50-jährig und noch immer modern
02.07.2019 SchuleSchule und Bevölkerung feiern das Aristauer Schulhaus
Vor 50 Jahren wurde in Aristau ein neues Schulhaus gebaut. Aktuell bietet es Platz für gut 100 Kindergärtler und Primarschüler. An der Jubiläumsfeier blickten Schulpflegepräsidentin Diana ...
Schule und Bevölkerung feiern das Aristauer Schulhaus
Vor 50 Jahren wurde in Aristau ein neues Schulhaus gebaut. Aktuell bietet es Platz für gut 100 Kindergärtler und Primarschüler. An der Jubiläumsfeier blickten Schulpflegepräsidentin Diana Wittwer und Architekt Andy Wyder zurück und nach vorne.
Annemarie Keusch
Schlechtes Wetter war bei der Jubiläumsfeier des Aristauer Schulhauses ganz sicher nicht. Zum Zug kam das Schlechtwetterprogramm trotzdem. «Draussen die Spiele abzuhalten, wäre viel zu heiss gewesen», sagt Schulleiter Stefan Woodtli. Kurzerhand wurde vieles in die Halle und an den Schatten verlegt. Auch das «Spiel ohne Grenzen» – der Wettkampf der Schülerinnen und Schüler gegen die Lehrerinnen und Lehrer. Knapp siegte die Lehrerschaft, feiern konnten nachher aber alle. Ab dem späten Nachmittag war das ganze Dorf eingeladen, auf die Geschichte des Schulhauses zurückzublicken.
Gemeinderätin und Schulpflegepräsidentin Diana Wittwer grub tief in den Geschichtsbüchern. 1807 haben die Aristauer Schüler im Muri-Wey die Schule besucht. «Bewusst sage ich Schüler, weil es vor allem Knaben waren, die Zugang zur Bildung hatten.» Wenig später wurde das erste Aristauer Schulhaus in Betrieb genommen, in einem Privathaus in Birri. Dispute, dass Birri und Althäusern auch eigene Schulen wollen, kamen später auf, als das erste Schulhaus im Dorfteil Aristau den Betrieb aufnahm.
Steuerfuss für Schulhaus um 15 Prozent erhöht
Solche Diskussionen gehören längst der Vergangenheit an. Schon ein halbes Jahrhundert steht das Schulhaus für alle Dorfteile neben der Kirche, am Dorfrand von Aristau. «Vorher war der Standort beim Gemeindehaus», berichtete Diana Wittwer. Damit 1969 das neue Schulhaus eingeweiht werden konnte, war ein grosser Effort gefragt – auch in finanzieller Hinsicht. 1963 etwa sagten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Ja zu einer Erhöhung des Steuerfusses um 15 Prozent. «An dieser Stelle möchte ich nochmals allen Danke sagen, die diesem weitsichtigen Projekt damals zustimmten», betonte Wittwer.
Die damaligen Verantwortlichen zeigten sich aber nicht nur hartnäckig, als beispielsweise erste Projekte vom Stimmvolk abgelehnt wurden. Auch Innovation bewiesen die Aristauer. Mit dem Erlös des Bühnenbasars etwa wurde die noch heute bestehende Bühne teilweise bezahlt.
Gross gewachsen ist die Zahl der Schüler, die in Aristau die Schule besuchen, seit dem Schulhausbau nicht. Heute gehen nur noch Primarschüler und Kindergärtler dort ein und aus. Bis 1972 war auch die Sekundar- und bis 1985 auch die Realschule im Dorf. «Die Zahlen zeigen, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird. Wir werden räumlich bald an unsere Grenzen stossen», weiss Diana Wittwer.
Lehrplan 21 bringt nächste Veränderungen
Bauliche Veränderungen brauchte es schon in der Vergangenheit. 1988 etwa wurde das Schulhaus um einen Kubus ergänzt. 2014 und 2015 folgte ein weiteres «Update», bei dem die Ausstattung erneuert und der Schulraum erweitert wurde. Aber auch sonst hat sich einiges verändert. «Viele Parallelen zu damals gibt es nicht mehr, obwohl die Zahlen und die Buchstaben die gleichen sind», weiss die Schulpflegepräsidentin. Frontalunterricht prägt den Schulalltag nicht mehr. Vieles ist bunter geworden. Mit dem Lehrplan 21 folgt der nächste Schritt. «Wissen wird in Kompetenzen eingestuft, der Lehrer wird quasi zum Coach. Ob das gut war, kann dann an der 100-Jahr-Feier des Schulhauses diskutiert werden.»
Raum bieten für Begegnung von Jung und Alt
Architekt Andy Wyder hat die Geschichte des Schulhauses von Anfang an miterlebt. Sein Vater war es, der mit «Mut» das Siegerprojekt einreichte. Seine Vision wurde im Aristauer Schulhaus umgesetzt. Bei den baulichen Veränderungen in den letzten Jahren war Wyder als Architekt immer dabei. «Das 50-jährige Schulhaus ist noch heute modern, funktional und gut im Schuss», betonte er. Sein Vater habe damals in seinen Grundgedanken nicht nur die Funktionalität berücksichtigt. «Er wollte den Kindern mit diesem Bau ein Gemeinschaftsgefühl geben und dem Dorf ein offenes Haus zur Verfügung stellen.»
Ob für Vereine, die Gemeindeversammlung oder andere Anlässe – das Schulhaus bietet allen Platz. «Diesen Ansatz wollen wir auch bei allfällig kommenden Erweiterungen beibehalten.» Neben dem Blick zurück – auch dank mit alten Möbeln eingerichtetem Schulzimmer – und dem Blick nach vorne vergassen die Aristauer aber die Realität nicht. Mit verschiedenen Essensständen und Spielmöglichkeiten feierten sie den 50. Geburtstag ihres Schulhauses.



