In neuen Händen
31.03.2020 Region BremgartenFabian Spielhofer übernimmt «Chäsi»
Die «Chäsi Künten» hat ab morgen, 1. April, mit Fabian Spielhofer einen neuen Inhaber. Sibylle und Sepp Brülisauer ziehen sich nach 35 Jahren an diesem Standort zurück. Spielhofer arbeitet seit ...
Fabian Spielhofer übernimmt «Chäsi»
Die «Chäsi Künten» hat ab morgen, 1. April, mit Fabian Spielhofer einen neuen Inhaber. Sibylle und Sepp Brülisauer ziehen sich nach 35 Jahren an diesem Standort zurück. Spielhofer arbeitet seit sechs Jahren in der Firma. Im Sommer wird er aus dem luzernischen Müswangen ins Reussdorf ziehen. Am bisherigen Konzept mit Verkauf nach Deutschland sowie an Schweizer Grossverteiler und dem Direktverkauft möchte er nichts ändern. Ebenfalls entwickelt er neue Käsesorten, um auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen. «Den Geist von Sibylle und Sepp Brülisauer möchte ich unbedingt beibehalten», verspricht Fabian Spielhofer. --rwi
Nachfolger übernimmt das Zepter
Sepp und Sibylle Brülisauer übergeben ihre Käserei an Fabian Spielhofer
Ab morgen, 1. April, hat die «Chäsi Künten» mit Fabian Spielhofer einen neuen Inhaber. Er zieht dafür extra aus dem Kanton Luzern in das Reussdorf. Am bewährten Konzept wird er nichts ändern.
Roger Wetli
«Wir sind äusserst glücklich, dass wir mit Fabian Spielhofer einen sehr geeigneten neuen Inhaber finden konnten», betont der 61-jährige Sepp Brülisauer. Es sei schon seit längerer Zeit ihr Plan gewesen, etwas vor dem Pensionsalter aufzuhören. «Dies, weil wir immer sehr viel gearbeitet haben.»
Sepp Brülisauer verdeutlicht dies: «Der Tag beginnt um 3.30 Uhr. Ab dann sind es meist 12 bis 15 Stunden. Und das sieben Tage die Woche. Pro Jahr hatten wir wohl selten mehr denn zehn freie Wochenenden.» Er habe die Arbeit immer gerne gemacht. Die langen Tage seien nötig, damit drei bis vier Mal pro Tag gekäst werden könne. So entstehen mit 7500 bis 10 000 Litern frischer Milch täglich 750 bis 1000 Kilogramm Käse. «Wichtig ist, dass die Milch nicht gelagert, sondern frisch verarbeitet wird. Darum arbeiten wir jeden Tag», so Brülisauer. Ein weiterer Grund für die jetzige Übergabe sind zunehmende Rückenprobleme. Er habe sich immer öfter schonen müssen.
Alle Zelte abbrechen
Der 37-jährige Nachfolger Fabian Spielhofer begann in der «Chäsi Künten» vor sechs Jahren als Fabrikationschef. «Wir haben gesehen, dass er seine Sache gut macht und ihn darum angefragt, ob er Lust hätte, den Betrieb zu übernehmen», schaut Sepp Brülisauer zurück. Spielhofer überlegte sich darauf die Sache gut. «Die Anfrage ehrt mich noch heute und zeugt von einem riesigen Vertrauen», so der neue Besitzer und gelernte Käser mit Meisterprüfung. «Käsen ist ein sehr schöner Beruf. Aber auch der Verkauf und die interne Organisation sind sehr spannende Themenfelder.»
Spielhofer übernimmt aber nicht nur die Firma, sondern zieht im Sommer auch gleich in die Wohnung der Brülisauers. «Ich breche alle Zelte in Müswangen ab», lacht er. «Auch das brauchte einige Nächte zum Überlegen.» Als Käsereichef sei es aber wichtig, nahe beim Betrieb zu wohnen. Der Übernahmeprozess begann vor zwei Jahren. «Mit dem Ergebnis sind wir nun äusserst zufrieden», strahlen alle.
Direktverkauf als Garant für Innovation
Der neue Besitzer übernimmt alle bisherigen Mitarbeiter. Zudem wurden 2019 neue Leute eingestellt, um die Lücken zu füllen, die durch den Wechsel entstanden wären. «Der Wechsel erfolgt deshalb nahtlos», sind Sepp und Sibylle Brülisauer glücklich. Eine kleine Änderung gibt es beim Firmennamen. Aus der «Sepp Brülisauer Käse AG» wird die «Brülisauer Käse AG». «Brülisauer» sei auf dem Markt ein etablierter Name. «Zudem möchte ich den Geist der beiden in der Firma und in den Produkten erhalten», so Spielhofer.
«Wir möchten weiterhin innovative Käsesorten entwickeln und dabei auf die Wünsche der Kunden eingehen.» Eine zentrale Rolle spiele dabei der Direktverkauf. «Insgesamt ist der Käseabsatz dort sehr klein. Die Konsumenten geben uns hier aber unmittelbare Rückmeldungen. Dies auch, wenn ein etablierter Käse mal nicht so schmeckt, wie er sollte. Zudem sind die Kunden Versuchskaninchen für neue Kreationen», so Spielhofer.
Aufgrund der langen Lagerzeit dauere die Entwicklung einer neuen Käsesorte rund ein Jahr bis zur Marktreife. Bis sie sich bei den Kunden etabliert habe, seien es weitere zwei bis drei Jahre. Aktuell würden sie mit Ziegenkäse experimentieren. Wobei eine Sorte bereits verkauft wird. Eine Änderung gibt es aber wohl doch. «Bei der Käsesorte Aargauer Traum werden wir wohl den Kopf von Sepp durch meinen ersetzen», lacht der neue Geschäftsinhaber.
Umzug um 70 Meter
Fabian Spielhofer wird am Standort Künten festhalten. «Der Kanton ist für mich sehr spannend, weil es hier nur noch zwei Privatkäsereien gibt.» Auch Sepp und Sibylle Brülisauer bleiben dem Dorf erhalten. Sie ziehen etwa 70 Meter weg von der jetzigen Wohnung in einen Neubau. «Das ist aber nicht als Kontrollstelle gemeint», betont Sepp Brülisauer. «Wir fühlen uns in Künten einfach wohl. Es ist unsere Heimat geworden. Wir sind hier sehr gut verankert. Zudem erhalte ich eine schöne Werkstatt, in der ich wirken kann.»
Ab morgen Mittwoch werden die beiden einfach einmal ihre neu gewonnene Freizeit geniessen. Der Umzug erfolgt im Sommer. «Zuerst gilt es jetzt noch, das Haus fertig zu bauen. Dann schauen wir, was kommt», so Sepp Brülisauer.
Er werde die Arbeit wohl vermissen, fährt er weiter. Sibylle Brülisauer freut sich sehr. «Es wird sicher weniger hektisch als bisher.» Sie bedauern, dass ihr Abgang aufgrund der Viruskrise etwas ruhiger als angedacht geschehen wird. «Es wäre ein kleines Fest angedacht gewesen. Vielleicht holen wir das aber noch nach, wenn alles überstanden ist», betonen die beiden.
Grosse Verantwortung
Auch für Fabian Spielhofer beginnt morgen ein neuer Lebensabschnitt. «Vor der grösseren Verantwortung habe ich Respekt. Die Entscheidungen werde ich künftig alleine tragen müssen. Wobei ich mich bei Fragen immer noch an Sepp und Sibylle Brülisauer wenden darf. Diese Freundschaft bleibt uns erhalten.»
35 Jahre in Künten
Sepp Brülisauer wuchs in einer Landwirtscha ftsfamilie im sankt-gallischen Rossrüti auf. Seine Frau Sibylle stammt aus Endingen. 1985 übernahmen sie die Künter Käserei im Auftrag der Milchgenossenschaft. 1991 wurde es ein eigenständiger Betrieb. Die Käserei produziert rund 22 Käsesorten. Der Verkauf erfolgt zu 50 Prozent nach Deutschland und zu 50 Prozent an Schweizer Detailhändler. Daneben gehört zum Betrieb ein Direktverkauf in Künten. Die Firma beschäftigt neun Angestellte. --rwi


