Überall für alle im Einsatz
07.02.2020 BremgartenForum Bremgarten: «Morgenstund» mit Christine Kaspar Frei, Geschäftsleiterin Spitex Freiamt
Die Geschäftsleiterin gab Einblick in die vielseitige Organisation und wie sie zum Pflegeberuf kam. Das zahlreiche Publikum im Restaurant JoJo lernte auch die ...
Forum Bremgarten: «Morgenstund» mit Christine Kaspar Frei, Geschäftsleiterin Spitex Freiamt
Die Geschäftsleiterin gab Einblick in die vielseitige Organisation und wie sie zum Pflegeberuf kam. Das zahlreiche Publikum im Restaurant JoJo lernte auch die Dienstleistungen und die Finanzierung der Non-Profit-Organisation Spitex kennen.
Bernadette Oswald
«Spitex bedeutet spitalexterne Hilfe und Pflege», erklärte Christine Kaspar Frei eingangs. «Die Spitex steht allen Menschen zur Verfügung, die zu Hause auf Unterstützung angewiesen sind.» Deshalb heisse das Motto der Spitex «Überall für alle». «Massgebend für einen Einsatz sind die Notwendigkeit und ein abgeklärter Bedarf. Oberstes Ziel der Spitex ist die Selbstständigkeit der Kundschaft.» Seit acht Jahren ist die diplomierte Pflegefachfrau HF mit Masterstudium in Management und CAS-Diplom in Palliative Care Geschäftsleiterin der Non-Profit-Organisation Spitex Freiamt.
Auch Einsätze erbringen, die nicht kostendeckend sind
«Die Spitex hat einen Versorgungsauftrag und ist in der Schweiz föderalistisch organisiert. Sie wird von der öffentlichen Hand, den Versicherungen und den Kundinnen und Kunden finanziert», zeigte Christine Kaspar Frei auf. Der Versorgungsauftrag bedeute, dass auch nicht kostendeckende Einsätze erbracht werden müssen. «Mit dem rechtlich geschützten grün-blauen Logo ist die Spitex zu erkennen.»
Die Referentin informierte weiter, dass die privaten Spitex-Organisationen ohne Versorgungspflicht arbeiten, und deshalb selber auswählen, wen sie aufnehmen. «Dank Leistungen der Spitex können Betroffene trotz persönlicher Einschränkungen zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben und früher von einem stationären Aufenthalt nach Hause zurückkehren.» 80 Prozent aller Kundinnen und Kunden werden von der Spitex versorgt.
Christine Kaspar Frei zeigte mit einem Film auf, wie eine Fachfrau bei einer Kundin den Pflege- und Hilfsumfang abklärt. «Das ist gesetzlich vorgeschrieben und garantiert, dass die betroffene Person weder unternoch überversorgt wird.» Zum Kernangebot gehören Kranken- und Gesundheitspflege, hauswirtschaftliche Unterstützung sowie Beratung und sozialbetreuerische Begleitung. Auch ambulante Psychiatriepflege und Palliative Care sowie Spitex für Kinder sind im Programm.
Inspiration durch SJW-Heft
Ganzheitlich dort helfen, wo es gebraucht wird, lernte die Rednerin bereits als Jugendliche bei einem Praktikum in der Gemeindepflege. «Das gefiel mir», schaute sie zurück. Geboren und aufgewachsen ist Christine Kaspar Frei im Berner Seeland. «Für mich war schon früh klar, dass ich in die Pflege möchte.» Auslöser sei das SJW-Heft (Schweizerisches Jugendschriftenheft) «Ein weisses Häubchen wünsch ich mir» über den Beruf der Krankenschwester gewesen. Diese Ausbildung war damals erst ab 18 Jahren möglich. Also absolvierte Christine Kaspar Frei nach der Schulzeit diverse Praktika, wo sie auf die Gemeindeschwester Martha traf. «Sie war ein Original und arbeitete sehr selbstständig. Dank ihr lernte ich diesen Weg kennen.» Anschliessend sei ihr klar gewesen, dass sie eine Spitex-Ausbildung in Sarnen machen wollte, dem damals einzigen Ausbildungsort mit dieser Fachrichtung.
Nachfrage steigt
«Es ist ein vielseitiger Beruf, der für medizinische wie auch komplementäre Anwendungen Platz hat. Es ist aber auch ein Beruf mit viel Verantwortung und hohen fachlichen und menschlichen Herausforderungen», weiss Christine Kaspar Frei aus Erfahrung. «Wir sind alleine und bei Wind und Wetter unterwegs.» Sie wies darauf hin, dass Spitex-Fachleute an allen Wochentagen mindestens 12 Stunden im Einsatz sind und abends und nachts bei bestehenden Betreuungsverhältnissen. «Wir erleben Schönes und weniger Schönes und immer mehr Menschen, die einsam sind. Wir sind uns bewusst, dass die Nachfrage nach unseren Leistungen steigt.» Um dem Fachkräftemangel vorzubeugen, ist die Spitex seit mehreren Jahren auch Ausbildungsstätte.
In der Vortragsreihe «Morgenstund» erzählen Freiämter Persönlichkeiten aus ihrem Leben. Am 3. März spricht Herbert Strebel aus Muri um 9 Uhr im Restaurant JoJo. Er ist Präsident von Erlebnis Freiamt und Stiftungsrat des Frauenhauses Aargau-Solothurn.

