Entspannen und geniessen
04.08.2020 BremgartenDer Bremgarter Sommer findet dieses Jahr ennet der Reuss statt
Was die Wohler zustande bringen, das kann Bremgarten auch, dank Juri Tirez und seinem Team. Auf dem «Studentenmätteli» hinter dem Casino steht die Sommerbar ...
Der Bremgarter Sommer findet dieses Jahr ennet der Reuss statt
Was die Wohler zustande bringen, das kann Bremgarten auch, dank Juri Tirez und seinem Team. Auf dem «Studentenmätteli» hinter dem Casino steht die Sommerbar «Stiefelchnächt».
Hans Rechsteiner
Erst war es nur ein sympathisch aufgemöbelter Bauwagen, der hinter dem Casino stand – erstmals vor drei Jahren. Juri Tirez von der Bar Stiefelchnächt hatte für die lauen Sommerabende eine Freilichtattraktion erfunden, die auf erfreulichen Zuspruch stiess.
Dieses Jahr ist das Projekt etwas komplizierter, aber genauso sympathisch. Halt mit etwas Abstand fläzt man sich in blaue Liegestühle, liest darin ruhend auch einmal ein Buch, chillt, nimmt unter Kollegen ein oder zwei Feierabendbier oder belegt eine lässige Sitzecke. Man lässt den Tag ausklingen, geniesst die Sommernächte – ganz locker mit Selbstbedienung.
Unkompliziert wird mit den Corona-bedingten Einschränkungen umgegangen. Der Eingang ist organisiert geregelt: Man gibt Namen und Mobilnummer ins Tablet ein, griffbereit steht da Desinfektionsmaterial. Man fühlt sich freundlich begrüsst.
Minifestival am 7. und 8. August
Die Sommerbar «Stiefelchnächt» mit Blick auf die Bremgarter «Schoggiseite» im Schatten der Eisenbahnbrücke bietet neben Sitz- und Stehplätzen sogar eine kleine Bühne, die Künstlern eine willkommene Auftrittsplattform bietet – die Kollekte dürfen sie mitnehmen.
Weil die zehnte Austragung des «Festivals i de Marktgass» (FidM) nicht in der Altstadt stattfinden kann, hat sich das OK um Juri Tirez spontan für ein Klein-FidM hinter dem Casino in der erweiterten Sommerbar entschieden. Der Event mit reduziertem Programm findet am 7. und 8. August statt. Es stehen aber nur 250 Tickets zur Verfügung.
«Festival i de Marktgass» retten
Der Anlass wird dieses Jahr zum «Klein FidM» hinter dem Casino
Seit 2010 ist Juri Tirez, unterstützt von seiner Ehefrau Michaela, in Bremgarten eine Grösse. Seine Bar «Stiefelchnächt» ist längst eine Institution. Tirez und sein Team stehen für das «Festival i de Marktgass», aber eben auch für die Sommerbar «Stiefelchnächt» hinter dem Casino.
Hans Rechsteiner
Es ist März 2010. Juri Tirez stellt seine Bar «Stiefelchnächt» vor. Man geniesst die Abendsonne, einen Drink oder eines der 19 Biere aus aller Welt, darunter einige aus Belgien. Juri Tirez ist ein in der Schweiz geborener Belgier. Die Bar «Stiefelchnächt» wurde rasch zum Treffpunkt, Juri und Michaela Tirez brachten frischen Wind ins Städtchen und überraschten mit allerlei Ideen. Doch rund ein Jahr später kam die grosse Enttäuschung in Form einer Kündigung. Die Besitzerfamilie wollte das Restaurant vermieten und damit auch die 70 Sitzplätze bietende Bar im Untergeschoss, argentinische Rindsfilets würden künftig serviert. Doch das kam bei den Bremgartern nicht so recht an und so übernahm im Mai 2012 Juri Tirez erneut. Es war ein Durchstarten, auch privat, Juri und Michaela Tirez heirateten.
Besonders beliebt wurde die Serie «Zischtigskultur». Ein- bis zweimal im Monat fanden im «Stiefelchnächt» Konzerte, Lesungen und Poetry Slam statt, natürlich immer dienstags, mit heute national anerkannten Künstlern. Einige starteten hier ihre Karriere. Berühmte Namen waren Philipp Fankhauser, Stefan Eicher, James Gruntz, Faber und Hecht, welche später das Zürcher Hallenstadion füllten, um nur einige zu nennen.
Vier erfolgreiche Geschäftsjahre später – Mitte 2016 – übernahm das «Stiefelchnächt»-Team zusätzlich die «Sonne». Inzwischen war auch Juri Tirez’ Bruder Janick eingestiegen, sie wollten aus dem Café ein Restaurant machen. Die beiden Brüder zielten auf einen Zehnjahresvertrag. Doch dann kam die Kündigung. Die Besitzerfamilie verkaufte die Liegenschaft der Marco Polo Sonne Bremgarten.
«Züglete» um dreissig Meter
Kurzerhand wurde das Konzept «Stiefelchnächt» in die bestens ausgerüstete vormalige «Sternenbar» in der Sternengasse gezügelt: 40 Sitzplätze, eine grosse Theke, eine Terrasse mit 17 Plätzen und ein Weinkeller. Sieben Offenbiere sind es heute, darunter Spezialitäten von Valaisanne bis Grillbergen. Das Team wurde den neuen Raumverhältnissen «angepasst»: Heute sind es Juri Tirez (37), Michaela Tirez (33) und Stefanie Gianola (25). Interessant ist das neue Speiseangebot: als Leitidee f lämisch-holländische Spezialitäten, Pommes frites, Bitterballen (panierte Bällchen aus gezupftem Siedfleisch), Käse-Kroketten, drei verschiedene frisch hergestellte Panini.
Und jetzt die Sommerbar
Vor drei Jahren haben Juri und Michaela Tirez erstmals im Juli und August ihren umgebauten Bauwagen auf dem «Studentenmätteli» hinter dem Casino platziert und darum herum ihre Sommerbar «Stiefelchnächt» aufgebaut. Die Attraktion ist sehr gut aufgenommen worden. Dieses Jahr ist die Aufgabe Corona-bedingt etwas kniffliger, wurde aber verblüffend gelöst. Um die Abstände zu wahren, sind neben bequemen Sitzecken und ein paar Tischchen blaue Liegestühle hingestellt worden, was der guten Sache ein eigenes Feeling verleiht. Es herrscht Selbstbedienung.
Und dann überrascht Juri Tirez mit einer echten Neuigkeit: Bremgarten hat einen eigenen Gin. Juri Tirez hat das seit Jahren trendige Produkt zusammen mit der befreundeten Brennerei «Turicum» entwickelt. Es kommt in unauffälliger schwarzer Flasche daher und heisst «5620 Dry Gin».
«Festival i de Marktgass» wird zum «Klein FidM»
2010 fand erstmals ein «Fäscht i de Marktgass» statt. Der Anlass hat jedes Jahr an Popularität gewonnen und besticht jeweils nicht nur wegen der speziellen Atmosphäre mitten in der Stadt, sondern vor allem mit den überraschenden Acts, die da auftreten. Doch auch das ist in diesem Jahr etwas anders. Das FidM-Team musste sich entscheiden und zügelt fürs zehnte «Festival» in Tirez’ Sommerbar.
Musik und Poesie
Das «Klein FidM» findet am Freitag, 7., und Samstag, 8. August, jeweils ab 15 Uhr auf dem «Studentenmätteli» an der Reuss statt. Dafür wird die Sommerbar «Stiefelchnächt» vergrössert, sie kann je 250 Personen einlassen und ist in drei Sektoren unterteilt. Das Aufgebot an Acts ist ausgezeichnet: Am Freitag präsentieren die «einheimischen» international bekannten «Al Pride» sogar erstmals ihr neues Album «Sweet Roller». Abgelöst werden sie von der scharfzüngigen Fricktaler Slam-Poetin Patti Basler.
Am Samstag sind es die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten «Black Sea Dahu», der Slam-Poet, Satiriker und Komiker Renato Kaiser mit seinem Bühnenprogramm «Hilfe», die Westschweizer Musikband «Meimuna» und «Mr. Chapman», der herausragende Gitarrist der Band «One Sentence».



