstadt», so Doris Stöckli.
Möglichst rasch realisieren
Die beiden neuen Gebäude werden der Stadt ein zweites Gesicht geben, so Doris Stöckli weiter. Der Spittelturm bilde weiterhin der Eingang in die historische Altstadt, die Bahnhofüberbauung werde zur Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs und zu einem Wohn- und Arbeitsplatz. «Das ist eine bemerkenswerte Veränderung an diesem Ort.»
«Wir wollen die Überbauung möglichst rasch realisieren, damit wir den Fahrgästen sowie Bremgarten einen attraktiven Begegnungsort anbieten können», sagte Roland Abt, Verwaltungsratspräsident von Aargau Verkehr.
Die «Unvollendete» vollenden
Mit der Bahnhofsüberbauung erhält Bremgarten einen markanten neuen Ortseingang
Mit dem City Center, vor sechs Jahren erstellt, wurde der erste Teil des Areals an der Zürcherstrasse realisiert. Nun folgt mit der Bahnhofsüberbauung der zweite Teil. Sie wird den Eingang in die Stadt verändern.
Erika Obrist
Die Stadt Bremgarten hat sich langfristig zum Ziel gesetzt, das Casino-Areal und den Obertorplatz zu entwickeln und neu zu gestalten. Das Casinoareal wird Thema an der Winter-«Gmeind» sein, sofern diese stattfinden kann, der Obertorplatz kommt wohl erst später an die Reihe.
Heute ist der Obertorplatz den Postautos reserviert und dem Kurzzeitparkieren. Damit der Platz frei wird, braucht es einen neuen Busbahnhof. Dieser ist nun Bestandteil des Projekts «Neugestaltung Bahnhof Bremgarten».
Aargau Verkehr als Besitzerin des rund 3700 Quadratmeter grossen Grundstücks zwischen den Bahngleisen und der Zürcherstrasse will dieses Areal, auf dem sich heute der Bahnhof befindet, entwickeln und neu bebauen. Dazu hat das Unternehmen einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Auf dem Areal soll ein Neubau mit mehrheitlich Wohnund Büroräumen in den oberen Geschossen sowie Gewerbe- und Gastroflächen im Erdgeschoss entstehen. Ebenerdig ist ein Bushof einzuplanen.
Nutzung des Areals verbessern
Sechs Teams wurden zum Wettbewerb eingeladen, fünf haben einen Lösungsvorschlag eingereicht. Am letzten Dienstag fand die Vernissage des Wettbewerbs statt und der Sieger wurde bekannt gegeben. Nach Ansicht der Fachjury hat das Projekt «Drop by» des Architekturteams Schneider und Schneider aus Aarau den besten Vorschlag eingereicht.
«Die heutige Nutzung des Areals ist nicht gut», nannte Roland Abt, Verwaltungsratspräsident von Aargau Verkehr, den Grund für den Projektwettbewerb. Vorschläge für eine neue Nutzung gebe es seit bald zwei Jahrzehnten. Basierend auf einem Gestaltungsplan sei 2014 das City Center eröffnet worden. «Nun wollen wir unser Areal oberhalb des City Centers entwickeln und einen Platz schaffen, der seinem Namen gerecht wird.» Alle Bedürfnisse und Vorgaben zu erfüllen, sei für die Architektenteams nicht einfach gewesen. «Dem Siegerteam ist das am besten gelungen.» Aargau Verkehr sei bestrebt, das Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Kanton möglichst rasch zu realisieren. Abt nannte einen Zeitraum von rund fünf Jahren.
Zwei Gebäude sind vorgesehen
Jurypräsidentin Maja Stoos strich die Vielfältigkeit der eingereichten Vorschläge heraus und die hohe Qualität der Arbeiten. Schneider und Schneider hätten vor allem die Anforderungen an die Verkehrsführung am besten gelöst, so Stoos. «Sie haben auch einen prägnanten Ort geschaffen, an dem der Bahnhof zum Ausdruck kommt und eine Anbindung zum City Center vorhanden ist.»
Entstehen sollen nun zwei Gebäude. Ein lang gezogenes parallel zur Zürcherstrasse. Ebenerdig befinden sich der Bushof, die Unterführungen und Räume für Bahn- und Buskunden. Im ersten Obergeschoss sind Büroräume vorgesehen, im zweiten Wohnungen. Das zweite Gebäude ist hoch und schmal. Im Erdgeschoss hat es Platz für ein Bistro oder ein Restaurant und weiteres Gewerbe. In den Obergeschossen gibt es Wohnungen.
Keine Konkurrenz zu den Geschäften in der Altstadt
«Für uns war wichtig, dass der Obertorplatz frei wird», sagt Stadtammann Raymond Tellenbach, der Mitglied der Jury war, «und dass die Unvollendete vollendet wird.» Dass also nach dem City Center auch das Areal beim Bahnhof entwickelt wird. Die geplanten Gewerberäume betrachtet Tellenbach nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Läden in den Altstadtgassen. «Diejenigen im langen Gebäude sind beispielsweise bestens geeignet für eine medizinische Gemeinschaftspraxis.» Eine solche wäre sehr gut für die Stadt. Gewünscht hätte er sich jedoch mehr oberirdische Kurzzeitparkplätze.
Im Rahmen des Betriebs- und Gestaltungskonzepts Zürcherstrasse, das mit dem Kanton erarbeitet wird, sei eine mögliche Bebauung des Bahnhofsareals diskutiert worden. Aargau Verkehr habe die Idee aufgenommen und umgesetzt, was ihn sehr freue. Dass die Schülerinnen und Schüler nun beim Bahnhof aussteigen und auf ihrem Weg ins Stadtschulhaus die Gleise überqueren müssen, sieht Tellenbach nicht als Problem. Im Sinne der Erhöhung der Sicherheit kann er sich aber vorstellen, dass der Bus ins Kelleramt an der Zugerstrasse auf Höhe des Denners nach Schulschluss am Mittag kurz hält und die Jugendlichen dort einsteigen lässt. «Eine solche Lösung müssen wir aber erst mit dem Kanton prüfen», sagt Tellenbach.



