Trotz anderer Disziplin im selben Boot
21.04.2020 SportZwei Rudertalente während der Coronazeit
Jarl Frizlen im Kajak und Tim Roth im Ruderboot sind zwei Freiämter Rudertalente. Wie trainieren sie während der Coronakrise?
Der Beriker Ruderer Tim Roth nutzt die Coronazeit, um sich indirekt auf sein ...
Zwei Rudertalente während der Coronazeit
Jarl Frizlen im Kajak und Tim Roth im Ruderboot sind zwei Freiämter Rudertalente. Wie trainieren sie während der Coronakrise?
Der Beriker Ruderer Tim Roth nutzt die Coronazeit, um sich indirekt auf sein Studium vorzubereiten. Ohne Wassertraining und Schulalltag musste er lernen, seinen Alltag selbst zu strukturieren. So trainiert er beispielsweise selbstständig am Ruder-Ergometer. Der Bremgarter Jarl Frizlen hat die Möglichkeit, im Wasser zu trainieren. Im Gegensatz zu Roth würde ihm beim Kajak-Slalom ein reines Ruder-Ergometer-Training auch nicht völlig ausreichen.
Die jungen Männer rudern in unterschiedlichen Disziplinen und haben doch vergleichbare Herausforderungen zu bewältigen. Sie kämpfen mit ausfallenden Wettkämpfen, den Schwierigkeiten bei der Sponsorensuche in Zeiten von Corona und der Ungewissheit bezüglich ihrer Abschlussprüfungen.
Zwischen Stromschnellen und Schulstress
Rudern: Der Beriker Tim Roth und der Bremgarter Jarl Frizlen über ihre Herausforderungen während des Lockdowns
Der Bremgarter Jarl Frizlen ist Kajak-Slalom-Fahrer. Tim Roth aus Berikon ist Ruderer. Zwei ähnliche Sportarten und doch völlig verschiedene Herausforderungen für die beiden Athleten. Ihre grösste Gemeinsamkeit ist nicht sportlicher Natur.
Mittlerweile findet sich Tim Roth besser mit der Situation zurecht. Der 18-jährige Ruderer in Diensten des Grasshopper-Clubs Zürich kann aktuell nicht im Wasser trainieren. «Die Ruderclubs sind alle zu, da der Steg bei einem Ruderclub jeweils als Freizeiteinrichtung gilt», erklärt er. Da der Beriker die 4. Klasse der Kantonsschule Baden besucht, ist ihm mit fehlendem Schul- und Trainingsalltag die Struktur etwas weggebrochen. «Ich habe das am Anfang vermisst und musste lernen, meinen Tagesablauf selbst zu planen», sagt Roth. Mittlerweile gelingt ihm das besser. «Ich sehe es als Übung an. An der Universität muss ich mich später auch selbst organisieren können.»
Er trainiert mit dem Ruderergometer zu Hause, geht joggen oder Fahrradfahren. «Es ist ähnlich wie das Wintertraining, aber halt etwas monoton.» Dazu lernt er für seine Maturprüfungen. Dabei weiss er nicht mal, ob diese stattfinden. «Das ist aktuell meine grösste Sorge. Es ist schwierig, sich auf Prüfungen vorzubereiten, wenn man nicht weiss, ob und wann diese stattfinden.»
Kajaktraining möglich
Ähnlich geht es dem Kajak-Slalom-Fahrer Jarl Frizlen aus Bremgarten. Der 19-Jährige besucht die «United School of Sports» in Zürich, deren Leiter der Wohler Tobias Rohner ist. Frizlen absolviert eine Lehre als kaufmännischer Angestellter. Der Schulunterricht findet online statt. Ob Lehrabschlussprüfungen stattfinden, ist noch unklar. «Ich mache das KV-M-Profil. Im E- und B-Profil finden keine Abschlussprüfungen statt. Bei uns hingegen ist das unklar. Die Ungewissheit ist nicht angenehm», so Frizlen.
Immerhin kann er mit dem Kajak ins Wasser. Der Nationalmannschafts-Stützpunkt in Zürich, wo er normalerweise trainiert, ist zwar geschlossen. Frizlen darf aber beim Kanuclub Baden-Wettingen trainieren. «Wir haben zwei Hauswarte, welche die Anlage instand halten. Diese sind in ihrem Job aktuell weniger eingespannt, weshalb die Anlage so gut in Schuss ist wie noch nie.» Dazu konnte er aus einem Fitnesscenter Utensilien ausleihen und sich zu Hause einen Trainingsraum einrichten. «In meinem Lehrbetrieb habe ich weniger Arbeit und darf deshalb mehr trainieren. Diesbezüglich kann ich mich nicht beschweren.»
Grosse Ziele im nächsten Jahr
Die beiden Wassersportler versuchen trotz Ungewissheit bezüglich ihrer Abschlussprüfungen das Beste aus ihrer Situation zu machen.
Roth hat den ganzen Winter darauf trainiert, um im August an der U23-WM in Slowenien starten zu können. Diese wurde jetzt abgesagt. Er bleibt aber optimistisch. «Am 5. und 6. September findet die U23-EM in Duisburg statt. Auch die Schweizer Meisterschaften sollen dieses Jahr noch stattfinden», sagt Roth. «Ausserdem habe ich das Glück, dass es jährlich eine U23-WM gibt. Ich werde im September 19 Jahre alt. Daher habe ich noch genug Zeit, um an so einem Wettkampf zu starten», ergänzt er lächelnd.
Frizlen bezeichnet die aktuelle Saison ohnehin als Zwischenjahr für sich. «Mein grosses Ziel ist die U23-EM im nächsten Jahr.» Er hofft darauf, dass in diesem Jahr noch eine Schweizer Meisterschaft stattfindet. «Und sonst trainiere ich halt bereits für die nächste Saison.»
Für die beiden Athleten ist auch die Finanzierung eine grosse Frage. «Es ist ein seltsames Jahr, um Sponsoren zu suchen», sagt Frizlen. «Glücklicherweise bin ich nicht auf Zahlungen angewiesen, die es durch Sportfonds erst bei bestimmten Leistungen gibt. Ich hätte zwar Anrecht darauf, aber dieses Jahr ohnehin keine Chance, diese Resultate zu erzielen.» Und wenn es um die Teilnahme an der U23-EM im nächsten Jahr geht, «dann zahle ich die notfalls aus eigener Tasche. Ich habe ja einen Lehrlingslohn», sagt der Bremgarter ehrgeizig.
Der Beriker Roth ist momentan auch in der Defensive, was die Sponsorensuche betrifft. Nach der Kanti besucht er ohnehin zuerst die Spitzensport-RS und geht dann unter Umständen in die USA, um zu studieren. «Hauptsache ist jetzt, dass ich durch die Matur komme und es bald im Sport weitergeht», so der Beriker optimistisch. --jl



