Adventsspiel begeisterte
17.12.2019 Region BremgartenNach 22 Jahren Pause findet zurzeit in der Kirche St. Martin wieder ein Adventsspiel statt. Lehrer Toni Bieler hat extra für zwei 5. und zwei 6. Klassen das Stück «Chumm, Ben Charub!» geschrieben und konnte für das Projekt auch Lehrer, den Elternchor und die «ad hoc ...
Nach 22 Jahren Pause findet zurzeit in der Kirche St. Martin wieder ein Adventsspiel statt. Lehrer Toni Bieler hat extra für zwei 5. und zwei 6. Klassen das Stück «Chumm, Ben Charub!» geschrieben und konnte für das Projekt auch Lehrer, den Elternchor und die «ad hoc singers» gewinnen. Zusammen sorgen sie für eine vorweihnachtliche Atmosphäre. Die zweite und letzte Vorstellung findet heute Abend statt. --rwi
Kein reines Theaterspektakel
Schule führt in der Kirche ein Adventsspiel auf
Viel Applaus gab es nach der Vorführung des Adventsspiels «Chumm, Ben Charub!» in der Kirche St. Martin. Nach 22 Jahren Pause wurde wieder eines aufgeführt. Eine weitere Chance, das Schülerspiel zu sehen, gibt es heute Dienstagabend.
Roger Wetli
Geleuchtet und gestrahlt hat am Sonntagabend in der Zufiker Kirche alles: die Augen der 5.- und 6.-Klässler, diejenigen des Elternchors, der verstärkt durch Lehrer und den Kirchenchor wurde, jene der «ad hoc singers» und natürlich diejenigen des Spielleiters und Lehrers Toni Bieler. Die prachtvollen Gewänder taten ihres dazu. Als Toni Bieler in Zufikon zu unterrichten begann, schrieb er das erste Adventsspiel. Bis 1997 fand diese Tradition statt. In seinem letzten Jahr wollte er noch eines durchführen. Wiederum hat er es selber kreiert.
Aktuelle Bezüge
Bielers «Chumm, Ben Charub!» orientiert sich an der Weihnachtsgeschichte. Gespielt wird es von 6.-Klässlern, die ihre Texte in Mundart auswendig und mit klarer, gut verständlicher Stimme aufsagen. Die hochschwangere Maria und ihr Mann Josef reisen nach Bethlehem, um sich in das Steuerregister einzutragen. Dort werden sie von verschiedenen Herbergenbesitzern abgewiesen, bis sie in einem Stall Unterschlupf finden. Derweil entdecken drei orientalische Könige einen Stern, der die Ankunft eines Königs verheisst. Sie machen sich auf den Weg. Das Volk um Bethlehem beklagt die Unterdrückung durch die Römer und hofft auf Änderung.
Die Geburt Jesu klammert Bieler aus. Dafür schafft er Bezug zu aktuellen Geschehnissen. So wird Maria und Josef der Herbergenplatz nicht deshalb verwehrt, weil kein Platz ist, sondern weil sie ärmlich aussehen. «Ich bin auch ohne den Segen eures Gottes reich», wird das Ehepaar verspottet. Die drei Könige hätte der Gastronom dagegen gerne aufgenommen. Derweil klagen die Fischer über schwierige Wirtschaftsverhältnisse und die Frauen am Brunnen über zunehmende Trockenheit. Zwischen den Spielen erzählen verschiedene Schüler die Rahmenhandlungen und der Chor singt verschiedene Lieder, mal alle zusammen, dann wieder nur die Kinder. Zusammen erzeugen sie eine wunderbar besinnliche Stimmung in der Kirche.
Jähes Ende durch Hochwasser
«Chumm, Ben Charub!» ist das 15. Adventsspiel von Toni Bieler. Zwischen 1974 und 1981 führte er jedes Jahr eines auf. Dann gab es einen Zweijahres-Rhythmus, der bis 1997 hielt. «An der Motivation der Schüler lag es nicht, dass ich aufhörte, welche zu schreiben», betont Toni Bieler. «Eigentlich hätte auch 1999 eines stattfinden sollen. Dann überschwemmte aber ein Hochwasser den Schulkeller, in dem die Gewänder des Spiels lagerten. Das führte zum Abbruch.» Besonders bitter sei dies gewesen, weil er erst ein halbes Jahr zuvor die Gewänder an diesen Ort gezügelt hatte. «Rund 70 Stück konnten nicht mehr gerettet werden», schaut er zurück.
In seinem letzten Schuljahr wollte jetzt Bieler diese Tradition nochmals aufleben lassen. Er gewann die Unterstützung seiner Lehrerkollegen und der verschiedenen Chöre. «Die Textil-Werklehrerin und einige Eltern haben geholfen, die Gewänder zu nähen. Der Werklehrer hat Requisiten wie das Boot und den Brunnen erstellt», ist Bieler überglücklich. Geschrieben hat er das Adventsspiel in den Sommerferien. «Ich bin ein Fan solcher Aufführungen. Deshalb hatte ich auch keine Mühe, bei heissen Temperaturen in die richtige Stimmung zu kommen.» Bei der Rollenverteilung hatte er bereits einzelne Schüler vorgesehen, liess sie aber mitwählen. «Ich habe nach so vielen Jahren nochmals etwas gemacht, was ich sehr gerne tue.»
Platz in den Herzen geschafft
Im Stück liess er einen Erzähler fragen: «Soll ein solches Spiel noch Platz in dieser schnelllebigen Zeit haben? Waren die letzten 14 Spiele in Zufikon nur Theaterspektakel? Oder haben wir mit jedem in den Herzen ein bisschen Platz für all diejenigen gemacht, die Hilfe brauchen?» Die Gesichter der Besucher nach der Vorstellung gaben eine klare Antwort.
Das Adventsspiel «Chumm, Ben Charub» wird heute Abend um 19.30 Uhr in der Kirche St. Martin ein zweites Mal aufgeführt.



