Treibende Kraft für Entwicklung
28.06.2019 BremgartenNeu gestaltete Ausstellung im Museum Reusskraftwerk Bremgarten eröffnet
Seit 2005 besteht das Museum Reusskraftwerk in Bremgarten. Die neu gestaltete Ausstellung veranschaulicht den massiven Einfluss des Kraftwerks auf den Fortschritt in der Stadt, aber auch auf die ...
Neu gestaltete Ausstellung im Museum Reusskraftwerk Bremgarten eröffnet
Seit 2005 besteht das Museum Reusskraftwerk in Bremgarten. Die neu gestaltete Ausstellung veranschaulicht den massiven Einfluss des Kraftwerks auf den Fortschritt in der Stadt, aber auch auf die weitere Umgebung.
André Widmer
«Die Geschichte der Bruggmühle ist eng mit der Stadt verwoben», sagte Alfred Koch, Präsident des Museumsvereins an der Eröffnung der neuen Ausstellung. Die Wasserräder der Bruggmühle nutzten schon vor Jahrhunderten die Kraft der Reuss für Getreidemühle, Sägerei und später eine Baumwollspinnerei. 1892 war es Caspar Hausherr, der mit zwei Gleichstromgeneratoren erstmals Strom erzeugte. «Die maschinellen Anlagen des Museums sind ein Denkmal der Industrialisierung im Reusstal», so Koch.
«Ohne Strom keine Bahn»
1896 wurde die Strassenbeleuchtung elektrifiziert. Der CEO der AEW Energie AG, Hubert Zimmermann, sprach ebenfalls die historische Bedeutung an: «Es geht darum, zurückzuschauen und zu lernen für die Zukunft.» Er wies darauf hin, dass auch heute noch 60 Prozent des Schweizer Stroms aus Wasserkraft gewonnen werden. «Es ist das Rückgrat und die Erfolgsgeschichte der Schweiz», hielt Zimmermann fest. Und es war die AEW, die das Reusskraftwerk 1927 von der damaligen Elektrizitätswerk zur Bruggmühle AG übernahm und noch bis Ende der 90er des letzten Jahrhunderts betrieb. Heute steht das Kraftwerk unter Denkmalschutz, die AEW überlässt es dem Museumsverein für den Ausstellungsbetrieb. Als «Ort der Reflektion» bezeichnete der AEW-Chef das Museum Reusskraftwerk in Bremgarten.
Das Reusskraftwerk brachte aber nicht nur Strom und Licht ins Städtli. Eng verbunden mit dem Strom in der Region ist auch die Geschichte der 1902 erstellten Bremgarten-Dietikon-Bahn BDB. Bis zum Bahnhof Berikon-Widen wurde die Bahn mit Strom aus der Bruggmühle gespeist. «Ohne Strom keine Bahn», stellte deshalb der Bahndirekor Severin Rangosch von Aargau Verkehr (zu der die heutige BDW gehört), an der Ausstellungsvernissage treffsicher fest. Heute würde man von den Früchten jener Pioniertaten profitieren. Und eine dieser visionären Pioniertaten zu jener Zeit war schliesslich auch der Bau der Bahn über den Mutschellen, liess Rangosch verstehen.
Mühle, Kraftwerk, Museum
Ausstellung im Museum Reusskraftwerk Bremgarten veranschaulicht Zeitgeschichte
Ein Denkmal der Industrialisierung ist das Reusskraftwerk auf dem Inseli. Die neue Ausstellung vermittelt maschinelle und bildhafte Eindrücke.
André Widmer
Das Museum Reusskraftwerk Bremgarten ist ein Bijou. Die emsigen Mitglieder des gleichnamigen Vereins haben unter der Führung von Präsident Alfred Koch – unter den Helfern sind auch frühere Mitarbeiter des Kraftwerks – zusammen mit Gestalter Peter Spalinger eine Ausstellung entworfen, die nicht nur die Geschichte der Bruggmühle und des Reusskraftwerks umfasst. Sie illustriert auch einen gewichtigen Teil der Entwicklung der Stadt und der Region, der Industrialisierung und der Elektrifizierung.
Imposant dabei der maschinelle Teil der Ausstellung: Reguliereinrichtungen, Kraftübertragung und insbesondere die beiden Turbinen beeindrucken, wenn sie von den Vereinsmitgliedern demonstriert werden und in «voller Fahrt» sind. «Die maschinellen Anlagen des Museums sind ein Denkmal der Industrialisierung im Reusstal», sagte Alfred Koch anlässlich der Vernissage.
Der neue Teil der Ausstellung zeigt auf Bildtafeln viele Aspekte: So den Reussaufstau und den Fällbaum, wie aus der Mühle ein Kraftwerk wurde, die Einführung des Lichts in der Stadt Bremgarten. Sie beschreibt den Werdegang von der Mühle zum Kraftwerk: 1281 wurden die Mühlräder von der Reuss angetrieben. Bis 1835 war die Stadt Besitzerin der Mühle. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgte die Nutzung der Wasserräder durch eine Baumwollspinnerei, 1877 der Betrieb einer Garnzwirnerei und Spinnerei mit Garn- und Wolllädeli, so Alfred Koch. Im Bilderzyklus sind der Plan des Wasserrades der Säge (1866) und des Aufrisses der alten Mühle zu sehen – auch beeindruckend.
Erstmals Strom
1892 wurde erstmals Strom produziert. Pionierhaft dabei Caspar Hausherr, der für die Installation der zwei Gleichstromgeneratoren besorgt war. Hausherr war es auch, der drei Jahre später die Aktiengesellschaft «Elektrizitätswerk zur Bruggmühle» gründete. «Seinem Pioniergeist und seiner Weitsicht verdankt Bremgarten die Elektrifizierung der Stadt», heisst es auf einer der Infotafeln. Die Gründung der NOK (Nordostschweizer Kraftwerke) und der AEW (Aargauisches Elektrizitätswerk) wird ebenfalls thematisiert. Gewichtig das Kapitel über den Bau der Eisenbahnbrücke, der Schmalspurbahn nach Wohlen und der Erstellung der Strassenbahn von Bremgarten nach Dietikon. Caspar Hausherr, Plazid Weissenbach und Heinrich Meyer-Ganzoni werden als Pioniere jener Zeit gewürdigt; 1902 startete der fahrplanmässige Betrieb, die Stromversorgung der BDB (Bremgarten-Dietikon-Bahn) erfolgte aus dem Wasserkraftwerk Bruggmühle. Es gab sogar eine direkte Telefonverbindung vom Kraftwerk zum Bremgarter Bahnhof. Eine alte Bildaufnahme zeigt die Kraftzentrale der BDB mit dem grossen Treibriemenband durch den Raum. Auch eine Akkumulatorenanlage existierte, um allfällige Schwankungen beim Elektrizitätsbedarf ausgleichen zu können. Interessant zu wissen: Die Kraftwerks-AG beteiligte sich mit einem Aktienpaket an der Bahn. 1927 kaufte das Aargauische Elektrizitätswerk (AEW) das Kraftwerk. Sie baute gemäss Koch auch die Anlagen von Gleichstrom auf Wechselstrom um. Zu sehen in der Bilderexposition ist auch «der grosse Bruder» der Bruggmühle, nämlich das Kraftwerk Bremgarten-Zufikon. Der jetzige Bau wurde 1975 in Betrieb genommen, produziert jährlich 105 Millionen Kilowattstunden Strom. Auch das heutige Kleinwasserkraftwerk am linken Ufer hat seinen Platz auf einer Tafel.
Tausende Stunden Fronarbeit
Einen Einblick in die technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte vermitteln Geräte wie alte Stromzähler, Messgeräte und Telefonie. Sogar eine Wäschetrommel steht in der Ausstellung. «Ich freue mich, einen Verein von technikbegeisterten Fachleuten leiten zu dürfen», führte Präsident Alfred Koch aus. 10 000 Stunden an Freiwilligenarbeit seien bis zur ersten Eröffnung (im Jahre 2005) des Museums Reusskraftwerk geleistet worden, seither wohl weitere, über 10 000 Stunden. Dankbar sei man für die Unterstützung der AEW. Ihr gehört das Reusskraftwerk und sie hat dem Verein den Betrieb des Museums übertragen.



