Wenn Papier und Körper fliegen
29.10.2019 MutschellenBurkertsmatt: 130 Teilnehmer an der Schweizer Meisterschaft im Schwertkampf
Beeindruckende Präzision, Körperbeherrschung und Disziplin bekam das Publikum bei der offenen Schweizer Meisterschaft im Haidong Gumdo zu sehen in der ...
Burkertsmatt: 130 Teilnehmer an der Schweizer Meisterschaft im Schwertkampf
Beeindruckende Präzision, Körperbeherrschung und Disziplin bekam das Publikum bei der offenen Schweizer Meisterschaft im Haidong Gumdo zu sehen in der Burkertsmatthalle.
Erika Obrist
Ein fast babylonisches Sprachengewirr herrschte am letzten Samstag in der Sporthalle Burkertsmatt. 130 Teilnehmer im Alter von sechs bis sechzig Jahren nahmen an der offenen Schweizer Meisterschaft im Haidong Gumdo, der koreanischen Schwertkampf kunst, teil. «Das ist ein neuer Rekord», freute sich Ralf Sommerfeld, OK-Präsident und Leiter der Haidong-Gumdo-Schule Dietikon. Und wie üblich bei nationalen Meisterschaften wurde zu Beginn die Schweizer Landeshymne abgespielt – und diejenige von Südkorea. «Die Sportart stammt aus Südkorea, sämtliches Material und die Kleidung der Kämpferinnen und Kämpfer ebenfalls», so Sommerfeld. Zudem werden viele Schulen in diversen europäischen Ländern von Südkoreanern geführt.
Erfolgreicher Wohler Nachwuchs
Haidong Gumdo ist eine junge Sportart in der Schweiz. Es gibt 14 Schulen (Dojang), in denen man die Kunst des Schwertkampfes erlernen kann. Eine davon ist in Wohlen. Geleitet wird sie vom 28-jährigen Michael Trottmann, der schon viele Medaillen gewonnen hat. In Widen ist keine dazugekommen, weil er als Kampfrichter im Einsatz war. «Ich bin vor sieben Jahren mit meiner Schwester einmal ins Training in Wohlen gegangen. Das hat uns beiden so gut gefallen, dass wir geblieben sind», erzählt Trottmann. Die Sportart befinde sich noch immer im Auf bau, so Trottmann weiter. In Wohlen trainierten derzeit 14 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Einer von ihnen, Louis Wenk, gewann am letzten Samstag in der Kategorie U12 eine Goldmedaille im Papier-Präzisionsschnitt und eine Bronzemedaille im Formenlauf.
Die koreanische Schwertkampfkunst wird seit 15 Jahren in der Schweiz ausgeübt. Vor sieben Jahren fand die erste Schweizer Meisterschaft statt. Auch diese wurde offen ausgetragen. «Weil die Sportart so jung ist, hat es noch wenige Wettkämpferinnen und Wettkämpfer», erklärt Ralf Sommerfeld. Deshalb können auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus anderen Ländern mitmachen. «Auch Wettkämpferinnen und Wettkämpfer aus der Schweiz nehmen jeweils an Meisterschaften in anderen Ländern teil.»
Anspruchsvolle Aufgaben
Nach 2015 fanden die nationalen Meisterschaften zum zweiten Mal auf der Burkertsmatt statt. «Infrastruktur, Atmosphäre, Lage und Kosten für die Halle sind unschlagbar», nennt Sommerfeld den Grund für die Austragung auf dem Mutschellen.
Ihr Können mit dem Schwert zeigten die Wettkämpferinnen und Wettkämpfer in den Disziplinen Formenlauf, Papier-Präzisionsschnitt, Kerzenlöschen und Ballwurfschnitt. Der Formenlauf besteht aus Bewegungsabläufen mit dem Schwert gegen imaginäre Gegner. Beim Präzisionsschnitt musste an der Leine hängendes Papier möglichst auf der vorgegebenen Linie durchgeschnitten werden. Beim anspruchsvollen Wurfschnitt musste ein Ball in die Luft geworfen, das Schwert gezogen und der Ball in der Luft getroffen werden. Bei den Anfängern gelang das kaum einmal. Und beim Kerzenlöschen wurde das Schwert in einer raschen Bewegung von oben nach unten geführt und kurz über der Kerzenflamme angehalten. Durch den Luftzug musste die Flamme zum Erlöschen gebracht werden. «Das ist höchst anspruchsvoll», so Kampfrichter Michael Trottmann.
Unglaubliche Disziplin
Auffallend war die unglaubliche Disziplin, die Kinder und Erwachsene an den Tag legten. Disziplin bei der Ausführung der Übungen, aber auch Disziplin beim Warten auf den nächsten Einsatz. «Das wird in den Schulen gelehrt», so Ralf Sommerfeld. «Auch das Holzschwert, mit dem die Anfänger kämpfen, ist eine Waffe, mit der respektvoll umgegangen werden muss.» Trainiert werde in den Dojang Kraft, Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Gleichgewicht. Es werde aber auch Wert gelegt auf Mut, Bescheidenheit, Respekt, Ordnung und Gerechtigkeit. Das war den ganzen Tag über zu spüren beim Zuschauen. Keine Diskussionen mit den Kampfrichtern, Applaus für die Gegner und Freude über jede gelungene Darbietung.
Applaus gab es immer wieder von den Zuschauerrängen. Hier sassen vor allem Familienangehörige der Wettkämpferinnen und Wettkämpfer. Angehörige aus Polen, Italien, England, Deutschland und Holland vor allem. Vom Mutschellen hatte es nur wenige Neugierige. Diejenigen, die gekommen waren, brauchten es nicht zu bereuen. Die anderen haben eine einmalige Show verpasst.




