Verkaufen ist ihr Ding
17.07.2020 MutschellenSommerserie «Starke Frauen»: Monika Benz
Monika Benz aus Rudolfstetten führt mit ihrem Bruder Stefan zusammen die Firma Strato AG in Zufkon. Der Betrieb stellt das Reinigungssystem Strato her, mit dem Fenster vom Boden aus bis zu einer Arbeitshöhe von 20 Metern ...
Sommerserie «Starke Frauen»: Monika Benz
Monika Benz aus Rudolfstetten führt mit ihrem Bruder Stefan zusammen die Firma Strato AG in Zufkon. Der Betrieb stellt das Reinigungssystem Strato her, mit dem Fenster vom Boden aus bis zu einer Arbeitshöhe von 20 Metern gereinigt werden können. «Der Verkauf ist meine Bühne», sagt die 55-Jährige. Stundenlang ist sie oft zu den Kunden unterwegs, führt den Strato vor und schult die Kunden im Umgang mit dem System. Meist sind Männer ihr Gegenüber: Leiter Hausdienst von Schulen und Heimen, Gebäudereinigungsfrmen – und Pirmin Zurbriggen. --eob
Putzen mit Pirmin
Sommerserie «Starke Frauen»: Monika Benz leitet zusammen mit ihrem Bruder Stefan eine Firma
Fassadenreinigung ist Männersache. Und ein hart umkämpfter Markt. Mittendrin Monika Benz aus Rudolfstetten. Sie ist zuständig für den Verkauf im Familienunternehmen Strato AG, das in Zufikon daheim ist.
Erika Obrist
Fans des ehemaligen Formel-1-Rennstalls Sauber würden ihr letztes Hemd dafür geben, könnten sie einmal den Windkanal der Saubergruppe in Hinwil besichtigen. Monika Benz hat ihn nicht nur gesehen. Sie war im Windkanal. Sie hat die glatten Wände gereinigt. Feinste Staubpartikel entfernt, die den Windstrom minim ablenken und so die Testresultate verfälschen könnten.
Vom Vater übernommen
Heikle Oberflächen reinigen ist das Spezialgebiet von Monika Benz und ihrem Bruder Stefan. 1996 haben sie die Firma Strato AG in Zufikon von ihrem Vater übernommen und stetig weiterentwickelt. August Benz war als Tüftler und Erfinder bekannt. Als in den 1970er-Jahren immer mehr Häuser mit grossen Fensterflächen gebaut wurden, erkannte «Guschti» Benz darin eine Chance, seinen Betrieb neu auszurichten. Er erfand ein Reinigungssystem und nannte es Strato. Dieses ist heute bei der Fassadenreinigung so bekannt, dass die Verantwortlichen vor Ort sagen, sie reinigten mit einem Strato.
Mit grosser Leidenschaft dabei
Das System besteht aus einer Sprühvorrichtung auf Karbonstangen. Die Karbonstangen lassen sich ineinanderfügen, sodass bis auf eine Höhe von 20 Metern vom Boden aus gereinigt werden kann. «Sauberer als von Hand», versichert Monika Benz. Das System funktioniert ohne Strom. Und weil das Wasser entmineralisiert wird, kann man auch bei Sonnenschein Fenster reinigen, ohne dass Striemen entstehen oder Rückstände auf dem Glas auszumachen sind.
Wenn die 55-Jährige von der Oberf lächenbeschaffenheit von Glas spricht und von den Bestandteilen des Trinkwassers, ist zu spüren, mit welcher Leidenschaft sie ihren Beruf ausübt. Wie verinnerlicht sie die Möglichkeiten des Reinigungssystems hat. «Um das System verkaufen zu können, muss ich es von Grund auf kennen», sagt sie.
Der Verkauf und der Aussendienst bilden die Haupttätigkeit von Monika Benz. Da kommt ihr zugute, dass sie auf die Menschen zugehen kann, mit jedem sogleich in Kontakt kommt. «Das musste ich lernen, denn eigentlich war ich immer recht scheu», sagt sie. «Aber ich hatte ein gutes Produkt, das hat mir Sicherheit gegeben.»
Meist Männer als Gegenüber
Ihre Hauptkunden sind Schulen, Spitäler, Heime und Gebäudereinigungsunternehmen. Dazu Besitzer von Gebäuden mit Fensterflächen, die mit herkömmlichen Systemen, beispielsweise mit Hebebühnen, nicht zu erreichen sind. Glaskuppeln über Rolltreppen gehören dazu, das Atrium in Hotels oder Einkaufszentren ebenso. Ihr Gegenüber bei Verkaufsgesprächen und Demonstrationen vor Ort sind meist Männer. Grösser und stärker als sie. Leiter Hausdienst mit zum Teil langer Erfahrung in der Fassaden- und Gebäudereinigung. Wird sie überhaupt ernst genommen? «Aber ja doch», versichert sie. Um dann doch ein paar Sprüche anzufügen, die sie sich als Frau schon hat anhören müssen.
Neben dem Verkauf ist die Schulung ein wichtiger Bestandteil ihrer Tätigkeit. Denn was nützt es, ein tolles Reinigungssystem zu haben, wenn man es nicht richtig anwenden kann? Nur aus zufriedenen Kunden werden langjährige Kunden. Die Konkurrenz in der Branche ist riesig.
Den Erfindergeist geerbt
In der Werkstatt in Zufikon werden die Reinigungssysteme aus vielen Einzelteilen selber zusammengebaut. Es werden auch Spezialwünsche von Kunden umgesetzt. Dazu Reparaturen vorgenommen. Und wenn einmal ein Glasdach mit den langen Rohren mit dem Reinigungskopf am Ende unerreichbar ist, so wird von Stefan und Monika Benz ausgetüftelt, wie man dieses Dach trotzdem sauber kriegt. Indem man das Reinigungssystem beispielsweise an einem Ballon befestigt, den sie unters Dach steigen lassen, und es vom Boden aus mittels Fernsteuerung bedienen. Geht nicht scheint es bei ihnen nicht zu geben.
Wenn es sein muss, packt Monika Benz beim Reinigen gleich selber mit an. So hat sie die Fenster der Kirche in Zufikon vom Schmutz befreit, anlässlich einer Demonstration des Strato Flugzeuge bei der SR Technics gereinigt oder das Hotel von Pirmin Zurbriggen in Zermatt auf Vordermann gebracht. «Er selber hat tatkräftig mitgeholfen.» Nachdem ihm Monika Benz gezeigt hatte, wie es geht.
Bei der Planung einbezogen
Gelernt hat die Unternehmerin ursprünglich Hochbauzeichnerin. Von Kindesbeinen an war sie in der Werkstatt ihres Vaters. Hat zugeschaut und mitgeholfen. Ihr Bruder ebenso. Hat dem Vater zugehört, wenn er von seinen Ideen erzählt hat. Hat das Austüfteln und Umsetzen mitverfolgt. Beide Kinder scheinen das Talent des Vaters geerbt zu haben.
Die Firma aus Zufikon und ihre Produkte sind inzwischen schweizweit bekannt – und über die Landesgrenzen hinaus. So sehr, dass sie bereits bei der Planung von speziellen Gebäuden hinzugezogen wird. Die Architekten wollen von Anfang an wissen, ob ihre gewagten Konstruktionen auch gereinigt werden können. So bei der Erweiterung des Flughafens in Genf. «Und einige planen, ohne an die spätere Reinigung zu denken», wirft Stefan Benz ein, der sich eben einen Kaffee holt und das Gespräch mit halbem Ohr verfolgt hat. Seine Schwester nickt.
Ihr Traum: Strassenkünstlerin
Die Arbeitstage von Monika Benz sind lang. Oft ist sie stundenlang im Auto von Termin zu Termin unterwegs. Wenn sie abends ins Geschäft zurückkommt, muss die Schreibarbeit erledigt werden. Entspannung findet sie daheim in Rudolfstetten. Mit ihrem Lebenspartner. Beim Malen, Lesen, im Verein «kino uf em dorplatz», beim Singen mit den «Merry Sisters» und an der Fasnacht. Das In-eine-Rolle-Schlüpfen liegt ihr. «Der Verkauf ist meine Bühne.»
Monika Benz möchte noch ganz viel sehen und kennenlernen. Mit dem Velo unterwegs sein, weil man so die Umgebung bewusster wahrnimmt und mit Menschen in Kontakt kommt. Ihr grosser Traum: Die Strasse zu ihrer Bühne machen; hier als Künstlerin auftreten.


