Schön und ohne Schnickschnack
28.08.2020 BremgartenSommerserie «Liebling auf Rädern»: Der Bremgarter Ruedi Caprez und sein BMW 635 CSi
Der heute 74-jährige Ruedi Caprez war in jungen Jahren ein erfolgreicher Autorennfahrer. Der Garagist sammelt noch heute Autos. Die Marke BMW hat es ihm besonders ...
Sommerserie «Liebling auf Rädern»: Der Bremgarter Ruedi Caprez und sein BMW 635 CSi
Der heute 74-jährige Ruedi Caprez war in jungen Jahren ein erfolgreicher Autorennfahrer. Der Garagist sammelt noch heute Autos. Die Marke BMW hat es ihm besonders angetan.
André Widmer
Ruedi Caprez hat die eigentliche Qual der Wahl. Nämlich bei der Frage, welches seiner Fahrzeuge denn sein Lieblingsauto ist. Rund zwei Dutzend Fahrzeuge kann er sein Eigen nennen – von Limousinen bis hin zu Sportwagen. Einige sind restauriert, andere in seiner Werkstatt zur Auffrischung. Ruedi Caprez, der frühere Autorennfahrer und spätere Garagist aus Bremgarten, entscheidet sich schliesslich für den weissen BMW 635 CSi.
Sein BMW 635 CSi hat Jahrgang 1986. «Ich habe ihn als Veteran vorgeführt. Er muss in perfektem Zustand sein, nur so erhält er den Oldtimerstatus», erklärt Caprez. Bis in die 80er-Jahre typisch war die etwas längere und breitere Ausführung der Autos – die Kompaktwagen setzten sich erst später auf dem Markt durch. So verwundert es auch nicht, dass der BMW 635 CSi als Bestandteil der ersten 6er-Reihe von BWM etwas ausladender daherkommt. Der Wagen von Ruedi Caprez ist ein Bijou, wundervoll restauriert, dennoch ohne Schnickschnack. «Das Mechanische habe ich selber gemacht. Dazu wurden vom Autosattler die Ledersitze aufgefrischt.» Hierbei schwört Ruedi Caprez sozusagen auf das fachmännische Handwerk eines absoluten Spezialisten aus Bremgarten – Autosattler Bruno Hürlimann.
Mehrere Arbeitsgänge mit Lederfett seien nötig, bis das Leder satt sei. Auch das Polieren habe er einem Profi überlassen, erklärt Ruedi Caprez. Rund 10 000 Franken dürften es schon sein, die er in das Auto gesteckt hat. Viele Stunden eigene Arbeit kommen dazu. Ursprünglich kaufte er das Fahrzeug als Erstoccasion vor vielen Jahren. Der 635 CSi ist beileibe nicht der einzige Wagen aus dem Hause BMW, der Caprez gehört. Weitere Modelle des deutschen Herstellers sind in seinem Besitz. Die Wertigkeit schätzt er sehr, lässt er verstehen. Auch als Garagist hat er oft mit BMW zu tun. «Ich habe viel verkauft und betreut», sagt Ruedi Caprez. Auch die Alpina-Ausführungen erwähnt er. Ja, BMW hat es ihm angetan. Zwar sei es heute nicht mehr so, wie es mal gewesen ist, aber BMW sei ein intelligent zusammengestelltes Automobil. «Ich habe eine Beziehung zu diesen Autos.» Mit dem 635 CSi fährt Ruedi Caprez auch zu den monatlichen Oldtimertreffen auf der Stierenmatt in Zug.
Ein wahrer Champion
Ruedi Caprez auf den BMW zu reduzieren, das wird seiner Person überhaupt nicht gerecht. Denn während rund 30 Jahren war er Autorennfahrer – ein sehr erfolgreicher sogar. Davon zeugen die vielen Pokale in seiner Sammlung an der Wohlerstrasse in Bremgarten. 1965 fuhr er als 19-Jähriger mit einem VW-Käfer die ersten Rennen, 1967 mit einem Steyr-Puch. In der Tourenwagen-Meisterschaft 1970 erreichte er den 4. Rang. Mit einem Fiat Abarth kam dann der erste ganz grosse Erfolg, Ruedi Caprez holte den Titel des Schweizer Meisters. In der Formel V stand er mit Leuten wie der späteren Formel-1-Legende Keke Rosberg (Vater des Formel-1-Weltmeisters Nico Rosberg) auf dem Podium. 1976 fuhr Ruedi Caprez sogar den March 742 Formel 2, eine regelrechte Bolide. Eine Namen machte er sich auch bei den Bergrennen. Bei einem Europameisterschaftsrennen in Sternberk, der ehemaligen Tschechoslowakei, gewann er sogar gegen den Europameister Mauro Nesti. Mehrfach reüssierte Caprez beim Bergrennen in Reitnau – im Jubiläumsbuch von 2015 ist ihm ein eigenes Kapitel gewidmet. Seiner Liebe zum Motorsport ist es auch geschuldet, dass beispielsweise der Steyr-Puch, aber auch der Lola T88/50 F3000 nach wie vor im Besitz von Caprez sind, restauriert und fahrtüchtig gemacht werden. Praktisch jeden Tag kann man ihn in der Werkstatt antreffen. Mit dem aktiven Rennsport hat er zwar aufgehört. Jetzt ist aber die Oldtimerszene das automobile Zuhause von Ruedi Caprez.

