Mit einem Lächeln durch die Welt
03.08.2019 MutschellenRollstuhlsportlerin Patricia Eachus sprach an der Bundesfeier
Neugierig sein wie die Kinder, einander zuhören und die Menschen nicht auf ihr Äusseres reduzieren: Festrednerin Patricia Eachus warb für ein vorurteilsloses ...
Rollstuhlsportlerin Patricia Eachus sprach an der Bundesfeier
Neugierig sein wie die Kinder, einander zuhören und die Menschen nicht auf ihr Äusseres reduzieren: Festrednerin Patricia Eachus warb für ein vorurteilsloses Miteinander.
Erika Obrist
Sehr viele Leute hatten sich auf dem Platz vor der reformierten Kirche Mutschellen zur Bundesfeier eingefunden. Die Musikgesellschaft Eggenwil gab ein Ständchen. Die organisierende und wirtende Gugge Gyre-Sümpfer hatte alle Hände voll zu tun – und schon vor dem Eindunkeln keine Bratwürste mehr. Hungrig musste trotzdem niemand ausharren: Es hatte noch reichlich Grillschnecken.
Gespannt waren die Leute auf die Festrede von Patricia Eachus aus Büron. In der Region kennt man die erfolgreiche Rollstuhlsportlerin, die in Waltenschwil aufgewachsen ist, besser unter ihrem Mädchennamen Keller. Die 29-Jährige errang als Juniorin zehn Weltmeisterschafts-Goldmedaillen. Als Aktive ging sie bisher an vier Weltmeisterschaften an den Start. Nun hofft sie auf eine fünfte Teilnahme, wie Vizeammann Beat Suter bei der Vorstellung der Rednerin ausführte.
Seit ihrer Geburt habe sich für die Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer einiges gebessert. Die Umgebung sei behindertenfreundlicher gestaltet worden. Es habe mehr Rampen, Liftanlagen und rollstuhlgängige Toiletten. «Aber damit ist es nicht getan.» Noch immer sähen viele Leute in Menschen, die im Rollstuhl sitzen, nur die Beeinträchtigung. «Aber haben wir nicht alle irgendwo eine Schwäche, eine Beeinträchtigung?» Andererseits werde sie bewundert, weil sie im Rollstuhl sitze und etwas leiste: im Sport und am Arbeitsplatz. «Aber was ist daran so anders als bei Menschen ohne Beeinträchtigung?»
Die Behinderung sei ein Teil von ihr; für die Gesellschaft jedoch stehe die Beeinträchtigung viel zu sehr im Mittelpunkt. «Sie reduziert mich auf meine Behinderung und gibt mir nicht die Chance, etwas auszuprobieren.» Und wenn sie eine Chance bekomme, vor allem am Arbeitsplatz, sei das mit grossen finanziellen Einschränkungen verbunden. «Weil ich so selbstständig bin, erhalte ich keine Unterstützung von der IV.» Dennoch sei sie froh, so geworden zu sein, wie sie heute ist.
Sie könne die Bürokratie und die Gesetze nicht ändern, «aber es ist mein Ziel, den Menschen bewusst zu machen, dass wir alle auf eine Art und Weise gleich sind und wir mit offenen Augen und einem Lächeln durch die Welt gehen sollten.»
Blick auf den Kern des Menschen richten
Weiter forderte sie die Anwesenden auf, einander zuzuhören – egal ob das Gegenüber eine Behinderung habe oder nicht. «Wir sollten den Blick auf den Kern des Menschen legen und ihn nicht nach Äusserlichkeiten beurteilen.» Sie wünsche sich, dass die Menschen mehr aufeinander achten und vorurteilslos miteinander umgehen. Wie Kinder es tun. «Sie sehen eine Frau auf dem fahrenden Gerät, mit dem man sicher viel Spass haben kann; das macht sie neugierig.» Diese kindliche Neugier wünschte Patricia Eachus auch den Anwesenden. «Seien Sie interessiert an allen Mitmenschen», gab sie ihnen auf den Weg.
Es gab viel Beifall für die Ausführungen von Patricia Eachus. Sie selber erhielt einen grossen Korb mit Erzeugnissen aus der Region.
Nach dem Auftritt der Gugge Gyre-Sümpfer begaben sich die kleinen Kinder auf den Lampionumzug. Es schien eine grosse Runde zu sein, die sie abmarschierten, denn sie kamen und kamen nicht zurück. Deshalb wurde auch das Bundesfeuer später angezündet als üblich. Das tat aber der festlichen Stimmung keinen Abbruch.
Wer noch nicht genug hatte vom Feiern, der konnte bei Kaffee und Kuchen verweilen oder an der Bar.




