Unter erschwerten Bedingungen
27.03.2020 BremgartenAktuelle Situation in Alterszentrum Bärenmatt, St. Josef-Stiftung und St. Benedikt
Die Coronavirusepidemie und die dazugehörigen behördlichen Regelungen verlangen von den in Bremgarten ansässigen Einrichtungen einiges ab. Dennoch läuft der Betrieb ...
Aktuelle Situation in Alterszentrum Bärenmatt, St. Josef-Stiftung und St. Benedikt
Die Coronavirusepidemie und die dazugehörigen behördlichen Regelungen verlangen von den in Bremgarten ansässigen Einrichtungen einiges ab. Dennoch läuft der Betrieb hochprofessionell ab.
André Widmer
Institutionen mit einer besonders wegen des Coronavirus gefährdeten Personengruppe sind das Alterszentrum Bärenmatt in Bremgarten sowie die Schwestereinrichtung Burkertsmatt auf dem Mutschellen, die dem gleichen Gemeindeverband angehören. Der Sonderbetrieb unter den erschwerten Bedingungen ist in den beiden Zentren gemäss Roger Cébe gut angelaufen. Den Besucherstopp hat man bereits eingeführt, bevor die Anweisung vom Bund kam. Eine Ausnahme für Besuch konnte im Falle einer im Sterben liegenden Person gemacht werden.
Der Versuch der Normalität
In der Bärenmatt und der Burkertsmatt läuft der Betrieb weiterhin hochprofessionell ab. «Das Verständnis ist deckungsgleich in beiden Häusern durchwegs positiv, auch nach den anfänglichen Ängsten», so Roger Cébe. Es sei wichtig, dass Thema ernst zu nehmen, als professioneller Betrieb sei man gut aufgestellt. Man versucht in den Alterszentren, trotz des Ausnahmezustandes eine gewisse Normalität aufrechtzuerhalten. Erfreulich die Solidarität, die man erfährt: Es gab Blumenspenden. Und die Gemeinde Eggenwil hat 5000 Schutzmasken aus Lagerbeständen zur Verfügung gestellt.
Auch in der St. Josef-Stiftung gilt ein Besuchsverbot. Die St. Josef-Stiftung habe Erfahrung mit der Isolation von Wohngruppen, erklärt Leiter Thomas Bopp. «Aufgrund von Verdachtsfällen mussten wir dies bereits schon vor einigen Tagen anwenden. Die Abläufe und Prozesse sind klar definiert, betroffen ist zum Beispiel auch das Reinigungspersonal, welches speziell instruiert wurde.» Viele Bewohner der Stiftung realisieren die Situation, da der Alltag sich verändert hat. So wurden beispielsweise gewisse Therapien vorübergehend ausgesetzt. Man könne die längerfristigen Auswirkungen noch nicht abschätzen. «Unsere Mitarbeitenden sind gefordert. Die Bedürfnisse der Bewohner richten sich nicht nach Covid-19. Beschäftigung findet jetzt viel mehr innerhalb der Wohngruppe statt.» Im Sonderschulheim St. Benedikt ist derzeit nur noch ein Drittel der Kinder anwesend.
Im Sonderbetrieb
Heime in Bremgarten und Hermetschwil-Staffeln unter erschwerten Bedingungen
Alterszentrum, Sonderschulheim St. Benedikt und St. Josef-Stiftung sind aufgrund der Coronaepidemie und der dazugehörigen behördlichen Regelungen stark gefordert. Es kam auch bereits zu Isolationsfällen.
André Widmer
Institutionen mit einer besonders wegen des Coronavirus gefährdeten Personengruppe sind das Alterszentrum Bärenmatt in Bremgarten mit 71 Bewohnern sowie die Schwestereinrichtung Burkertsmatt auf dem Mutschellen mit 83 Bewohnern. Der Sonderbetrieb unter den erschwerten Bedingungen ist in den beiden Zentren gemäss Roger Cébe gut angelaufen. Den Besucherstopp hat man bereits eingeführt, bevor die Anweisung vom
Bund kam. «Um das Risiko zu minimieren», so Cébe. Im Moment sei auch noch kein «Koller» bei den Bewohnern entstanden, obwohl bereits seit drei Wochen kein Besuch in die Häuser durfte. Ausnahmen bilden nur Fälle, in denen Bewohner kurz vor dem Tod stehen oder sich in einem ganz schlechten gesundheitlichen Zustand befinden. Bisher war das erst einmal der Fall, erläutert Cébe weiter.
Zugute kommen den Alterszentren derzeit die bereits in der Vergangenheit im Ernstfall gemachten Erfahrungen betreffend des Noro-Virus. 2013 traf es das Zentrum Bärenmatt, es gab damals eine Quarantäne. Und jetzt gingen die Zentrumsbewohner mit den Massnahmen gut um, sie und ihre Angehörigen haben Verständnis, auch wenn die Situation nicht einfach ist. «Das Verständnis ist deckungsgleich in beiden Häusern durchwegs positiv, auch nach den anfänglichen Ängsten», so Roger Cébe. Es sei wichtig, das Thema ernst zu nehmen, als professioneller Betrieb sei man gut aufgestellt. Man versucht in den Alterszentren trotz des Ausnahmezustandes eine gewisse Normalität aufrechtzuerhalten. Gemäss Brigitte Weibel, Leiterin Pflege und Betreuung, wird im Bereich der Alltagsgestaltung das Programm umgestaltet. Es kann mit Gruppen von bis zu vier Personen gearbeitet werden – natürlich mit den geforderten Sicherheitsregeln wie Abstandhalten. Ebenfalls wird den Bewohnenden die Möglichkeit geboten, via Skype mit ihren Angehörigen Kontakt zu haben. Für rund zehn Personen, die auswärts leben und deren Angehörige in der Bärenmatt leben oder lebten und die ohne Mahlzeiteneinnahme vor Ort verloren wären, hat man im angebauten und separaten Pavillon eine Lösung gefunden.
Blumen und 5000 Schutzmasken
Die Zentren verfügen derzeit über genügend Pfleg personal und weitere Mitarbeiter, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Weil zwei Fachkräfte positiv auf das Coronavirus getestet wurden, sind die von ihnen betreuten Bewohner in Isolation gesetzt worden. Die beiden Angestellten dürfen nach ihrer Genesung schon bald wieder arbeiten. Total beschäftigen die beiden Alterszentren rund 220 Mitarbeiter.
Sowohl Direktor Roger Cébe als auch Brigitte Weibel erwähnen die grosse Solidarität, die das Haus derzeit erfährt. So habe eine Schülerin den Bewohnern einen Brief zur Aufmunterung geschickt. Handfest sind ebenfalls die (geschenkten) Blumenlieferungen von der Migros, der Landi Widen, der Gärtnerei Gisler aus Niederwil und der reformierten Kirchgemeinde. Und schon fast selbstlos die wichtige Geste der Gemeinde Eggenwil: Sie hat eine Reserve an 7000 Schutzmasken und spendet 5000 davon an das Alterszentrum in Bremgarten.
Klienten mit erhöhtem Risiko
Auch in der St. Josef-Stiftung gilt ein Besuchsverbot. «Davon betroffen sind auch alle freiwillig Tätigen auf den Wohngruppen. Statt physischen Treffen halten wir den Kontakt aufrecht mit Telefongesprächen, Skype-Anrufen, Facetime und so weiter», erklärt Stiftungsleiter Thomas Bopp. Die Stiftung ist ein Arbeitgeber, der normalerweise 375 Mitarbeiter beschäftigt. «Aufgrund der Schliessung der Schule arbeiten die Lehrpersonen, Klassenassistenten und die Mitarbeitenden der Früherziehung und Frühlogopädie sowie der Psychomotorik aktuell nicht mit den Kindern», so Bopp weiter. Dies betreffe rund 85 Personen. «Im Erwachsenenbereich haben wir rund 80 Klientinnen und Klienten im Wohnen und Beschäftigung inklusive Mitarbeitende im geschützten Arbeitsbereich und Tagesstätte. Im Bereich Kinder sind es über 100.» Thomas Bopp erläutert, dass schon vor der Schulschliessung eine Trennung zwischen den Kindern der Heilpädagogischen Schule Klösterli sowie des Kinderhorts und der Wohngruppen des Hauses Fortuna festgelegt worden sei. «Diese Trennung ist innerhalb des Grundstücks klar definiert. Vor allem im Haus Fortuna leben diejenigen Klienten, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht.»
Die St. Josef-Stiftung habe Erfahrung mit der Isolation von Wohngruppen. «Aufgrund von Verdachtsfällen mussten wir dies bereits schon vor einigen Tagen anwenden. Die Abläufe und Prozesse sind klar definiert, betroffen ist zum Beispiel auch das Reinigungspersonal, welches speziell instruiert wurde», äussert sich der Stiftungsleiter weiter. Viele Bewohner der Stiftung verstehen die Situation, da der Alltag sich verändert hat. So wurden beispielsweise gewisse Therapien vorübergehend ausgesetzt. Man könne die längerfristigen Auswirkungen noch nicht abschätzen. «Unsere Mitarbeitenden sind gefordert. Die Bedürfnisse der Bewohner richten sich nicht nach Covid-19. Beschäftigung findet jetzt viel mehr innerhalb der Wohngruppe statt.»
Arbeit in anderen Bereichen
Die Mitarbeiter der St. Josef-Stiftung gehen mit der Herausforderung sehr professionell um. Natürlich sei auch eine gewisse Verunsicherung wegen des Coronavirus ganz allgemein wie bei anderen Menschen auch bei den Mitarbeitern spürbar, ergänzt Mirjam Hegenbarth, Marketing und Kommunikation der Stiftung. Das hat aber auf die Professionalität der Betreuung keinen Einfluss. Zur personellen Situation erklärt Stiftungsleiter Thomas Bopp: «Auf den Wohngruppen, im medizinischen Dienst und in der Ökonomie sind alle Hände gefordert. Wir haben auch Mitarbeitende, die interimistisch in anderen Bereichen arbeiten. Die Stimmung ist grundsätzlich gut. Die Mitarbeiter handeln verantwortungsvoll und pflichtbewusst und sind gegenüber den Klienten und der Stiftung äusserst solidarisch. Die Ressourcen sind jedoch knapp.»
Zwei Drittel weniger Kinder
Ebenfalls den Betrieb nicht schliessen konnte das Sonderschulheim St. Benedikt Leben und Lernen. Denn von den insgesamt 37 Kindern und Jugendlichen, die sonst hier wohnen und leben, sind derzeit aktuell 12 Kinder in Hermetschwil-Staffeln. Dabei handelt es sich gemäss Gesamtleiterin Pia Iff nur noch um diejenigen, die behördlichen Kinderschutzmassnahmen unterstehen oder wo das Familiensystem zu belastet ist. Mit anderen Worten handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die aus Gefährdungsgründen nicht in die Familie zurückgeschickt werden dürfen. Die anderen zwei Drittel sind zurück in den Familien. Ist das St. Benedikt eigentlich eine stationäre Sonderschule, werde nun auch intensive ambulante Betreuung geboten. Eltern werden zu Hause zwei- bis dreimal pro Woche telefonisch gecoacht. Teilweise aber auch mehrmals täglich, verrät Pia Iff. «Auch für uns ist das ein lehrreicher Prozess, es ist die Zukunft, ambulant zu arbeiten. Auch eine Chance.» Allerdings sei es auch enorm aufwendig, so Iff, die richtige Balance zwischen stationärer und ambulanter Begleitung zu finden. «Wir planen nur gerade die nächsten drei bis vier Tage.»
Im St. Benedikt wird selbstverständlich darauf geachtet, die Abstände zwischen den Personen einzuhalten. Die Kinder leben jetzt noch auf vier Häuser verteilt. Täglich sind sie etwa drei Stunden mit der Aufarbeitung von Lernstoff engagiert. Auch sonst sind sie aktiv, es gab beispielsweise eine Veloputzaktion oder Betätigung in der Turnhalle in Kleinstgruppen. Und: «Das Wetter spielt mit», so Iff. So sind Aktivitäten draussen auf dem Areal möglich. Dankbar sei man auch für das erweiterte Angebot von SRF my school, sagt die Gesamtleiterin.
Vorbereitet hat man im Jugendwohnhaus auch zwei Isolationszimmer. Zwei Kinder waren bereits in Quarantäne, sie hatten jedoch eine einfache Grippe. «Für Kinder ist es sehr schwierig, in Quarantäne zu sein», so Iff. Der Kontakt «nach draussen» wird nur in Ausnahmefällen, lediglich an Wochenenden, gepflegt und auch dann nur mit dem gebührenden Abstand. Die Verwaltungsleute begeben sich derzeit nicht in die Wohnhäuser. Die Betreuungspersonen dort leisten enorme Arbeit und Einsatz, lobt Leiterin Pia Iff. Der Betrieb kann aufrechterhalten werden, auch wenn einige Personen aufgrund der Angehörigkeit zu einer Risikogruppe derzeit fehlen.



