Wer darf Kasten sauber halten?
28.08.2020 SportFussball, 1. Liga classic: FC Wohlen – FC Luzern II (Samstag, 16 Uhr, Niedermatten)
Mit Luca Thaler und Olivier Joos hat der FC Wohlen ein Luxusproblem auf der Goalieposition. Die Aussage von Trainer Thomas Jent war: «Eine Nummer 1 wird es nicht geben.» ...
Fussball, 1. Liga classic: FC Wohlen – FC Luzern II (Samstag, 16 Uhr, Niedermatten)
Mit Luca Thaler und Olivier Joos hat der FC Wohlen ein Luxusproblem auf der Goalieposition. Die Aussage von Trainer Thomas Jent war: «Eine Nummer 1 wird es nicht geben.» Beide sollen ihre Spielzeit kriegen. Bisher durfte nur Olivier Joos ran.
Josip Lasic
Enttäuscht sei er von seiner Mannschaft gewesen. Sich selbst will er dabei nicht ausschliessen. «Wir haben es gegen Schötz nicht geschafft, über 90 Minuten seriös zu spielen», sagt Wohlen-Trainer Thomas Jent über das 2:2-Unentschieden am vergangenen Spieltag. «Jetzt stehen wir alle in der Pflicht. Das Gezeigte entspricht nicht unseren Ansprüchen.»
Der nächste Gegner heisst Luzern II. Jent schätzt sie als gefährlichstes aller U21-Teams in den 1.-Liga-Gruppen ein. Gegen diesen Kontrahenten soll der FCW besser auftreten als zuletzt gegen Schötz. Wie erreicht man das? Setzt der Trainer vielleicht neue Reize, indem er auf der Goalieposition rochiert? «Nein. Wenn er sich nicht verletzt, wird morgen Samstag Olivier Joos im Tor stehen», sagt Jent.
Zwei auf Augenhöhe
Neue Reize hin oder her, auf der Goalieposition soll in dieser Saison rotiert werden. Olivier Joos, wohnhaft im solothurnischen Lostorf, 23 Jahre alt, früherer Schweizer U-Nationalspieler und in seiner dritten Saison beim FC Wohlen. Auf der Gegenseite Luca Thaler, Wohler, 26 Jahre alt und nach fünf Jahren bei Wettswil-Bonstetten zum FCW zurückgekehrt. Sie stehen sich im Duell um den Platz im Tor gegenüber. Beide sollen ihre Spielzeiten erhalten. Im Fall von Thaler stellt sich die Frage: Wann?
«Für mich und Goalietrainer Boris Ivkovic war von Anfang an klar, dass wir nicht schon nach ein bis zwei Spielen wechseln wollen. Das Team muss sich zuerst einspielen. Die Goalies möchten das ebenfalls nicht. Damit keine Unruhe entsteht», sagt der Wohlen-Trainer.
Luca Thaler stimmt zu: «Es hiess von Anfang an, dass es drei bis vier Spiele gehen kann, bis es zu einem Wechsel kommt», so der Wohlen-Rückkehrer. «Sollte Oli zu diesem Zeitpunkt aber einen Lauf haben, will ich nicht derjenige sein, der dazwischengrätscht und sich egoistisch über das Team stellt. Es gilt den richtigen Zeitpunkt abzuwarten.»
Olivier Joos schliesst sich an: «In jedem Spiel rotieren wäre nicht sinnvoll. Das würde erschweren, dass sich Goalie und Abwehr einspielen. Wenn jeder einige Spiele erhält und dem Team frühzeitig kommuniziert wird, wer von uns beiden spielt, dann funktioniert das.»
Thaler war bei Wettswil-Bonstetten bereits in einer vergleichbaren Situation. Auch dort kam es oft zu Goalie-Rochaden. Der 26-jährige Wohler weiss, wie damit umzugehen ist. «Jeder möchte gerne spielen. Ich fühle mich bereit und brenne auf meinen Einsatz, da ich überzeugt bin, dem Team zu helfen. Am Ende ordnet man im Fussball alles dem Teamerfolg unter.»
Rivalisierende Kollegen oder kollegiale Rivalen?
Mit der Verpflichtung von Luca Thaler wollte der FC Wohlen Reizpunkte setzen. Das Niveau der Goalies sollte durch den Konkurrenzkampf gesteigert werden. «Ich sehe die Steigerung eher darin, dass wir auf so ähnlichem Niveau sind, dass wir die gemeinsamen Übungen auf einem hohen Level durchführen können», erklärt Thaler.
Joos ist der selben Ansicht: «Als Luca verpflichtet wurde, habe ich ihn nie als Konkurrenten oder Feind gesehen. Ich sehe ihn als Freund, als Goaliekollegen. Mit ihm ist die Qualität der Trainings stark gestiegen.» Thaler und Joos betrachten sich nicht als verbitterte Gegner im Kampf um die Nummer 1.
«Es ist eine andere Art von Konkurrenz», sagt Joos. «Wir unterstützen uns gegenseitig, geben uns Ratschläge. Jeder weiss, dass er wieder zum Zug kommen wird. In anderen Situationen hofft man vielleicht, dass der Kontrahent patzt. Wir sind nicht in dieser Situation. Und wir sind auch nicht die Typen dafür. Wenn einer die bessere Phase hat, soll er spielen. Es geht um das Team.»
Jent ist froh über diese Konstellation. «Die beiden steigern sich und sie werden ihre Einsätze bekommen. Die Leistungen, der nächste Gegner, zu einem gewissen Grad auch das Bauchgefühl, all das wird eine Rolle spielen, wann wir rotieren. Deshalb nenne ich keine Anzahl Spiele, bis Thaler im Tor steht.»
Viele Ausfälle in der Offensive
Der FCW-Trainer sieht in der Goaliefrage ein Luxusproblem. Beide Keeper können auf höchstem Niveau liefern. Dieses Luxusproblem ist auch auf anderen Positionen benötigt. Gegen Luzern II drohen vier Offensivkräfte auszufallen. Neben Adijan Keranovic und Luiyi Lugo sind auch Luigi Milicaj und Thomas Schiavano fraglich. «Dafür kehrt Vilson Doda zurück», so Jent. «Ausserdem haben wir Spieler wie Valdimiro Quinjinca, Ronny Minkwitz und andere. Das Kader ist breit und die Spieler vielseitig», sagt der Trainer. «Wir haben Optionen.»
Das wird nötig sein gegen Luzern II. «Das Team besteht zu grössten Teilen aus der letztjährigen U18 des FC Luzern. Sie sind eingespielt, technisch stark und können für eine junge Mannschaft auch körperlich gut mithalten», sagt Jent. «Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, können wir sie bezwingen. Es wird aber ein hartes Stück Arbeit.»


