Abenteuer in Afrika
18.02.2020 MutschellenHanspeter Dubler erzählt von Erlebnissen während der Ausbildung zum Ranger
Im Oktober begann Hanspeter Dubler die Ausbildung zum Ranger in Südafrika. Mittlerweile hat er alle Prüfungen bestanden. Während seinen «Ferien» in der Schweiz ...
Hanspeter Dubler erzählt von Erlebnissen während der Ausbildung zum Ranger
Im Oktober begann Hanspeter Dubler die Ausbildung zum Ranger in Südafrika. Mittlerweile hat er alle Prüfungen bestanden. Während seinen «Ferien» in der Schweiz erzählt er von seinen Erlebnissen.
Chantal Gisler
«Es war etwa 22.15 Uhr, ich hatte Nachtwache», erzählt Hanspeter Dubler. «Die Sterne leuchteten im Himmel, es war eine wunderschöne Atmosphäre.» Lichtverschmutzung gibt es im Krüger-Nationalpark kaum. «Es ist ein ganz anderes Gefühl in der Natur.» Die Milchstrasse ist von blossem Auge erkennbar. «Dann hörte ich ihn. Der Elefant musste etwa 15 bis 20 Meter von mir entfernt sein.» So nahe war er dem riesigen Grauen noch nie gekommen. «So nah kommt man diesen Tieren normalerweise nicht. Das war ein einzigartiges Erlebnis.» Und einer der Gründe, weshalb sich Dubler auf dieses Abenteuer einliess.
Vor rund neun Monaten verkaufte er sein Fotogeschäft im Bremgarter Sunnemärt. Damit begann sein grosses Abenteuer in Südafrika. Seither lebt der 55-Jährige im Camp im Krüger-Nationalpark. «Einmal pro Tag haben wir Strom, um Handys und Kameras aufzuladen», betont Dubler. Wenn er von seinen Erlebnissen erzählt, fühlt man sich, als wäre man hautnah mit dabei.
Der, der auf der Motorhaube sitzt
Zu fast jedem Tier auf seinen zahlreichen Fotos kann er etwas erzählen. So auch zu einem perfekten Abdruck einer Löwenpfote im Wüstensand. «Die ist von einem Löwenweibchen, vorne links», erklärt er. Für ihn gehört dieses Wissen über die Tiere im Park zur Ausbildung als professioneller Field Guide. «Ich begleite die Touristen in den Nationalpark», erklärt er und führt aus. «Der, der auf der Motorhaube sitzt und die Spuren der Tiere liest, das bin ich.» Die Geschichten zu den Tieren erzählen sich bei ihm wie von alleine. Neben den schönen Geschichten aus Afrika gibt es noch ernste Themen, wie zum Beispiel die Sache mit den Wilderern. «Sie kommen meist aus dem angrenzenden Mosambik», erklärt er. Der Krüger-Nationalpark ist in Südafrika mit einem Zaun geschützt, aber die Tiere können sich über die Grenzen hinweg frei bewegen. «Sie merken aber, dass sie im südafrikanischen Teil sicherer sind.» Das zwingt die Wilderer, in die Gebiete der Südafrikaner vorzudringen. «Es ist ein heikles Thema.»
Ausbildung im Busch
Hanspeter Dubler erzählt von seinen Erlebnissen im Krüger-Nationalpark
Heute Dienstag fliegt Hanspeter Dubler wieder zurück nach Südafrika. Dort wird er ein halbjähriges Praktikum im Nationalpark beginnen. Seine Bestimmung hat er dort gefunden.
Chantal Gisler
In Südafrika hat Hanspeter Dubler den Umgang mit Waffen kennengelernt. Geschossen werden darf nur im äussersten Notfall. Bisher musste Dubler nicht abdrücken. «Zum Glück.» Aber brenzlige Situationen habe es schon gegeben. «Einmal waren wir mit einer Gruppe unterwegs», erzählt er. «Wir kamen zu einer Büffelherde.» Normalerweise sind die Tiere eher scheu. Doch nicht dieses Mal. «Der männliche Büffel wollte wohl sein Revier markieren und rannte auf uns zu.» Panik? Nein. «In solchen Situationen muss man ruhig bleiben und auf den vordersten Guide hören. Weglaufen wäre das Dümmste, was man machen kann. Man spricht auch mit den Tieren, um ihnen zu zeigen, dass man ein Mensch und keine Gefahr oder Beute ist.» Kurz vor der Gruppe stoppte der Büffel und rannte wieder zurück zu seiner Herde. «Im Gänsemarsch machten wir uns auf den Rückweg.» Davon offenbar bestärkt sprang der Büffel wieder auf die Gruppe zu. Und wieder stoppte er kurz vor der Gruppe.
«Ein anderer Ranger hätte wohl geschossen, aber unser Ranger hörte auf sein Bauchgefühl und schoss nicht.»
Volles Programm
Vor rund einem Jahr gab Dubler bekannt, dass er sein Fotogeschäft im Bremgarter Sunnemärt aufgibt, um die Ausbildung zum Ranger in Afrika zu beginnen. Im Oktober reiste er schliesslich nach Südafrika in den Krüger-Nationalpark. «Eine ganz andere Welt», erzählt er. Aber eine, die ihm schon bekannt ist. Mit einem Freund aus Dottikon reiste er vor 20 Jahren zum ersten Mal nach Südafrika. «Da hat mich das Afrika-Virus gepackt.» Immer wieder reiste er nach Südafrika, bis er sich entschied, sich dort etwas aufzubauen.
«Die Ausbildung zum Ranger war sehr anstrengend, aber sehr erfüllend», sagt Dubler. Um 4.15 Uhr begann der Tag für ihn. Danach ging es zum Walking in den Park. Anschliessend gab es eine Pause. Danach hiess es büffeln: «Man lernt sehr viel über die Tiere, aber auch über die Entstehung des Parks. Beispielsweise, wo sich bestimmte Tiere besonders wohlfühlen. auch im Spurenlesen übt man sich.» Nach der Theorie hatten die Auszubildenden Zeit, um für sich zu lernen, anschliessend gab es Lunch. Danach ging es weiter mit dem Auto in den Park bis zum Abendessen. «Während vier Monaten war das jeden Tag mein Ablauf.» Man bedenke: «Es herrscht eine trockene Hitze dort, rund 40 Grad warm war es.»
Keine Spuren hinterlassen
Die Ausbildung hat Hanspeter Dubler viel Spass gemacht. «Ich kam gut mit, auch wenn Englisch nicht meine Muttersprache ist.» Er interessiert sich sehr für die Tiere im afrikanischen Busch – das ist die Hauptsache. Ihm macht es Spass, die Gruppen durch den Nationalpark zu führen und ihnen von den Tieren zu erzählen. «Den Krüger-Nationalpark kann man mit dem Auto, aber auch zu Fuss besuchen. Es gibt auch sogenannte Sleepouts, bei denen man draussen im Busch übernachtet.» Das Wichtigste dabei ist, dass die Ranger die Natur so zurücklassen, wie sie gewesen ist. «Man darf nicht sehen, dass wir da waren.» Nicht etwa wegen den Wilderern, sondern um das Ökosystem nicht zu belasten. So müssen die Steine, wenn ein Feuer gemacht wird, genug weit entfernt sein, damit sie nicht ankohlen.
Keine Festanstellung
Jetzt hat Hanspeter Dubler alle seine Prüfungen bestanden und gönnt sich eine kleine Auszeit im Freiamt. Insgesamt 19 Ranger wurden im letzten Jahr ausgebildet. «Es sind Leute aus der ganzen Welt dabei, aber ich bin der einzige Schweizer.» Und wie geht es jetzt für ihn weiter? «Jetzt beginne ich ein halbjähriges Praktikum, im September wird die Graduation, also der Abschluss, sein.» Im Krüger-Nationalpark eine Festanstellung zu suchen, ist für ihn aber nicht möglich. «Bei ihnen gilt auch eine Art Inländervorrang, als Ausländer habe ich da keine Chance.» Das ist auch nicht sein Ziel. «Ich möchte Reisen von der Schweiz nach Afrika anbieten und den Menschen die Vielfalt näherbringen.»
Ganz nach Afrika ziehen wird er nicht. «Das möchte ich auch nicht», bekräftigt Dubler. «Meine Heimat ist immer noch hier in Widen. Und das wird auch so bleiben.»



