Qualität stimmt
21.04.2020 Mutschellen75 Jahre Männerchor Widen
Schöne und stürmische Zeiten erlebte der Männerchor Widen seit seiner Gründung.
Ein gediegenes Fest hätte es werden sollen am 2. und 3. Mai. Der Männerchor Widen wollte seinen 75. Geburtstag mit ...
75 Jahre Männerchor Widen
Schöne und stürmische Zeiten erlebte der Männerchor Widen seit seiner Gründung.
Ein gediegenes Fest hätte es werden sollen am 2. und 3. Mai. Der Männerchor Widen wollte seinen 75. Geburtstag mit einem Jubiläumskonzert begehen. Samt Festwirtschaft und besinnlichem Ausklang am Sonntag. Der Anlass findet nicht statt, wann er nachgeholt wird, steht noch nicht fest.
Hochs und Tiefs gab es einige in den 75 Jahren des Vereins. Gelungene Auftritte und ein voll besetztes Festzelt, das der Sturm beinahe weggezerrt hätte.
In seiner Blütezeit zählt der Chor 51 Mitglieder, heute sind es 24 aktive Sänger. «Die Qualität stimmt», sagt Sänger Karl Schmid. Klang und Harmonie hätten sich erfreulich entwickelt. Die Kameradschaft und das gesellige Beisammensein ebenfalls «Wir gehen nicht nur zum Singen in die Probe.» Leider fehle das nun merklich.
Ob das Konzept Männerchöre noch lange Bestand haben wird, ist laut Karl Schmid ungewiss. Gesungen werde aber weiterhin. «Es gibt noch erfreuliche viele Chöre.»
Schöne und stürmische Zeiten
Der Männerchor Widen feiert sein 75-jähriges Bestehen
Alles war bereit für das grosse Jubiläumskonzert Anfang Mai. Die schönsten und beliebtesten Lieder aus dem umfangreichen Repertoire sollten vorgetragen werden. Die Verschiebung der Feier ist ein weiterer Mosaikstein in der Geschichte des Vereins.
Erika Obrist
Der Festführer ist gedruckt. «Den 75. Geburtstag unseres Männerchors Widen feiern zu können und nicht etwa nur in alter Frische, sondern in recht gutem Zustand, ist auch für uns Sänger etwas speziell Erfreuliches», hält Präsident Werner Hanselmann zur Begrüssung der Besucherinnen und Besucher des Jubiläumskonzerts fest. Dieses war für den 2. Mai vorgesehen. Beliebte und schöne Lieder aus dem reichhaltigen Repertoire wollte der Chor aufführen. «Eine Art Bestof», sagt Karl Schmid, der den Festführer zusammengestellt hat.
Auftritte sind wichtig
Nach dem Konzert war eine Festwirtschaft im Kibizi eingeplant. Eine mit einem grösseren Angebot als üblich. Und zum Abschluss am Sonntag ein Auftritt im ökumenischen Gottesdienst mit anschliessendem Apéro riche. «Auch für die Sänger wäre das ein schöner Ausklang des Jubiläumswochenendes gewesen», sagt Karl Schmid etwas wehmütig. Denn das Konzert findet nicht statt. «Sicher wollen wir das einstudierte Programm dem Publikum präsentieren», sagt Schmid. Das Wann stehe jedoch noch nicht fest.
«Es ist für den Chor wichtig, dass er sich regelmässig in der Öffentlichkeit zeigt», fährt Schmid weiter. Damit er nicht vergessen geht. Damit die Mitglieder zeigen können, was sie in den Proben einstudiert haben. «Zudem ist das Konzert eine wichtige Einnahmequelle für den Verein.» Denn die Ausgaben für die Direktion und das Notenmaterial schlagen zu Buche.
Gute Qualität
«Wir haben eine gute Qualität», freut sich Schmid. Die 24 Sänger und ihre Dirigentin Liuba Chuchrova bildeten ein harmonisches Team. Die Dirigentin verstehe es, die Stimmen zum Klingen zu bringen. Wie lange das anhalte, wisse niemand angesichts des Alters der Sänger.
Bei der Gründungsversammlung im Dezember 1945 sah das ganz anders aus. Von den 19 Gründungsmitgliedern waren neun zwischen 18 und 20 Jahre alt, acht zwischen 20 und 26 Jahre und nur zwei waren älter. Junge Burschen fanden sich zusammen. Zupackend und vital. Einen Dorfverein hatten sie ins Leben gerufen im damaligen 350-Seelen-Dorf, um zusammen zu singen und sich kameradschaftlich betätigen zu können. Sie sangen zu Geburtstagen und Beerdigungen, zu Hochzeitsjubiläen und Klassenzusammenkünften, an Kirchenfesten, für Gönner und mit befreundeten Chören. Vor allem aber bereicherte der junge Verein das Dorfleben. Er rief das Wiesenfest ins Leben, er veranstaltete Oktoberfeste, Abendunterhaltungen, Lottomatches und Fasnachtsbälle.
Denkwürdige Feste
Vier Jahre nach der Gründung richtete der junge Verein den Sängertag des Hasenbergverbands aus; er verband das mit der Weihe der ersten Vereinsfahne. Sechzehn Chöre nehmen daran teil. Beim Festakt wird das Vereinsbanner entrollt. «Der schönste und erhabenste Augenblick des Tages», hält der damalige Aktuar Bruno Stutz fest. Den Anlass mit gegen tausend Teilnehmenden zu stemmen, war für den kleinen Verein eine Herkulesaufgabe. Zum Glück halfen die anderen Dorfvereine mit.
Mit angepackt haben die Dorfvereine auch beim Sängertag im Juni 1975. Dieser stand aber unter keinem guten Stern. Für die Abendunterhaltung wurde der bekannte Schaggi Streuli (Polizist Wäckerli) als Conférencier verpflichtet. Er kam aber nicht gut an beim Wider Publikum und musste unter Johlen und Pfeifen das Feld vorzeitig räumen. Zudem brach am Sonntag ein Sturmwind los, der das voll besetzte Festzelt wegzuwinden drohte. Die Sänger mussten aufs Zeltdach klettern und die Feuerwehr bespritzte die Blachen, damit sie schwerer wurden und nicht vom Sturm zerfetzt wurden.
Starker Zusammenhalt
Im Laufe der Jahre hat der Männerchor an diversen Gesangsfesten und Sängertagen teilgenommen. Mit unterschiedlichem Erfolg. Nicht immer gingen die Sänger mit den Experten einig. Im Jahr 1991 aber schon. Da gab es am Schweizerischen Gesangsfest in Luzern für den Männerchor Widen unter der Leitung von Fritz Fehr ein «sehr gut».
Die Geschichte des Vereins ist wechselvoll. Es gab Jahre, da war der Probenbesuch erfreulich hoch, in anderen miserabel. Die Mitgliederzahl schwankte. Mit der Verpflichtung von Dirigent Fritz Fehr im Jahr 1990 stieg sie bis auf 51 Mitglieder an.
Heute sind es beim Männerchor 24 aktive Sänger. Sängertage durchführen können sie nicht mehr, weil die Infrastruktur dafür in Widen fehlt. «Einen solchen Anlass ausrichten können nur noch Vereine, die eine grosse Mehrzweckhalle zur Verfügung haben», zeigt Karl Schmid auf. Eine Halle für an die 500 Teilnehmende. Mit Konzertsaal, beispielsweise einer Kirche, in der Nähe.
Der Chor habe derzeit einen sehr guten Zusammenhalt, sagt Karl Schmid. «Wir treffen uns nicht nur zum gemeinsamen Singen», sagt er. Auch die Kameradschaft werde gepflegt. Regelmässig kehre man nach den Proben noch im «Testarossa» ein. Fast alle seien bei dieser Verlängerung des Probeabends dabei. Dass seit dem Kontaktverbot keine Proben mehr stattfinden, trübt das Vereinsleben. «Wir haben zwar noch telefonisch Kontakt miteinander, aber das lässt sich nicht vergleichen mit dem persönlichen Gespräch am Tisch.»
Schmid ist seit nicht ganz zwei Jahrzehnten im Männerchor. Er hat sich auch im Vorstand engagiert: vier Jahre als Kassier und neun Jahre als Präsident. Er lobt die Dirigentin Liuba Chuchrova. Sie fordere viel, immer in aufbauender Art. «Ihr Enthusiasmus steckt an.» Das Singen mit ihr mache Spass. Wie lange noch? «Solange der Klang und die Harmonie noch da sind, machen wir weiter», blickt Schmid in die Zukunft. Ob das Konzept Männerchor allerdings noch lange Bestand haben werde, sei ungewiss. Chöre hingegen schon. «Es gibt erfreulicherweise noch viele davon in der Region.»
Weshalb ist er noch dabei? Weil es Spass mache, Stimme und Chorklang zu entwickeln. «Und weil das Singen, wie das Lachen und das Weinen, aus tiefster Seele kommt.»



