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19.07.2019 Region BremgartenEine Pfadi-Gruppe aus Luxemburg zeltet beim Forsthaus
Fast 500 Kilometer wohnen die Pfadfinder aus Rodange im Grossherzogtum Luxemburg von Zufikon entfernt. Bis am nächsten Mittwoch haben sie ihre Zelte am Waldrand in der Nähe des Forsthauses ...
Eine Pfadi-Gruppe aus Luxemburg zeltet beim Forsthaus
Fast 500 Kilometer wohnen die Pfadfinder aus Rodange im Grossherzogtum Luxemburg von Zufikon entfernt. Bis am nächsten Mittwoch haben sie ihre Zelte am Waldrand in der Nähe des Forsthauses aufgeschlagen.
Roger Wetli
Der Platz und die Aufbauten sehen einladend aus. In Reih und Glied stehen drei Feuerstellen und Ess- und Schlafzelte. An einem Ende gibt es eine Dusche und aus Holz gebaute Liegestühle, die zum Verweilen einladen. Dazwischen sieht man die Mädchen und Knaben der Pfadi «Rodange-Lamadelainer» und vernimmt Sätze und Wörter, die einem vertraut vorkommen und die man trotzdem nicht zu 100 Prozent versteht.
Zuvorkommende Behörden
«Luxemburgisch ist eine eigene Sprache», versichert der Lagerverantwortliche Thierry Diedenhofen in lupenreinem Hochdeutsch. Und die jungen Pfadfinder gestehen: «Uns fällt das Lernen von Deutsch viel leichter als von Französisch.» Das Lager der Luxemburger findet nicht zum ersten Mal in Zufikon statt. «Mein Vater war bereits 1965 hier», erklärt Diedenhofen. «Ich kam zum ersten Mal 1989 ins Dorf und leite dieses Lager jetzt zum siebten Mal.» Es findet in unregelmässigen Abständen statt.
«Das Lager in der Schweiz hat bei uns Tradition. Das ist aber nicht der einzige Grund, wieso wir immer nach Zufikon kommen.» Der zugewiesene Platz sei schlicht sehr schön. Zudem sei die Gemeinde sehr zentral gelegen. Die An- und Abreise und die Ausflüge bestreiten die Pfadfinder mit zwei kleinen Bussen. «Wir fühlen uns hier sehr willkommen. Die Behörden sind uns gegenüber sehr unkompliziert und zuvorkommend.» Sie dürften zum Beispiel die Toiletten der Waldhütte nutzen und der Forstbetrieb stelle ihnen die Stangen für die Aufbauten und das Feuerholz zur Verfügung. «Wenn wir kommen, ist alles vorbereitet», ist Thierry Diedenhofen dankbar.
Den Weg selber finden
Komplizierter ist dagegen die Vorbereitung des Lagers. Für das Auslandlager müssen die Pfadfinder einen Antrag an ihre luxemburgische Zentrale senden, die das Gesuch ins internationale Pfadfinderbüro in Genf weiterleitet. Erst nach der Genehmigung können sie die Gemeinde anfragen. Zudem müssen die Eltern in Luxemburg eine schriftliche Genehmigung ihrer Gemeinde einholen, damit ihre Kinder mit ins Lager gehen dürfen.
Angereist sind die Pfadfinder am Sonntagmorgen. «Wir haben gleich die Zelte, Esstische und Öfen aufgebaut.» Die 13 Kinder sind in drei Gruppen organisiert. In diesen wird gekocht, gegessen und verschiedene Aktivitäten werden ausgeführt. Betreut werden sie von zwei Leitern und drei angehenden Leitern. Das Lagerprogramm besteht auch aus einer Wanderung auf die Rigi. Hier müssen die drei Gruppen ihren Weg selber finden und selbstständig bei einer Feuerstelle übernachten. «Das nötige Wissen dazu erhalten sie und dessen Einsatz üben sie in den Tagen davor», versichert Diedenhofen. Daneben besuchen sie den Zoo in Zürich und das Verkehrshaus in Luzern.
Teure Lebensmittel
Da die Schweiz für die Luxemburger sehr teuer ist, haben sie Lebensmittel, die sehr lange haltbar sind, selber mitgebracht. Alles andere wird hier eingekauft. «Gutes Fleisch aus der Metzgerei kostet bei uns etwa die Hälfte von Fleisch mit Rabatt aus euren Supermärkten», erklärt der Leiter. Gekocht wird ausschliesslich ohne Gas auf dem Feuer.
Die Pfadfinder schätzen an Zufikon die unglaubliche Freundlichkeit der Einwohner. «Es ist mir wichtig, dass die Kinder diese Atmosphäre auch spüren. Deshalb haben wir sie am Montag mit Fragebogen nach Zufikon und Bremgarten geschickt.» Dabei erfuhren die Pfadfinder interessante Details der Region. «Einige haben gar Kekse geschenkt erhalten.» Ihr Lager soll für die Bevölkerung einladend wirken. «Die Leute sind bei uns jederzeit willkommen», lädt Diedenhofen ein. Apropos Besuch: «Am Sonntag kommen 20 Väter und Mütter extra nach Zufikon. Viele übernachten in der Umgebung und hängen noch ein, zwei Tage an.»
Aktivitäten mit heimischen Pfadfindergruppen sind nicht geplant. «In früheren Lagern trafen wir uns in Zufikon zum Fussballturnier. Das ist aber länger her.» In ein paar Jahren werden die Luxemburger gerne wiederkommen. «Der Platz und das ganze Drumherum sind schlicht perfekt.»



